© Andreas Heidenreich

Reportage
08/15/2021

Demir bei Barca als der nächste Messi? "Wir kennen ihn nicht"

Am Tag seines möglichen Debüts für Barça ist Yusuf Demir in der katalanischen Metropole noch nicht allen ein Begriff. Ein Lokalaugenschein.

von Andreas Heidenreich

Reportage aus Barcelona

Der Weg in den offiziellen Fanshop des FC Barcelona nach der Landung am Flughafen El Prat ist der logische erste Abstecher. Trikots, Trainingsanzüge, T-Shirts. Alles hängt schön sortiert an den Wänden. Tabakwerbung auf einem Spielerleiberl? Nein, „Memphis“ ist einer der prominentesten Neuzugänge in diesem Sommer. Es ist der Vorname des Niederländers Depay.

Yusuf Demir scheint weniger prominent zu sein. Vom 18-jährigen Wiener ist weder der Vor- noch der Nachname irgendwo zu finden. Gut, dass eine junge Verkäuferin gleich ihre Hilfe anbietet. Ob es schon ein bedrucktes Yusuf-Demir-Trikot gibt?

Dass ihre Augen in diesem Moment besonders groß wirken, liegt nicht nur daran, dass die Hälfte ihres Gesichtes hinter einer FFP2-Maske verschwunden ist. Yusuf wer? Der Name sagt ihr nichts. Sie wisse demzufolge auch nicht, welche Rückennummer für den jungen Mann reserviert sein soll, will aber nachsehen und konsultiert einen Kollegen. Wenige Minuten später hat sie mehrere Versuche unternommen, den Spieler und seine Rückennummer auszumachen. Sie entschuldigt sich: „Wir kennen ihn nicht.“ Das wird sich ändern.

Ab zum Stadion

Infrastrukturell gibt es an der Hauptstadt Kataloniens nichts auszusetzen. Mit der U-Bahn ist man vom Flughafen in 20 Minuten beim Camp Nou, dem ehrwürdigen Stadion des FC Barcelona, wo Stunden später am Abend gegen Real Sociedad San Sebastian die Saison in der spanischen Liga eingeläutet wird. Ob Yusuf Demir dabei ist? Es ist 10 Uhr Vormittag, und noch wurde der Kader für das Spiel nicht veröffentlicht.

Genug Zeit, um im nächsten offiziellen Barça-Shop auf Spurensuche zu gehen. Jener vor dem Stadion ist um ein Vielfaches größer.

Anderer Ort, selbe Frage. Der Name Yusuf Demir sagt auch dem hiesigen Verkäufer nichts. Ja ist denn das möglich? Beim mehrmaligen Wiederholen des Namens klingelt es dann doch. „Ahhh, Demir“, sagt der junge Mann und zieht dabei den zweiten Vokal, das i, in die Länge. Immerhin gelingt es ihm und seinem Kollgen, die Rückennummer ausfindig zu machen. „Wir haben nachgesehen. Demir gehört auch zum Kader der zweiten Mannschaft, dort wird er die Nummer 11 tragen. Bei den Profis hat er die Nummer 27.“

Die Nummer 10 wird es nach dem Abgang von Lionel Messi (noch) nicht sein. Sie bleibt vorerst unbesetzt. Auch wenn die gewichtige lokale Sporttageszeitung Mundo Deportivo gerne mitreden möchte und bereits eine Online-Umfrage erstellt hat. Fünf Spieler (Demir war nicht dabei) standen zur Auswahl und als sechste Antwortmöglichkeit „keiner“. Ganz offenbar erfreut sich Ansu Fati großer Beliebtheit. Der 18-Jährige steigt nach einer Verletzung aber erst in Kürze wieder ins Training ein und wird gegen Real Sociedad nicht dabei sein.

Experte im Container

Ob es Demir in den Kader schafft, steht beim Verlassen des zweiten Fanshops immer noch nicht fest. Auf dem Weg zur nächsten U-Bahn-Station steht etwas außerhalb des Stadiongeländes ein Container, der ebenfalls als offizieller Fanshop die wichtigsten Artikel anbietet. Endlich. Beim Namen Yusuf Demir sprudelt es aus dem jungen Mann hinter der Budel nur so heraus. „Ich hoffe, er spielt heute Abend. Er ist gewaltig und jetzt schon einer meiner Lieblingsspieler“, sagt er und stellt sich gleich vor.

„Mein Name ist David, wie David de Gea oder David Alaba.“ Wer wird sich denn hier, vor den Toren des Camp Nou, mit einem Star von Real Madrid vergleichen? „Aber zurück zu Demir. Er spielt großartig, sein Stil ist dem von Messi sehr ähnlich.“ Wieder so ein gewagter Vergleich. „Ich will ja nicht sagen, dass er der nächste Messi wird, aber er könnte hier eine große Karriere machen. Schade, dass er nur ausgeliehen ist, sie müssen ihn kaufen.“

Tatsächlich weiß David auch, dass sein neuer Liebling von „Rapid Vienna“ kommt, und auch von Hans Krankl hat er schon gehört. Dass der 18-Jährige mehr als 40 Jahren nach dem Goleador der erst zweite Österreicher im Trikot des FC Barcelona werden kann, wird ihm übermittelt. „Dann hoffe ich, dass er heute Abend spielt. Das wäre historisch.“

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