ÖFB nur wegen WM? Paul Wanner erklärt Nein zu Nagelsmann
Paul Wanner
Während Carney Chukwuemeka noch recht wenig Deutsch spricht, gibt es mit dem zweiten prominenten Neuling im ÖFB-Team, Paul Wanner, keinerlei Hürden bei der Verständigung. Wo der in Dornbirn geborene Sohn einer Vorarlbergerin und eines Deutschen aufgewachsen ist, kann er allerdings nicht verheimlichen. Auf die Frage, was denn der Schlüsselmoment war bei seiner Entscheidung, nun für Österreich zu spielen, sagt er: „Das ist einfach so ein Gefühl, wo kommt.“
Paul Wanner ist in Amtzell in Oberschwaben aufgewachsen. Das ist nur etwa 30 Kilometer von der Staatsgrenze Hörbranz in Vorarlberg entfernt. Über Ravensburg kam er als 13-Jähriger zum FC Bayern München, wo er schon drei Jahre später mit den Profis trainieren durfte. Das geht sich nur aus, wenn man außergewöhnlich talentiert ist. Und weil er das ist, wollte ihn Julian Nagelsmann im November auch ins deutsche A-Nationalteam einberufen. Der damals noch 19-Jährige winkte ab, um sich wenig später für Österreich zu entscheiden. Und das nach 27 Nachwuchs-Länderspielen für den DFB.
Ein mögliches WM-Ticket allein sei dafür aber nicht ausschlaggebend gewesen, betont der offensive Mittelfeldspieler in Marbella, wo sich das ÖFB-Team gerade auf die beiden WM-Tests gegen Ghana (Freitag, 18 Uhr) und Südkorea (Dienstag, 20.45) vorbereitet. Damit widerspricht Wanner einer der naheliegendsten Erklärungen. „Das war jetzt keine kurzfristige Entscheidung von mir, sondern eine langfristige. Man darf sich nie von einem Event blenden lassen. Deshalb war es nicht einfach nur die WM, sondern das große Ganze.“
Zu diesem „großen Ganzen“ gehört auch Ralf Rangnick. Der Teamchef spielte eine zentrale Rolle im Entscheidungsprozess. Daher würde er sich freuen, wenn der 67-Jährige auch nach der WM noch beim ÖFB bliebe. „Das wäre sehr wichtig, weil er natürlich auch ein Grund war, warum ich mich so entschieden habe. Ich habe super Gespräche mit ihm geführt und auch mit Lars Kornetka, seinem Assistenten“, sagt Wanner.
Dass dieser Schritt kein leichter war, betont er mehrfach. „Ich habe mir viele Gedanken gemacht. Aber letztendlich habe ich dann das Gefühl entwickelt, dass ich ganz klar für Österreich spielen will.“ Ein Satz, der nach Abwägung klingt – und am Ende doch nach Klarheit. „Ich freue mich, hier zu sein. Und ich weiß, dass es die richtige Entscheidung ist.“
"Kein böses Blut"
Beim DFB hinterließ die Entscheidung keine verbrannte Erde. „Ich habe es ihnen mitgeteilt. Sie haben es verstanden, da gab es kein böses Blut.“ Emotionaler wurde es dagegen im familiären Umfeld. „Meine Familienseite ist schon eher Österreich. Die haben sich schon extrem gefreut.“
Besonders groß war die Freude bei den Großeltern in Dornbirn. „Zu Oma und Opa habe ich sehr engen Kontakt. Meine Oma hat sich extrem gefreut.“ Und dann wird Wanner kurz zum 20-Jährigen, der er auch ist: „Wenn ich bei ihr zu Hause bin, dann schmeckt das Essen schon sehr gut. Sie macht das beste Schnitzel.“
Dass er den Vorarlberger Dialekt versteht, überrascht da wenig. „Meine Mama spricht vorarlbergisch, ich verstehe alles – aber ich spreche dann doch eher Hochdeutsch.“
"Am liebsten Zehner"
Auf dem Platz will Wanner künftig ohnehin eine klare Sprache sprechen. Am liebsten als klassischer Spielmacher. „Wenn ich es mir aussuchen könnte, spiele ich auf der Zehnerposition“, sagt er. Im 4-2-3-1 von Ralf Rangnick gibt es zu seinem Glück drei Zehnerpositionen. Zumindest die Rollen von Christoph Baumgartner zentral und Marcel Sabitzer halb links dürften bei der WM fix vergeben sein.
Seine Stärken beschreibt Paul Wanner nüchtern: „Ich bin ein kreativer Spieler, der mit dem letzten Pass seine Mitspieler in Szene setzen will. Ich glaube, ich habe auch ein gutes Dribbling.“
Wichtig wäre auch, dass er sich bei der Bundeshymne nicht verdribbelt. „Da muss ich noch einen Feinschliff machen“, gibt er zu und grinst. Bis Freitag, 18 Uhr, sollte sich das ausgehen.
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