ÖFB-Neuling Chukwuemeka: "Schnitzel hat mir meine Mama oft gemacht“

Der 22-jährige Team-Neuling verrät Details über seine Wurzeln in Wien und spricht über die Entscheidung, für Österreich zu spielen.
Carney Chukwuemeka

Die ersten Worte auf Deutsch sitzen schon ganz gut. „Oida, bist du deppert“ sagt Carney Chukwuemeka und grinst. Sieht ganz so aus, als wäre der 22-Jährige im österreichischen Nationalteam angekommen – sportlich wie menschlich.

Zum ersten Mal ist Chukwuemeka beim ÖFB-Team dabei, das sich dieser Tage in Marbella auf die WM-Tests in Wien gegen Ghana (Freitag) und Südkorea (Dienstag) vorbereitet. Der Neuzugang wirkt ruhig, reflektiert, selbstbewusst – aber ohne jede Spur von Starallüren.

„Die Burschen haben mich großartig aufgenommen. Ich kann mich nicht beschweren“, sagt er. „Man merkt schnell, dass alles sehr familiär ist.“

Noch ist sein Deutsch überschaubar. Er könne „nicht viel, um ehrlich zu sein“, aber ein paar Kabinenklassiker hat er schon aufgeschnappt.

Bewusste Entscheidung

Dass Chukwuemeka heute hier sitzt, ist das Ergebnis eines Prozesses – und einer bewussten Entscheidung. „Ich habe für England gespielt und bin dort aufgewachsen“, sagt er. „Aber es fühlt sich jetzt wie die beste Entscheidung an, für Österreich zu spielen.“ Ein Faktor spielte dabei eine zentrale Rolle: die WM in diesem Jahr in den USA, Kanada und Mexiko. „Natürlich, das war schon einer der Hauptgründe“, gibt er offen zu.

Doch es ging um mehr als nur sportliche Perspektive. Auch persönliche Gespräche haben Spuren hinterlassen. Mit Ralf Rangnick aber auch eines mit David Alaba. „Das war 2024. Er hat mich angerufen und gefragt, ob ich für Österreich spielen will.“ Als sie sich nun in Marbella sahen, fiel ein Satz, der hängen bleibt: „Endlich bist du da!“

Noch intensiver war der Austausch mit Marcel Sabitzer, seinem Klubkollegen bei Borussia Dortmund. „Wir haben viel über den österreichischen Fußball gesprochen, auch über den Erfolg bei der U-17-WM.“ Der habe zu seiner Entscheidung für Rot-Weiß-Rot spielen zu wollen, mitgespielt.

Zwischen London und Wien

Ganz fremd ist ihm Österreich ohnehin nicht. Chukwuemeka wurde zwar in England groß, doch seine Wurzeln führen nach Wien, wo er geboren ist.

Käsekrainer und Schnitzel natürlich“, sagt er lachend, wenn man ihn fragt, was er mit Österreich verbindet. „Schnitzel hat mir meine Mama oft gemacht.“ Seine Eltern, die aus Nigeria eingewandert waren, lebten lange in Österreich, sprechen beide fließend Deutsch. Noch heute lebt ein Teil der Familie in Wien. „Ich war immer wieder dort.“

Er selbst war zwei Jahre alt, als die Familie das Land verließ – erst nach London, später nach Northampton. Österreich ist für ihn kein Neuland, sondern ein vertrauter Ort aus der Kindheit, der plötzlich wieder zur Gegenwart geworden ist.

Einer, der Freiheit braucht

Sportlich beschreibt sich Chukwuemeka als „einen spannenden, talentierten Spieler, der gerne zeigt, was er kann und Freiheiten genießt“. Am liebsten spielt er als Achter im zentralen Mittelfeld – auf jener Position also, die auch sein großes Idol geprägt hat: Kaka.

Was er einbringen will? „Die beste Version meiner selbst“, sagt er. Und das möglichst schnell. Denn er weiß, in welches Team er gekommen ist: „Das ist eine sehr gute Mannschaft. Ich habe mir einige Spiele angeschaut.“

Am Ende führt das Gespräch unweigerlich zur großen Bühne. Zur Weltmeisterschaft. „Das ist die größte Bühne im Weltfußball“, sagt Chukwuemeka. „Ich habe als Kind jede WM gesehen. Schon beim Zuschauen merkt man, wie viel es den Spielern bedeutet, dort dabei zu sein.“

Jetzt ist er selbst auf dem Weg dorthin – in einem neuen Trikot. Wie gut es ihm steht, wird man schon bald sehen.

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