Sport | Fußball
18.04.2018

Karl Daxbacher: "Das Kreieren geht mir am Zeiger"

Der Jubilar über die neue Trainersprache, die 78er-Generation und seinen Ruf als Sir.

Acht Siege in Folge im Frühjahr, neun Punkte Vorsprung auf den Zweiten – der FC Wacker Innsbruck steht vor der Rückkehr in die Bundesliga. Ein Verdienst auch und vor allem von Karl Daxbacher, der ein Spezialist für Aufstiege zu sein scheint. Der Niederösterreicher, der am Sonntag seinen 65. Geburtstag feierte, hatte bereits den LASK und St.Pölten nach oben geführt.

KURIER: Hätten Sie nach Ihrem Rauswurf vor eineinhalb Jahren bei St.Pölten gedacht, dass Sie noch einmal als Trainer in der Bundesliga landen würden?

Karl Daxbacher: Ich hatte damals keinen genauen Plan. Auch nicht den Druck, dass ich mir schnell einen Trainerjob suchen hätte müssen. Natürlich denkt man in so einer Situation auch ans Aufhören. Als der Anruf aus Innsbruck kam, habe ich aber nicht sehr lange überlegen müssen. Ich hatte das Gefühl, dass es mit diesem Verein klappen könnte. Dass sich jetzt alles so positiv entwickelt hat, damit konnte man nicht rechnen.

Würden Sie’s denn überhaupt ohne Fußball aushalten?

Ich weiß nicht, ich hatte eigentlich immer einen Verein und war immer nur wenige Monate ohne Job.

Es ist heute eher ungewöhnlich, dass sich ein Trainer so lange im Geschäft hält.

Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass ich mir nie zu schade war, einen Regionalligisten zu trainieren. Ich bin von der Austria zum LASK in die dritte Liga gegangen, das macht wahrscheinlich nicht jeder Trainer. Aber mir ist es schon immer um die Herausforderung gegangen. Immer nur zu einer Mannschaft zu gehen, die fix Titel holt, ist langweilig. Und man sieht ja gerade an Paris, Manchester City oder Barcelona, dass es auch bei solchen Teams nicht so leicht ist. Da ist der Meistertitel oft schon zu wenig.

Macht es Sie eigentlich stolz, dass Sie der letzte Vertreter der sogenannten 78er-Generation in der Bundesliga sind?

Ich will mich jetzt ehrlich gesagt gar nicht so sehr mit der 78er-Generation vergleichen lassen. Weil das immer gleich so einen gewissen negativen Touch hat.

Können Sie das nachvollziehen?

Vielleicht haben manche das Gefühl, dass viele frühere Spieler vieles nur aus dem Bauch heraus entscheiden und sich als Trainer nicht gut weitergebildet haben. Es heißt immer auch schnell, dass dort auf Freunderlwirtschaft Wert gelegt wird. Und den Maßstab will ich auf mich keinesfalls anlegen lassen. Man kann mich nicht in diese Schublade legen.

Sondern?

Ich war einer, der sich als Trainer von ganz unten nach oben gedient hat. Und zwar gar nicht einmal mit der Perspektive, unbedingt Fußballtrainer zu werden. Das hat sich bei mir erst durch die Erfolge bei den kleineren Klubs so ergeben. Mein Plan A war eigentlich ein anderer, ich hatte nach der Spielerkarriere zwei Tankstellen gepachtet. Irgendwann ist der Plan B zum Plan A geworden.

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Was muss Ihrer Meinung nach ein Trainer können?

Es reicht jedenfalls nicht, wenn man einmal ein guter Spieler gewesen ist. Das hat mit dem Trainerjob nichts zu tun, das ist ein Beruf, den man erlernen muss. Sozialkompetenz und Menschenführung, das sind zwei Bereiche, die extrem wichtig sind. Wie ich ein Training abhalten muss, darüber kann ich mich informieren, das kann ich nachlesen. Aber wie ich in schwierigen Situationen reagiere und handle, wie ich mit den Spielern umgehe, das ist entscheidend. Da kommt dann auch durch, wie du als Mensch bist. Was sicher gar nicht geht, ist einen Trainertyp zu imitieren.

Wo müssten Sie Sich zum Beispiel verstellen?

Ich könnte nie den harten Hund spielen. Das kommt sicher nicht rüber, das würde mir wahrscheinlich auch keiner abnehmen.

Sie werden ja nicht von ungefähr Sir Karl genannt.

Ich weiß aber nicht genau warum. Angeblich weil ich mich so fair verhalte, bei meinen Äußerungen und beim Auftreten überhaupt. Offenbar genügt das schon, damit man zum Sir wird. Ich finde das ist eigentlich ein normales Verhalten. Aber es freut mich, dass mich die Menschen so sehen.

Sind Sie heute ein anderer Trainer als vor 20 Jahren?

Ich war früher sicher gerader, straighter und habe geglaubt, dass ich konsequenter sein muss. Heute bin ich viel gelassener und auch toleranter. Aber ein junger Trainer muss vielleicht eh so sein. Weil er sich beweisen muss.

Apropos junger Trainer. Verstehen Sie manche Ihrer Kollegen, die halb so alt sind wie Sie, wenn sie Ausdrücke wie „Box“ „falsche Neun“ oder „hoch verteidigen“ verwenden?

Das hat es ja alles zu unserer Zeit auch schon gegeben. Damals hat’s halt noch anders geheißen. Keiner spielt heute mehr auf Konter, jetzt heißt’s plötzlich Umschaltspiel. Oder das vertikale Spiel. Wir haben einfach gesagt: ,Spielt’s in die Tiefe.’

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Stört Sie diese Entwicklung?

Ich habe jetzt eigentlich kein großes Problem damit. Man muss das auch annehmen, weil wenn du nur die alten Begriffe verwendest, dann kommst du als Trainer wirklich in eine Schublade. Ich verwende aber manchmal absichtlich noch die normalen Ausdrücke.

Zum Beispiel?

Keiner sagt heute mehr, dass er eine Torchance herausgespielt hat. Torchancen muss man jetzt kreieren. Das Kreieren geht mir wirklich am Zeiger. Bei mir spielt sich die Mannschaft die Chancen heraus.

Abschließend: Wo sehen Sie Sich an Ihrem 68. Geburtstag?

Wenn ich dann wirklich noch immer in Innsbruck wäre, wäre das wunderschön. Das würde nämlich bedeuten, dass Wacker Innsbruck sehr gut dasteht und erfolgreich ist. Das langfristige Ziel muss es sowieso sein, dass dieser Verein sich zu einem Kandidaten für die Top-6 entwickelt.