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Sport Fußball
02/11/2020

Markus Schopp: „Als Spieler war ich ein Verrückter“

Gelernt von Osim und Guardiola: Wie der Hartberg-Trainer aus einem Abstiegskandidaten ein Team für die Meistergruppe formte.

von Alexander Huber

Hartberg auf Platz sechs: Was Markus Schopp als Trainer des Abstiegskandidaten erreicht hat, ist bemerkenswert.

Im Interview erzählt der 45-jährige Steirer über seine Reise vom Flügel bei Sturm mit Erfahrungen im Ausland, seine Arbeit als Nachwuchscoach und den Weg zurück in die Bundesliga.

KURIER: Bei Hartberg fallen meistens viele Tore. Sie lassen mit Risiko spielen. Ist das Ihr Zugang zum Fußball?

Markus Schopp: Ich war immer sehr risikofreudig. Als Spieler war ich ein Verrückter. Ich wollte bei jeder offensiven Aktion meine Füße im Spiel haben. Mut, Entschlossenheit, Leidenschaft – das fordere ich so von meinen Spielern ein. Auch wenn es im Profibereich immer um das Resultat geht.

Sie holen viele Spieler, denen großes Potenzial bescheinigt wurde. Einige wie Rajko Rep schöpfen es erst jetzt aus. Denken Sie als Trainer gerne in der Möglichkeitsform?

 

Ob ein Spieler sein volles Potenzial abrufen kann, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Neben dem Talent und der Qualität spielen auch der Charakter und die Mentalität eine große Rolle. Schaut man sich die Transfers der letzten beiden Jahre an, sind wir mit unserer Auswahl nicht oft falsch gelegen.

Wie gehen Sie dabei vor?

Ich muss aufgrund der knappen Finanzen noch genauer hinschauen und auch den einen oder anderen Kompromiss mehr eingehen. Leider können wir spannende Spieler noch nicht längerfristig an den Verein binden. Will Hartberg weiter wachsen, muss es das Ziel sein, aus Spielerverkäufen vermehrt Transfererlöse zu erzielen.

Sie waren in St. Pölten Co-Trainer unter Lederer und Kühbauer. Der eine war mit 16 Pleiten in 21 Spielen extrem erfolglos, der andere hat vermutlich das Maximum rausgeholt und den SKN auf Platz 2 übergeben. Was haben Sie mitgenommen?

Extrem viel. Der Schritt von Sturm weg zu St. Pölten war für meine Trainerkarriere überhaupt der wichtigste. Beim SKN waren es zwei Trainer mit sehr unterschiedlichen Herangehensweisen. Ich schätze beide, weil sie in ihren Ideen so klar sind. In St. Pölten hat sich gezeigt, dass die Mannschaft eindeutig den einen Weg und nicht den anderen gebraucht hat.

Sie sind also Pragmatiker?

Ja. Es gibt nicht nur einen richtigen Weg, der immer gilt. Du musst bei jedem Verein auf Umstände reagieren. Es ist wichtig, eine Mannschaft dort abzuholen, wo sie ist.

Ist die Meistergruppe mittlerweile das offizielle Ziel?

Es wäre ein Blödsinn, wenn man nach 18 Runden mit sieben Punkten Vorsprung auf den Siebenten nicht oben dabei sein will. Unser Ziel ist der Verbleib in der Liga. Es wäre fantastisch, wenn wir das bereits nach 22 Runden erreicht hätten.

Hartbergs öffentliches Bild wird durch die herzliche Art von Präsidentin Annerl geprägt. Was ändert sich durch eine Frau an der Spitze?

Es wäre ungerecht, Hartberg auf Frau Annerl zu reduzieren. Wofür sie aber ganz klar steht, ist dieser Wille, Unmögliches zu erreichen. Es hat keiner einen Pfifferling darauf gegeben, dass Hartberg 2018 die Lizenz bekommt – sie und einige andere im Verein haben das Unmögliche wahr gemacht. Unser Markenzeichen ist, dass es im ganzen Verein eine unglaubliche Aufopferung gibt und dabei aber immer Ruhe ausgestrahlt wird.

Sie haben als Spieler große Bühnen wie die Champions League, den HSV oder New York mit unterschiedlichen Trainern erlebt. Was haben Sie daraus mitgenommen?

Der größte Schatz ist die aktive Zeit. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht, weil sich der Fußball so schnell so stark verändert. Ich durfte eine Reise machen mit Osim, Magath, Mazzone, Jara oder Arena. Jeder hat mir ein Bild des Fußballs gezeigt. Diese vermischen sich. Ich hatte aber so viele Bilder im Kopf, dass ich nicht gleich in Reihe eins hätte beginnen können. Es war ganz wichtig, dass ich aus der Jugend aufsteige.

Haben Sie bei Ihrem früheren Mitspieler Pep Guardiola gleich gesehen, dass er ein guter Trainer wird?

Premier League - Tottenham Hotspur v Manchester City

Pep war als Spieler schon ein Trainer. Er hat einen unglaublichen Intellekt. Und das Glück, dass ihn Johan Cruyff so detailliert in die Materie Fußball eingeführt hat. Einerseits darf er vom ersten Trainertag an in Barcelona, dann München, jetzt Manchester mit den Besten der Besten arbeiten. Er prägt den Fußball. Andererseits muss er auch Entscheidungen treffen, die unglaublich sind.

Auch Sie müssen jede Woche Entscheidungen treffen.

Es gibt wenige Trainer, die im Erwachsenenfußball etwas ausprobieren und entwickeln dürfen. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich in Hartberg Verantwortliche habe, die Niederlagen als Entwicklungsprozess einschätzen können. Ich habe Zeit bekommen wie nur wenige.

Ihr Vertrag läuft wie 2019 nur bis zum Saisonende. Warum wurde nichts Längeres abgeschlossen?

Der erste Vertrag über ein Jahr war ganz logisch: Damals hat niemand im Umfeld und anfangs auch niemand im Verein gedacht, dass es noch ein zweites Jahr von Hartberg in der Liga geben wird. Dass es jetzt wieder ein Jahr läuft, hängt damit zusammen, dass ich eine gewisse Freiheit haben möchte.

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