Sport | Fußball
23.11.2018

Katar-WM: Der Fußball-Sommer im November

Vier Jahre vor der WM in der Wüste: Die offenen Fragen vor den umstrittenen „Winterspielen“ in Katar.

In vier Jahren beginnt im Golf-Emirat Katar die Fußball-WM 2022. Vom 21. November bis zum 18. Dezember spielen 32 Nationen den neuen Titelträger aus. Vielleicht auch 48, wenn es nach FIFA-Präsident Gianni Infantino geht, der deshalb von einer – politisch nicht machbaren – Ausweitung auf Nachbarstaaten wie etwa Saudi-Arabien träumt. Ob er Völkerverbindung mit Geldvermehrung verwechselt? Dafür lässt Katar sieben Stadien komplett neu bauen, ein weiteres wurde erweitert und modernisiert. Die Veranstalter rechnen mit 1,5 Millionen Fans aus aller Welt.

Fragen und Antworten zur ersten Winter-WM der Fußball-Geschichte:

Wie sicher ist Katar?

Auf der Homepage des Außenministeriums steht: „Es wird empfohlen, größere Menschenansammlungen möglichst zu vermeiden.“ Was sich in vier Jahren wohl kaum vermeiden lässt. Terroranschläge seien nicht auszuschließen. In Deutschland heißt es, Katar sei sehr stabil, es gebe keinen Terror im Emirat. Generell ist die Kriminalitätsrate gering. Einwohner berichten, dass sie Haustüren oder Autos nicht abschließen. Mit ausländischen Hooligans hat das Land allerdings keine Erfahrung. Die Organisatoren arbeiten derzeit mit französischen und britischen Experten an einem Sicherheitskonzept.

Brauchen österreichische Fans ein Visum?

Laut Außenministerium ist das Visum bei der Einreise erhältlich und gilt 180 Tage. „Reisende müssen ihre Wiederausreise (Rückflug- oder Weiterreiseticket) sowie genügend Geldmittel für den Aufenthalt nachweisen.“

Wie heiß ist es im November und Dezember?

Die Homepage des Außenministeriums: „Extrem heißes und feuchtes Klima in den Sommermonaten (Mai bis Oktober). Die Luftfeuchtigkeit beträgt teilweise über 90 %, die Temperaturen können auf über 50° steigen. Von Dezember bis März milder Winter mit gelegentlichen Regenschauern.“ Die Temperaturen liegen im November und Dezember tagsüber zwischen 25 und 30 Grad. Alle Stadien können mit neuer Technik selbst bei größter Hitze auf angenehme Temperaturen gekühlt werden. Allerdings: Im Winter kann es heftig regnen – und dann stehen die Straßen schnell unter Wasser.

Sind Fanmeilen geplant?

Das ist vorgesehen. Ein genaues Konzept wird nach den Erfahrungen der Russland-WM ausgearbeitet.

Dürfen Fans in Katar Alkohol trinken?

Es ist erlaubt, wird aber streng reglementiert. Nur Bars in großen Hotels dürfen alkoholische Getränke ausschenken. Für den Privatgebrauch wird Alkohol nur in einem einzigen Geschäft verkauft, in begrenzten Mengen und ausschließlich an Ausländer mit Berechtigungskarte. Einheimische dürfen nichts kaufen. Alkohol soll bei der WM nach jetzigen Überlegungen auch in Fanzonen angeboten werden. Allerdings ist Alkohol teuer: Ein Krügerl kostet in einer Hotelbar umgerechnet mehr als zehn Euro.

Wo werden die Fans untergebracht?

Die Hauptstadt Doha bietet eine Vielzahl von Fünf-Sterne-Hotels. Zudem werden derzeit weitere preisgünstigere Unterkünfte gebaut. Allerdings wollen die Organisatoren nach eigenen Angaben darauf achten, dass keine Überkapazitäten entstehen, die nach der WM nicht mehr gebraucht werden. Deshalb sollen die Fans auch auf maximal sechs Kreuzfahrtschiffen untergebracht werden. Geplant sind auch zusätzliche Unterkünfte in Beduinenzelten in der Wüste am Stadtrand.

Wie kann man in Katar die Stadien und Sehenswürdigkeiten erreichen?

Es ist die WM der kurzen Wege: Am weitesten entfernt liegt das Stadion in Al-Chaur – etwa 50 Kilometer nördlich von Doha. In der Hauptstadt entsteht eine neue Metro mit drei Linien. Alle Stadien können mit Nahverkehr oder Taxis erreicht werden. Allerdings meint das Außenministerium: „Die öffentlichen Verkehrsmittel sind wegen ihrer Unzuverlässigkeit nicht zu empfehlen.“ Und: „Der Straßenverkehr ist geprägt von hohen Geschwindigkeiten, häufigen Unfällen und disziplinlosem Fahrverhalten.“ Gemeint ist Katar – und nicht Wien.

Wie können sich Frauen in Katar bewegen?

Katarische Frauen tragen traditionell ein Kopftuch und eine Abaja, ein langes, meist schwarzes Überkleid. Manche Frauen gehen auch mit verhülltem Gesicht auf die Straße. Anders als in Saudi-Arabien gelten in Katar Kleidungsvorschriften für Ausländerinnen nicht.

Was können Fans abseits der WM tun?

Doha bietet etliche Attraktionen wie das Museum für Islamische Kunst oder den Suk Waqif, den traditionellen Basar. Beliebt sind Ausflüge in die Wüste, so etwa zum Binnenmeer Chaur al-Udaid im Süden des Landes.