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Sport Fußball
05/02/2020

Liga-Abbruch? Nicht nur die Austria würde vor dem Ende stehen

Ohne Geisterspiele fürchtet Austria-AG-Boss Kraetschmer das Aus für viele Klubs: „Das Modell bricht zusammen.“

von Alexander Strecha, Günther Pavlovics

Der 1. Mai wurde für die Vereine der österreichischen Fußball-Bundesliga zum Tag des blanken Entsetzens. Viele bangen um ihre Existenz, denn seit Donnerstagabend scheinen sogar die sogenannten Geisterspiele ein ferner Spuk zu sein. Durchaus möglich, dass die aktuelle Saison abgebrochen werden muss.

Die Bundesliga hatte ein Konzept erarbeitet, das mit Sport- und Gesundheitsministerium besprochen wurde. Dieses sah vor, dass bei positiven Corona-Tests nur die betroffene Person isoliert und seine engsten Kontaktpersonen sofort getestet werden. Das Gesundheitsministerium will aber sämtliche Kontaktpersonen isolieren, das wären etwa nach einem Spiel beide betroffenen Mannschaften.

Für Liga-Vorstand Christian Ebenbauer ist das ein „Damoklesschwert“. Falls dieser Fall eintritt, müssten die zwei Teams zwei Wochen aussetzen, die Saison müsste unterbrochen, wenn nicht gar abgebrochen werden.

Ob die Meisterschaft fertig gespielt wird, steht somit in den Sternen. Und damit auch die ausstehenden TV-Gelder. Was passiert mit Liga und Klubs, wenn abgebrochen wird – wie in Frankreich schon geschehen? „Dann bricht das Modell in sich zusammen“, bringt es Austria-AG-Vorstand Markus Kraetschmer auf den Punkt. Er meint damit den Profimannschaftssport. „Im Prinzip sind alle Mannschaftssportarten in Gefahr.“

Konkrete Nachfrage: Würde die Wiener Austria das überleben? Kraetschmer: „Konkrete Antwort: nein. Aber das ist kein Spezifikum der Austria, das betrifft viele andere Klubs ebenso.“ Den Austrianer ärgert vorwiegend, dass die Politik im 14-Tage-Rhythmus die Lage stets neu bewerten will. In der Zwischenzeit hängt die gesamte Liga in der Luft, darf noch kein Teamtraining aufnehmen. „Mit jedem Tag wird wirtschaftlich noch mehr zerstört. Zusätzlich werden Karrieren vernichtet.“

Damit meint Kraetschmer die Talente der Young Violets, der zweiten Austria-Mannschaft, die nach wie vor nicht einmal in Kleingruppen trainieren darf. „Wir brauchen Klarheit, Planbarkeit und Perspektive. Es geht ja um eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung.“

Wie geht es nun weiter? Liga-Vorstand Ebenbauer sagte zur Austria Presse Agentur: „Es ist eine gewisse Enttäuschung dahinter. Man muss sich sammeln.“ Die Liga will bis Ende nächster Woche das Konzept überarbeiten und dann einen neuen Anlauf nehmen.

Die Zeit wird aber sowieso knapp. Kommt es zu einem Konsens mit dem Gesundheitsministerium, könnte erst ab der nächsten Verordnung von Minister Anschober am 15. Mai das Mannschaftstraining beginnen. Damit rückt ein möglicher Ligastart auf Ende Mai, ein Saisonende ist sicher nicht mit Ende Juni möglich. Daher muss man eine Lösung finden bezüglich der Verträge und Leihverträge von Spielern, die mit 30. Juni auslaufen oder Vorverträge von Kickern mit neuen Klubs.

Internationale Sorgen

Aber nicht nur in Österreich ziert sich die Politik bei den Geisterspielkonzepten. Auch in Deutschland wird auf Zeit gespielt. Eigentlich sollte am Donnerstag eine politische Entscheidung fallen. Diese soll aber nun wenigstens früher als in Österreich, nämlich am 6. Mai, nachgeholt werden. Da tagen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer erneut.

Der Spiegel berichtet, dass das Geisterspiel-Konzept ebenfalls leicht modifiziert wird, um die Zweifel der Politiker und Gesundheitsexperten auszuräumen. Es geht hier auch darum, zu verhindern, dass gesamte Teams in Quarantäne müssen. Demnach sollen auch die Familienmitglieder der an den Spielen beteiligten Personen getestet werden, diese sollen in der Zeit der Geisterspiele ihre sozialen Kontakte einschränken. Als erster Klub kündigte RB Leipzig für Anfang nächste Woche die Rückkehr ins Teamtraining an, sofern die Corona-Tests bei allen Spielern negativ ausfallen.

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Trotzdem blicken die anderen europäischen Top-Ligen etwas neidvoll auf die Bundesliga. In Frankreich wurde die Saison am Donnerstag abgebrochen und Paris Saint-Germain zum Meister erklärt. In England wird über einen möglichen Neustart frühestens Anfang Juni diskutiert. In Spanien könnte es gar erst Mitte Juni wieder losgehen. In Italien dürfen die Klubs frühestens am 18. Mai wieder mit dem Training beginnen.

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