Sport | Fußball
24.06.2017

Lionel Messi wird 30: Der Kleine, er lebe hoch!

Heute, Samstag, feiert der Ausnahmefußballer seinen 30. Geburtstag. Keiner hat das Spiel in diesem Jahrtausend stärker geprägt als der 1,69 Meter kleine Argentinier vom FC Barcelona. Eine Würdigung zum Wiegenfest.

Einen Tag vor seinem 30. Geburtstag erhielt Lionel Messi am Freitag bereits ein Geschenk der besonderen Art. Der Argentinier entgeht voraussichtlich seiner Haftstrafe wegen Steuerbetrugs. Die Staatsanwaltschaft von Barcelona erklärte sich bereit, die 21-monatige Haftstrafe gegen den Star des FC Barcelona in eine Geldbuße umzuwandeln. Messi soll demnach für jeden Tag seiner Strafe 400 Euro zahlen, insgesamt etwas mehr als 250.000 Euro. Sein Vater Jorge Horacio muss 180.000 Euro zahlen. Die letzte Entscheidung liegt nun bei einem Gericht.

Der fünfmalige Weltfußballer und sein Vater waren im vergangenen Juli von einem Gericht in Barcelona wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu 21 Monaten Haft verurteilt worden. Im Mai bestätigte der Oberste Gerichtshof Spaniens die Haftstrafe gegen Messi, die Haftstrafe seines Vaters wurde auf 15 Monate gekürzt. Da Haftstrafen unter zwei Jahren in Spanien für gewöhnlich auf Bewährung ausgesetzt werden, blieben beide auf freiem Fuß.

Ausgezeichnet

Somit wird sich Messi wieder dem widmen können, was er besonders gut kann: Fußball spielen. Sein heutiger 30. Geburtstag ist eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Und die lässt einen nach Luft ringen. 565 Karrieretore hat der Argentinier schon erzielt, davon 91 allein im Kalenderjahr 2012. Weltrekord. 50 davon in der Primera División.

Vier Mal wurde ihm der Goldene Schuh des besten Torschützen Europas überreicht; je vier Mal wurde er Schützenkönig in der spanischen Liga und in der Champions League. Fünf Mal durfte er sich Weltfußballer des Jahres nennen. Für Argentinier bestritt er bisher 118 Länderspiele, auf den großen Erfolg mit der stolzen Fußball-Auswahl wartet er nach wie vor. Es ist der einzige sportliche Makel, und er verleiht der Laufbahn dieses außergewöhnlichen Fußballers einen Hauch Dramatik, weil sie unvollendet ist. Und vielleicht auch bleiben wird.

Permanent wird Messi verglichen mit Cristiano Ronaldo, der nun auch in steuerrechtlicher Sicht nachgezogen hat und ebenfalls angeklagt wurde. Die vielleicht treffendste Beschreibung der zwei besten Kicker der Welt gelang dem Fußball-Philosophen Jorge Valdano. Wie Messi Argentinier, wie Ronaldo spielte er einst für Real Madrid. Für ihn ist Messi ein Genie, Ronaldo ein Phänomen. "Das Genie hat auf ganz natürliche Weise Lösungen für Probleme parat. Das kommt von innen heraus, deshalb ist er ein Genie. Davon gibt es in der Geschichte des Fußballs ganz wenige." Und Ronaldo, das Phänomen? "Ronaldos Verdienst ist es, dass er im Vergleich zu Messi mit riesigem Aufwand Boden gewonnen hat. Und zwar so viel Boden, dass er, wenn sich das Genie ablenken lässt, Weltfußballer wird", so Valdano im deutschen Magazin kicker. "Der Unterschied ist, dass Messi sein Genie von Gott in die Wiege gelegt wurde. Ronaldo hatte Anlagen, die er klug und zielstrebig polierte."

Außerordentlich

Seit nunmehr zehn Jahren bestimmt die etwas überflüssige Diskussion, wer von beiden denn nun der Bessere sei, Fußball-Europa. Dem 1,69 Meter kleinen Messi springt Barcelona-Teamkollege Gerard Piqué zur Seite: "Leo Messi ist ein Außerirdischer. Cristiano ist der Beste unter den Menschen." Tatsächlich wirken Messis Bewegungen auf dem Spielfeld intuitiver, spielerischer, unvorhersehbarer. Wie die Rückhand von Roger Federer oder ein Zielsprint von Usain Bolt. Sie alle verbindet jene ganz spezielle Gabe, die unnatürlichsten Handlungen völlig natürlich aussehen zu lassen.

Mehrfach haben sich bereits Wissenschaftler aller Richtung dem Phänomen Lionel Messi genähert. "Die Technik an sich ist dabei nicht einmal das Entscheidende, Kunstfußballer können es bestimmt sogar noch besser. Um den Fußballer Messi zu würdigen, muss man vielmehr dessen Handlungsschnelligkeit mit Ball betrachten", analysiert Frank Wormuth, Leiter der deutschen Fußballlehrerausbildung für die Welt. "Er tut keinem weh, wirkt nicht besonders schlau und auch nicht besonders attraktiv", meint Marketing-Experte Hartmut Zastrow, "Messi ist ein Typ, den man gut findet."

Beziehungsskandale blieben der Öffentlichkeit fast zur Gänze erspart. Seit Jahren ist Antonella Roccuzzo an seiner Seite. Die 29-Jährige ist die Cousine eines seiner Jugendfreunde und stammt ebenfalls aus Rosario.

In der argentinischen Stadt wird auch schon bald der nächste große Tag zelebriert: Am 30. Juni, sechs Tages nach Messis 30er, folgt die Hochzeit.