© APA/ANDREAS PESSENLEHNER

Sport | Fußball
05/24/2019

Lizenzentzug von Wr. Neustadt: "Wahrheit ist das Wichtigste"

Der Zweitligist muss knapp vor der Stadioneröffnung absteigen. Die Bundesliga wurde getäuscht. Es besteht Betrugsverdacht.

Petra Bohuslav wurde am Freitag in Wiener Neustadt erwartet. Die Sportlandesrätin sollte das neue Stadion begutachten, das gerade für 11,7 Millionen fertig gestellt wird. Gekommen ist Bohuslav aber nicht. Und das war nach der Entscheidung der Bundesliga über die Zukunft des Zweitligisten nicht einmal überraschend.

Um 11.50 Uhr hatte die Liga über den Lizenzentzug für den SC Wiener Neustadt informiert. Der zuständige Senat 5 untersuchte und fand Verstöße gegen Lizenz- und Zulassungsbestimmungen der Bundesliga. „Das Wichtigste ist die Wahrheit. Die Bundesliga hat von Wiener Neustadt aber mehrfach und wiederholt falsche Angaben bekommen“, sagt Liga-Vorstand Reinhard Herovits zum KURIER. Deswegen muss Wr. Neustadt absteigen und in Zukunft (mit einem neuen Stadion) im Amateurfußball weiterwursteln.

Falsches Spiel hatte Bohuslav Wr. Neustadt bereits vor knapp einem Jahr vorgeworfen. Es ging um die Klage gegen St. Pölten und den in der Relegation eingesetzten David Atanga. „Das Sportland NÖ steht für Fairness“, erklärte die ÖVP-Politikerin und forderte Klub-Präsidentin Katja Putzenlechner auf, die Niederlage gegen St. Pölten zu akzeptieren.

Vergeblich, Putzenlechner zeigte keine Einsicht – verlor dann vor Gericht und auch an öffentlicher Anerkennung. Das Drama ohne Einsicht wiederholt sich.

Katja Putzenlechner

„Glückwunsch an alle, die daran gearbeitet haben, den Verein zu ruinieren. Sie haben es jetzt geschafft“, sagt Putzenlechner zu meinfussball.at.

Falls es zu einem Protest kommt, wäre Herovits entspannt: „Ich sehe da eigentlich keinen Ermessungsspielraum, aber das muss das Protestkomitee beurteilen.“ Bekannt war durch die Beichte von Gerhard Fellner in der Kronenzeitung, dass (nicht nur) der Ex-Trainer statt eines Gehalts nur noch eine Aufwandsentschädigung bekam. Der Verein spitzte auf eine Liga-Förderung mit der Lizenz von rund 200.000 Euro und wollte dann die Rückstände begleichen.

Es gab auch noch weitere Verfehlungen. Herovits: „In den Lizenzunterlagen wurden ein Co-Trainer und ein Physiotherapeut angeführt – diese Personen waren aber gar nicht für den Verein tätig.“

Trauriges Detail für die neue 16er-Liga: Statt drei sportlichen Absteigern gibt es maximal einen. Wenn Wacker in die 2. Liga muss, stürzt Innsbrucks Zweierteam und sogar Schlusslicht Steyr wäre gerettet.

Betrugsverdacht

Nun ist die Staatsanwaltschaft am Zug. Es besteht der dringende Verdacht auf Betrug – damit eröffnet sich eine strafrechtliche Dimension für Putzenlechner und den Vereinsvorstand. „Wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen erfüllt sind, geben wir alle Unterlagen an die Staatsanwaltschaft weiter“, kündigt Herovits an.

In der Stadt wird betont, dass der Stadionbau trotzdem wichtig ist. „Egal, wie es mit dem Verein jetzt weiter geht. Das Stadion war ohnedies eine Notwendigkeit.

Gerade was die Nachwuchsarbeit betrifft, war es Zeit für eine entsprechende Infrastruktur“, sagt Sportstadtrat Gerstenmayer (FPÖ). Für Bürgermeister Schneeberger (ÖVP) ist die Arena ein hervorragender Mittelweg, der ideale Trainingsbedingungen für die Jugend schafft und auch die Möglichkeit für Konzerte bietet. Neben Trainingsplätzen gibt es ein Veranstaltungsareal, das zusammen mit dem Stadion 20.000 Besuchern Platz bietet.

Vom Lizenzentzug zeigten sich die Lokalpolitiker überrascht: „Der erstinstanzliche Entzug der Lizenz für den SC Wiener Neustadt durch die österreichische Bundesliga ist ein schwerer Rückschlag für den SC Wiener Neustadt und ein schwarzer Tag für die Sportstadt Wiener Neustadt. Dieser Lizenzentzug kommt für uns unerwartet und überraschend“, wird in einer gemeinsamen Presseaussendung von Bürgermeister Schneeberger und Sportstadtrat Gerstenmayer erklärt. Es würde nun in der Verantwortung des SC Wiener Neustadts liegen, die Entscheidung zu prüfen und gegebenenfalls alle rechtlichen Möglichkeiten auszunützen.