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Winheims Tagebuch
07/23/2022

Nach der starken EM: Eine hat trotzdem das Bummerl

Vergleiche drängen sich auf: In welchen Statistiken die ÖFB-Frauen die Männer abhängen.

von Wolfgang Winheim

Auch wenn im Sport Vergleiche einst/jetzt und Frau/Mann ohne Hintergrundwissen problematisch sind – aktuell drängen sich solche auf. Oder können Sie glauben, dass Österreichs Torfrau im EM-Spiel gegen Deutschland ähnlich viele Kilometer gelaufen ist wie in den 1950er-Jahren die Mehrheit der Feldspieler der Fußballwelt?

Trinken, trinken, trinken

... heißt’s nicht nur in Pflegeheimen. Auch bei Sportlern kann Flüssigkeitsmangel folgenschwer sein. Weshalb in der Liga Trinkpausen hitzebedingt obligatorisch sind. Solche waren in den Karriere-Anfängen der späteren Teamchefs Josef Hickersberger, Alfred Riedl und Hans Krankl undenkbar gewesen. Der einstige Rapid-Feldwebel Gerdi Springer beharrte selbst nach Konditionsschindereien darauf, dass seine Spieler danach trocken blieben.

Hickersberger wiederum bleibt unvergessen, als im Austria-Camp abends nur ein einziges Glas Mineral erlaubt war. Espresso indes galt als Pflichtgetränk. Der legendäre Ernst Ocwirk hatte die Methode im guten Glauben von seiner Spieler- und Trainertätigkeit aus Italien mitgebracht. Aus heutiger Sicht Harakiri mit Anlauf.

Noch Anfang der 90er ließ Ernst Happel als ÖFB-Teamchef trotz 30 Grad Andreas Ogris und Co. nur mit langen Hosen plus Jacken trainieren. Nicht zur Strafe, sondern aus Überzeugung. Happel hatte die vermeintliche Weisheit aus DDR-Sportliteratur bezogen.

Laufen, laufen, laufen

... lautete das beeindruckende, letztlich unbelohnt gebliebene Motto der ÖFB-Frauen. Ihr Sommermärchen ist zu Ende. Ihre EM-Statistiken stammen indes nicht aus dem Märchenbuch, sondern aus der Datenbank der europäischen Fußball-Union. Fast alle von Irene Fuhrmanns Auserwählten, die von der ersten bis zur letzten EM-Minute auf dem Feld standen, legten in vier Spielen eine Marathondistanz zurück. Angeführt von Sarah Zadrazil mit 46,72 Kilometern = 11,68 pro Spiel (Topspeed 29,1 km/h). Weiters: Verena Hanshaw 44,57 km (11,15 km), Sarah Puntigam 44,23 (11,06), Barbara Dunst 44,02 (11,01).

Elf Kilometer pro Spiel! Die waren noch 1979, als der KURIER im Prater bei einem Männer-Ländermatch eine diesbezügliche Messung versucht hatte, unerreicht geblieben. In den 50ern sollen laut Aufzeichnungen spanischer Medien selbst Reals Feldspieler selten mehr als fünf Kilometer gelaufen sein. So viele (genau 5,17) wurden im Deutschland-Spiel Torfrau Manuela Zinsberger vom Computer attestiert. Boshaft wie die Online-Welt ist, wird aber nur ihr Hoppala, das das 0:2 bedeutete, in die Video-Sportwelt eingehen.

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