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Sport Fußball
06/19/2021

Mehr Kaninchen als Schlange: Der ÖFB auf der Suche nach Torgefahr

Österreichs Team kommt bei der EM viel zu selten vor das Tor seiner Gegner. Ein Problem, bei dem man durchaus ratlos wirkt.

von Andreas Heidenreich

Diese Zwischenbilanz lässt die Alarmglocken schrillen: In vier der jüngsten fünf Partien hat die österreichische Nationalmannschaft kein Tor erzielt. Die seit einiger Zeit fehlende Torgefahr gipfelte am Donnerstagabend in der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam in einem Spiel, in dem man so gar nicht gefährlich vor das Tor des Gegners kam.

Verdeutlicht wird die Harmlosigkeit der Österreicher beim 0:2 gegen die Niederlande von einem Wert, den die Analysten der Datenplattform OPTA eruiert haben: Das ÖFB-Team hatte in Amsterdam einen Expected-Goals-Wert von 0,68. Mit dieser Kennzahl werden die zu erwartenden Torerfolge einer Mannschaft anhand der Qualität der Torchancen errechnet. Parameter sind Distanz der Schüsse, Schusswinkel sowie die Zahl an Verteidigern zwischen Ball und Tor.

Sprich: Franco Fodas Team war nur gut für 0,68 Tore (Niederlande: 3,15) und erzielte demzufolge auch keines. Woran die mangelnde Gefahr diesmal auszumachen war, analysiert Muhammet Akagündüz (siehe Kolumne).

Rückblick

Fakt ist, dass die Österreicher schon eine ganze Weile lang Probleme haben, wenn es darum geht, Gegner auszuspielen. Umso mehr, wenn sich diese tiefer in der eigenen Spielhälfte formieren.

Im November nannte ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel nach einem 2:1 gegen Nordirland und einem 1:1 gegen eine norwegische B-Elf hohe Belastungen der Spieler und das damalige Fehlen von Christoph Baumgartner als Gründe. Dazu stellte der 54-Jährige für das Jahr 2021 gegen stärkere und weniger passive Nationen, gegen die man auch über Konter zum Erfolg kommen könne, Besserung in Aussicht (siehe Faksimile).

„Ich stehe nach wie vor zu dieser Aussage und glaube, dass wenn bei uns alle Teile ineinandergreifen, wir auch für eine Mannschaft wie die Niederlande richtig gefährlich werden können“, sagte Schöttel am Freitag, nachdem man in diesem Jahr zuvor bereits auch gegen Dänemark (0:4) und England (0:1) nicht getroffen hatte.

Auf die Nachfrage, ob man sich der Problemzone auch entsprechend bewusst ist und wo der Teufel schließlich begraben sein könnte, versichert Schöttel: „Wir besprechen alles, kennen die Szenarien und die Gegner, wir haben einen Plan, wie wir spielen wollen und trainieren das auch. Aber es ist dann schon auch der Stärke des Gegners geschuldet.“ Möglicherweise sehnt man sich nun doch keine stärkeren Nationen mehr herbei.

Fehlende Tiefe

Einer, der gerne sagt, was Sache ist, ist Aleksandar Dragovic. Der Verteidiger bestätigte am Tag nach dem 0:2 die Probleme im Ballbesitz. „Wir haben den Fehler gemacht, dass die Offensivspieler uns zu sehr entgegengekommen und zu wenig in die Tiefe gegangen sind. Andererseits verstehe ich auch einen Stürmer, der drei Minuten lang keinen Ball berührt, dass er dann versucht, sich einen zu holen, um wieder das Gefühl dafür zu bekommen.“

Einigkeit dürfte zumindest darüber bestehen, dass die Qualität grundsätzlich vorhanden ist, wie auch die 16 Saisontore von Sasa Kalajdzic in der deutschen Bundesliga belegen. Doch auch den Zwei-Meter-Mann konnte man als Team bisher nicht entscheidend in Szene setzen. Und das trotz immer wieder vieler erfolgreicher Ballgewinne im Mittelfeld.

Teamchef Franco Foda sprach nach der Niederlage Donnerstagnacht davon, dass man im Vorfeld der Partie sehr wohl auch sich bietende Räume vor der Abwehr der Niederländer ausgemacht habe, sah aber vor allem in der ersten Spielhälfte fehlende Passqualität der Spieler als Grund für die ausbleibenden Torchancen. Und: „Oft hat dann auch die Flanke gefehlt oder die Entschlossenheit beim Torabschluss.“ Zumindest Letzteres dürfte es nicht gewesen sein, wie der niedrige Expected-Goals-Wert zum Ausdruck bringt.

Hoffnungsträger

Ob Österreichs beste Fußballer im Entscheidungsspiel am Montag gegen die Ukraine einen besseren Plan von ihrem Teamchef mitbekommen oder den vorhandenen besser umsetzen werden, wird man sehen.

Mit Sicherheit klammert man sich auch an den Strohhalm der individuellen Klasse mit dem Namen Marko Arnautovic. Österreichs Exzentriker kann im letzten Drittel alles: Bälle prallen lassen und sichern ebenso wie in die Tiefe sprinten, Tore vorbereiten und selbst erzielen.

Doch vielleicht hat man Glück und braucht das gar nicht. Ein 0:0 und damit ein vierter Punkt in der Endabrechnung würde zwar Platz drei hinter den Ukrainern, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch den Aufstieg ins Achtelfinale bedeuten.

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