WM-Analyse: Warum das ÖFB-Team nicht alle Hoffnungen erfüllte
Laimer und Chukwuemeka
Als Gruppenzweiter aufgestiegen und im Sechzehntelfinale gegen Europameister Spanien ausgeschieden. Auf dem Papier und den Resultaten zufolge hat Österreichs Team bei dieser Weltmeisterschaft erreicht, was man von ihm erwarten durfte.
Nicht eingetreten ist, was viele Fußballfans in Österreich zurecht erhofft hatten bei dieser ersten WM-Teilnahme nach 28 Jahren: Dass das Team von Ralf Rangnick näher dran ist an den großen Nationen, dass man Weltmeister Argentinien und Europameister Spanien etwas mehr fordern kann, als letztlich geschehen. Warum das nicht eingetreten ist.
- Baumgartners Ausfall
Dass Österreichs wohl konstantester Offensivspieler der letzten Jahre so kurz vor dem Turnier ausfällt, war für das Team nicht zu verkraften. Ohne den 26-Jährigen funktionierte auch das Pressing nicht wie gewohnt und musste der Teamchef die Spieler mehr von Position zu Position verschieben, als ihm lieb war. Um die großen Nationen zu fordern, müssen bei Österreich alle fit und in Form sein. Da hätte neben einem fitten Baumgartner auch etwa Max Wöber geholfen.
Christoph Baumgartner verletzte sich vor der WM und war zum Zuschauen verdammt.
- Die WM kam zu spät
Wie lange haben David Alaba und Marko Arnautovic versucht, zu einer WM zu fahren? Am Ende ist es ihnen doch noch gelungen. Allerdings: Für die beiden Haupt-Protagonisten ihrer Generation kam die WM 2026 letztlich um ein paar Jahre zu spät, um so ein Turnier auch in der Blütezeit ihrer Karriere zu bestreiten. Alaba hat alles unternommen, um bei der WM auflaufen zu können, hat aufgrund der Narben seiner Karriere aber nicht mehr die Spritzigkeit, die ihn Zeit seiner Karriere ausgezeichnet hat. Arnautovic war mit 37 Jahren nicht mehr dazu in der Lage, mehr als eine Halbzeit auf höchstem Level zu spielen. Und trotzdem hat er seine Klasse in den USA noch einmal aufblitzen lassen.
- Verlorene Stärke
Das viel zitierte Pressing hat Österreich über Jahre ausgezeichnet und war der Spielmacher des Teams. Über Ballgewinne möglichst nah am Tor des Gegners und Effizienz im Umschalten hat man Spiele oft auf die eigene Seite ziehen können. Warum das bei dieser WM nicht mehr gelungen ist, ist eine Folgeerscheinung der Personalsituation.
Allerdings zeichnete sich das schon nach der EURO 2024 ab, denn bis auf das 5:1 in Linz gegen Norwegen gab es kaum ein Spiel, wo Österreich den von Rangnick seit Jahren vorgegebenen Stil auch wirklich konsequent umsetzte.
- Schwächen mit Ball
Dass sich die Österreicher damit schwer tun, tief verteidigende Gegner auszuspielen, wurde schon in den letzten Jahren immer wieder augenscheinlich. Bei dieser WM hat man aber selbst in Umschaltsituationen mit mehr Räumen Defizite im Spiel mit dem Ball offenbart. Immer wieder wurden damit aussichtsreiche Aktionen zum Kreieren von Torchancen zunichte gemacht. Nicht sauber zu Ende gespielt, wie es die Spieler selbst immer wieder betonten.
Xaver Schlager und Nicolas Seiwald sind die laufenden und kämpfenden Beispiele, die nach Balleroberungen das Spielgerät viel zu oft viel zu schnell wieder dem Gegner schenkten. Und potenzielle Teamspieler mit außergewöhnlicher Technik sind beim ÖFB noch nicht in Sicht. Bis die Nachwuchsreform greift, die 2022 seitens ÖFB durchgezogen wurde und künftig mehr Dribbler und Torjäger zum Vorschein bringen soll, wird es noch mehrere Jahre dauern.
- Die WM-Situation
Nach dem Ausscheiden gaben einige Nationalteamspieler zu, dass das Neuland, das sie mit der WM betreten haben, für sie doch gewöhnungsbedürftig war. Einerseits wollte man alles aufsaugen, die gigantischen Stadien, die Stimmung, auch die Gegner, die in der Gruppenphase nicht aus Europa kamen, genießen. Andererseits musste man trotz aller Routine all diese Eindrücke verarbeiten und richtig kanalisieren. Und das ist nur zum Teil gelungen.
Das bestätigte Teamchef Rangnick selbst nach dem vierten WM-Spiel noch, als er über das Stadion von Los Angeles sagte: „Ich war schon in Dallas geflasht, aber das hier ist noch einmal eine andere Nummer“, so der Deutsche.
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