LASK-Stürmer Marko Raguz

© REUTERS/JON NAZCA

Interview
04/07/2020

LASK ist Meister? "Der fairste Zeitpunkt, um jetzt zu werten"

Manager Jürgen Werner über ein frühzeitiges Ligaende, das soziale Engagement des Klubs und eine neue Fußball-Landschaft.

von Bernhard Hanisch

KURIER: 12. März. Der LASK verliert in der Europa League das Geisterspiel gegen Manchester United 0:5. Danach legte Corona den Fußball lahm. Wie geht’s Ihnen jetzt?

Jürgen Werner: Danke gut. Der Tag ist voll mit Videokonferenzen und Telefonaten. Oder ich diskutiere mit Klubchef Gruber an verschiedenen Tischen. Verträge laufen aus, es muss über Neuverpflichtungen nachgedacht werden. Momentan ein großes Problem. Und ja, es hat mich damals echt geärgert, so untergegangen zu sein. Stark ersatzgeschwächt und vor leeren Rängen. Es war nicht mehr als ein Freundschaftsspiel. Aber jetzt interessiert das eh keinen Hund mehr.

Sie waren vor dreieinhalb Wochen in England, lagen danach mit Fieber im Bett ...

Man hört ja in solchen Situationen die Flöhe husten, aber vielleicht hat mich das Virus wirklich erwischt. Mein Arzt hat gesagt, ich sei kein Risikopatient. Also war ich in Isolation. Jetzt ist wieder alles in Ordnung. Sonst könnte ich nicht ...

... was machen?

Täglich zumindest eine Stunde auf dem Ergometer oder auf dem Laufband verbringen. Vor längerer Zeit hab ich einmal festgestellt, wir sind von Salzburg punktemäßig so weit weg wie ich von meinem Idealgewicht.

Der Oberösterreicher wurde am 3. Dezember 1961 in Wels geboren. In der Bundesliga war er für VÖEST und Sturm aktiv, für Österreich absolvierte er elf Länderspiele. Als Manager führte er den FC Linz 1997 in die Fusion mit dem LASK. 1998 gründete Werner die Spieleragentur Stars & Friends. Seit dem Verkauf seiner Anteile  2019  fungiert er offiziell als LASK-Vizepräsident

Mitarbeiter des LASK haben sich dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. Es wurde in Zeitungen inseriert. Wie kam es dazu?

Die Frage war: Wie kann man unsere Mitarbeiter vor der Kurzarbeit bewahren? Denn die haben sich vor der Krise einen Hax’n ausgerissen, keinen Tag frei gehabt. Also hatte unser Präsident die Idee, sie könnten ihre Arbeitsleistung für einen guten Zweck zur Verfügung stellen. Das Rote Kreuz hat sie eingeschult, um dort unterstützende Tätigkeiten zu verrichten.

Wie wird das finanziert?

Viele VIP-Karten-Inhaber und Sponsoren verzichten nach Meisterschaftsstopp auf die Rückzahlung ihres Geldes. Genauso haben sich die Spieler und die Trainer zu Gehaltskürzungen bereit erklärt.

Ein weiteres – für einen Fußballklub ungewöhnliches – Inserat hebt die Wichtigkeit der Medien hervor ...

Wir wurden schon im Herbst und dann im Europacup durch eine objektive Berichterstattung von den Menschen zunehmend positiv wahrgenommen. Und zwar österreichweit. Salzburg polarisiert einfach mehr, ist bei allem Erfolg mit einem gewissen Image behaftet, in Wien gibt’s zwischen Rapid und Austria ohnehin die dauernde Rivalität.

Auch eine Kampagne, um medial für sich Stimmung zu machen?

Nein. Wir kriegen ja trotzdem unsere Watsch’n, wenn es sein muss. Kritisch betrachtet zu werden, ist uns wichtig. Man muss in diesen Zeiten stolz sein auf die Demokratie, die Pressefreiheit ermöglicht.

Ihr Klub ist Erster nach dem Grunddurchgang. Was soll jetzt geschehen?

Wir entscheiden das wahrscheinlich nicht. Das werden die Politiker tun, siehe Belgien. Ich habe jedenfalls ein ethisches und moralisches Problem damit, sollte es heißen „Jungs, wir spielen jetzt“ und gleichzeitig sterben täglich viele Menschen.

Geisterspiele?

Ich halte nichts von dem deutschen Modell. Wie soll das gehen? Ich weiß schon, es sind alles junge Leute mit vermindertem Gesundheitsrisiko. Aber ich kann auch in Österreich nicht vor jedem Spiel Viren-Tests machen. Es geht um 28 Vereine, also wären das 800 Tests am Tag. Und wenn einer vier andere Spieler ansteckt? Spielen wir dann einfach weiter?

Damit wäre der LASK bereits Meister?

Es fördert das Image der Liga nicht, wenn wir uns über Zeitungen ausrichten, was für wen das Beste wäre. Meine persönliche Meinung ist, es sind Hin- und Rückrunde gespielt, der fairste Zeitpunkt, um jetzt zu werten. Das würd ich auch sagen, wenn ich nicht beim LASK wäre.

Ist Zuwarten eine weitere Option?

In Wahrheit geht es um sehr viel Geld. Aber die Ligen müssen doch aufeinander abgestimmt werden. Überhaupt in England, Spanien, Italien oder Frankreich ist die Lage teilweise katastrophal.

Oder die Meisterschaft einfach für nichtig erklären?

Ich fände es unfair, denn wir haben viel geleistet, elf Auswärtsspiele in der Liga hintereinander gewonnen, im Europacup viele Punkte für Österreich gesammelt.

Wie lange hält ein Klub wie der LASK finanziell die spielfreie Zeit durch?

Dank der Europacup-Einnahmen könnten wir mit einem blauen Auge davonkommen. Aber was passiert in den nächsten zwei Jahren? Wie kommen Firmen und unsere Kleinsponsoren aus der Krise?

Und wie kommen die Spieler durch die Krise?

Jeder bekommt via Bildschirm Anleitungen vom Athletiktrainer, oder der Chefcoach leitet Teambesprechungen. Das fördert das Gemeinschaftsgefühl. Wir haben Trainings in Kleingruppen überlegt, aber verworfen. Wir wären kein Vorbild für die Menschen, die zusammen nirgendwohin gehen dürfen.

Was wird sich durch die Corona-Krise verändern?

Man erkennt schon jetzt, wie abhängig man von der Globalisierung geworden ist. Die Regionalität leidet unter dem Kommerz, der uns alle bestimmt. Es wird womöglich nicht dauerhaft sein, aber die Umwelt erholt sich in dieser Ruhephase. Bewusst wird, wie wichtig es war, was Greta Thunberg da losgetreten hat. Die Fußball-Landschaft wird sich sowieso verändern.

Und zwar wie?

Spielergehälter werden auf einem anderen Niveau stattfinden. Bisher wurden die TV-Gelder in großen Ligen ständig erhöht. Vergessen hat man aber, dass auf den nationalen Märkten die Kräfteverhältnisse gleich bleiben.

Die Gehälter sind teilweise unverschämt ...

Der Markt regelt das. Ich glaube, künftig werden Messi oder Ronaldo auch sehr viel verdienen, aber für Spieler in der zweiten und dritten Etage wird es enger. Es wird klar, wie heillos man sich gegenseitig in wirklich unverantwortliche Höhen lizitiert hat.

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