Xabi Alonso kontrolliert Ball und Gegner.

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Fußball
09/14/2014

Krise bei Real, neuer "Chef" bei Bayern München

Real steckt in der Krise, die Bayern steigern sich von Spiel zu Spiel. Liegt es an Xabi Alonso?

Bei Spaniens Fußball-Rekordmeister Real Madrid hat sich schon bald nach Saisonbeginn Krisenstimmung breitgemacht. Nach dem 1:2 im Stadtderby gegen Atletico, der zweiten Niederlage in Folge, liegt der aktuelle Champions-League-Sieger nach drei Runden schon sechs Punkte hinter dem FC Barcelona, was die Fans am Samstag im Estadio Bernabeu zu einem gellenden Pfeifkonzert veranlasste.

Unmutsäußerungen der Anhänger bekam Präsident Florentino Perez, vor allem aber Iker Casillas zu hören. Der Goalie machte beim ersten Gegentor keine glückliche Figur. "Wenn die Leute pfeifen, muss man das akzeptieren und respektieren, das ist ihr Recht", sagte der spanische Nationalteam-Tormann.

Laut Casillas kassiert Real derzeit zu viele Gegentore nach Standard-Situationen. "Dafür fühle ich mich verantwortlich, das ist zum Teil auch meine Schuld", gab der 33-Jährige zu.

Trainer Carlo Ancelotti nahm Casillas allerdings in Schutz. "Wenn man ein Gegentor durch einen Kopfball an der ersten Stange bekommt, ist der Tormann der Letzte, dem man einen Vorwurf machen kann", betonte der Italiener und war nach den jüngsten Misserfolgen bemüht, keine Panikstimmung aufkommen zu lassen. "Mit Ruhe und Selbstkritik müssen wir aus dieser Situation wieder herauskommen. In der letzten Saison hatten wir einen ähnlich schwachen Start."

Zweifel an der taktischen Ausrichtung ließ Ancelotti nicht aufkommen. "Ich sehe kein Problem in unserem Spielsystem, sondern eher in unserer Einstellung und auch in der Fitness. Beim 2:4 gegen Real Sociedad und jetzt gegen Atletico haben wir in der zweiten Hälfte körperlich abgebaut. Das müssen wir so schnell wie möglich ändern", forderte der Coach.

Sein Club kassierte erstmals gegen Atletico zwei Liga-Heimniederlagen in Folge. Erst vor einem Monat wurde auch der spanische Supercup gegen den amtierenden Meister verloren, der im Champions-League-Finale noch besiegt worden war.

Von Real zu Bayern

Der von Real Madrid nach München gewechselte Xabi Alonso ist bei den Bayern gut angekommen. Beim 2:0 des deutschen Fußball-Meisters gegen den VfB Stuttgart die uneingeschränkte Autorität im Münchner Spiel und der von allen gesuchte Fixpunkt auf dem Platz. 150 Ballkontakte waren der statistische Beleg für einen neuen "Herrscher im Mittelfeld".

Sein Heimdebüt hätte Alonso beinahe noch mit dem ersten Bundesligator gekrönt, sein abgefälschter Schuss in der 72. Minute prallte an die Latte. "Ich habe es genossen, vor dem Münchner Publikum zu spielen", sagte Alonso, auch wenn der Arbeitstag gegen den VfB "mühsam" gewesen sei: "Alles in allem war ich zufrieden."

Die rund 7,5 Millionen Euro, die der Rekordmeister für den Ex-Weltmeister, zweifachen Europameister und amtierenden Champions-League-Sieger an Real Madrid überwies, bringen auf Anhieb Rendite. Der Spanier füllt - gemeinsam mit David Alaba - im Mittelfeld das Loch, das sich durch die Ausfälle seiner Landsleute Thiago und Javi Martinez sowie von Weltmeister Bastian Schweinsteiger aufgetan hat.

11,8 Kilometer

Josep Guardiola ist begeistert und besorgt zugleich. "Mit Xabi Alonso haben wir viel verbessert im Aufbauspiel. Er kennt seinen Job auf der Position. Er hat das Auge für den kurzen Pass, für den langen Pass, er ist intelligent im Defensivverhalten", schwärmte der Trainer, blickt aber auch mit Sorgenfalten auf das geballte Programm mit sieben Spielen in 22 Tagen. "Xabi ist 32. Wenn wir das Spiel kontrollieren, kann er alle drei Tage spielen. Aber wenn wir das Spiel nicht kontrollieren, wenn er ständig vor und zurück muss, ist er in einem Monat tot." 11,8 Kilometer lief Xabi Alonso, so viel wie kein anderer Akteur.

Die Dominanz und Spielkontrolle der zurückliegenden Rekordsaison bringen die Bayern einfach noch nicht wieder auf den Rasen. In der Tabelle mischen sie trotzdem schon wieder oben mit. Beim Sieg gegen harmlose Stuttgarter, die ihre zwölfte Pflichtspielniederlage in Serie gegen den FC Bayern kassierten, gab es aber schon keinen Einbruch mehr nach der Pause, wie Thomas Müller an seinem 25. Geburtstag betonte. "Das war zuletzt unser Schwachpunkt. Es war kein Schützenfest, aber ein sehr souveräner Sieg", sagte Müller nach den Toren von Mario Götze (27.) und Franck Ribery (85.).

Das 22 Minuten kurze Saisondebüt von Ribery war lang genug, um als Mutmacher für den Champions-League-Start gegen Manchester City am Mittwoch zu dienen. "Wir brauchen Franck. Ich weiß, wie wichtig er für uns ist", erklärte Guardiola: "Wir brauchen gerade sein Talent im Eins gegen Eins."

Ribery gab gleich wieder Vollgas auf dem Flügel. Sein 64. Liga-Tor gab ihm Auftrieb, der Franzose drängt zurück in die Startelf. "Training und Spiel sind komplett anders. Ich brauche jetzt wieder Rhythmus und Spiele", betonte Ribery.

Dem VfB Stuttgart ist der Saisonstart komplett misslungen. Raus im DFB-Pokal, sieglos in der Bundesliga. "Dass es nicht einfach wird, war mir schon klar", sagte Trainer Armin Veh. Laut ÖFB-Teamspieler Martin Harnik liegt "die größte Baustelle in der Offensive".

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