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Sport Fußball
08/13/2019

Rapids "Papstwahl": Der Dreikampf um das Präsidentenamt

Martin Bruckner stellt die Liste vor, Motto „Weniger Theater, mehr Strategie". Auch die Herausforderer sind breit aufgestellt.

von Alexander Huber

Die Frist ist abgelaufen, und doch hat der umfangreichste Präsidentschaftswahlkampf in der Geschichte von Rapid erst begonnen: Drei gut aufgestellte Listen bestätigten, sich beim Wahlkomitee bis zum Nennschluss Montagnacht als Nachfolger von Michael Krammer um das Ehrenamt zu bewerben.

Robert Grüneis will ebenso wie Roland Schmid in den nächsten Tagen inhaltliche Details präsentieren, seine Neuzugänge im Team nennt Schmid dem KURIER (siehe weiter unten). Martin Bruckner hat bis zur Abgabe seiner Bewerbung geschwiegen. Jetzt präsentiert er „eine grün-weiße Liste“.

Das Motto für die angepeilte Amtszeit bis 2021: weniger Theater, mehr Strategie.

Bruckner, als Jugendlicher in Floridsdorf und auf der Westtribüne zu Hause, später Abonnent auf der Nordtribüne, wurde 2013 von Krammer als Finanzreferent ins Präsidium geholt. „Seither hab’ ich viel gelernt, auch, wie hochkomplex Rapid als Verein ist.“ Beruflich ist der Familienvater in der Bank des Allianz-Konzerns „für die gesamte Vermögensverwaltung zuständig“.

Liste mit Quereinsteiger

Jene, die Bruckner besser kennen, berichten von einem seriösen, vorsichtigen Zahlen-Menschen, der weiß, dass er die Fans nicht mit Charisma mitreißen könne. Passend dazu erzählt er von der „Überraschung“, als ihn Mitglieder im Winter baten, anzutreten: „Das ist wie bei der Papstwahl: Es erschlägt dich am Anfang, wenn dir das zugetraut wird.“ Im Frühjahr sagte er dann zu.

Das Team bilden neben Bruckner und Vizepräsident Nikolaus Rosenauer fünf Mitstreiter: Aus dem Präsidium bleibt Gerhard Höckner („Niemand hat so viel Erfahrung wie er“), dazu tipp3-Vorstand Philip Newald (als „Brückenbauer“), als „Legende mit Sportkompetenz“ wird Bruckners Bundesheer-Kollege Gerald Willfurth (acht Titelgewinne mit Rapid) nominiert.

Als langjähriger Mitgliederreferent sagte Stefan Singer zu, der auch eine Anfrage der Liste Schmid hatte: „Singer ist eine gewichtige Stimme der Fans, weil er auf allen Tribünen zu Hause ist und Respekt genießt.“

Und dann gibt es mit Ski-Olympionikin Michaela Dorfmeister noch eine Quereinsteigerin, die bislang als Anhängerin öfter im Stadion war.

„Sie ist auch ein Signal dafür, dass wir nicht im eigenen Saft schmoren wollen.“

Ein freier Platz

Da das Präsidium acht Mitglieder umfassen darf, bleibt ein Platz vorerst frei.

AK-Präsidentin Renate Anderl (SPÖ) wechselte im letzten Moment von der Liste Bruckner zu Grüneis. Das Angebot, dass die Stadt Wien eine Vertrauensperson nominiert, wurde von der SPÖ nicht wahrgenommen.

Bruckner meint diplomatisch: „Ich hatte viele Gespräche mit Sportstadtrat Hacker und ihm versichert, dass die Stadt ein ganz wichtiger Stakeholder bleibt. Es war ihm kein Anliegen, einen Vertreter der Stadt bei uns dabei zu haben.“

Nachwuchs-Förderer

Das größte Anliegen ist Bruckner konsequente und gezielte Nachwuchsförderung: „Es gibt nix Schlimmeres als Talente, die keine Chance kriegen.“ Bruckner war intern der härteste Bickel-Kritiker und eine treibende Kraft hinter der Barisic-Rückkehr. „Die Strukturen müssen personenunabhängig sein – das setzt Zoki konsequent um“, sagt der 54-Jährige.

„Inklusive Rapid II geben wir drei Millionen Euro im Jahr für den Nachwuchs aus. Mit Top-Infrastruktur dazu sollten ein bis drei Akademiespieler jährlich zu den Profis kommen.“

Problem Genehmigungen

15 bis 20 Millionen wird das Trainingszentrum im Prater kosten. Allerdings ist der früher – bis zum Stadionbau – gepflegte Doppelpass mit der Stadt Wien zuletzt ins Out gegangen. Bruckner bestätigt: „Die Genehmigungen für manche Trainingsplätze sind ein Problem.“

Bruckner setzt auf Kontinuität: „Ich bin nicht der bessere Geschäftsführer. Sondern der, der aufpasst, dass die Geschäftsführer immer besser werden.“ Und wenn es doch zu Personalwechseln kommt, „darf das Rad nicht neu erfunden werden“.

Deutlich von Krammer unterscheiden will sich der Kandidat in der Öffentlichkeitsarbeit: „Weniger Außenauftritte und Kommentare zur Konkurrenz, dafür mehr Zeit für die Innenarbeit.“

Als Vorbild gilt hier Ehrenpräsident Rudolf Edlinger. „Er hat auch nicht alles öffentlich kommentiert. Aber wenn es wirklich ernst ist und der Rudi etwas sagt, zählt das auch.“ Edlingers 20-Stunden-Regel sei für den Manager „kein Problem. Diese Zeit pro Woche bin ich für Rapid da.“

Für Kontinuität

Während die Konkurrenten für Veränderung stehen (und mit jedem sportlichen Misserfolg an Zustimmung der Fans gewinnen), meint Bruckner: „Ich möchte den eingeschlagenen Weg weiterführen. Wir sind noch nicht fertig in unserer Entwicklung. Wenn im November alles umgedreht wird, kostet das wieder viel Zeit.“

Sein Credo: „Das Duo Kühbauer - Barisic bringt Ruhe in die Maschine. Und auch wenn die See rau wird, muss ich konsequent Kurs halten. Das ist eine der Lehren aus 2016.“

Fehler des Präsidiums

Dass es überhaupt drei mit viel Zeit und Aufwand zusammengestellte Listen gibt, ist sicher auch auf Fehler des aktuellen Präsidiums zurückzuführen. Ob personell oder im persönlichen Umgang. Bruckner meint: „Es liegt auch am mangelnden Erfolg in den Meisterschaften.“

Kampfabstimmung?

Obwohl Schmid selbst bestätigt, dass er Bruckner ursprünglich zugesagt hatte, nicht gegen ihn anzutreten, betont der „Vereinskandidat“, dass er alle Türen offenhält: „Es ist ein Wettstreit der Ideen, nicht der Personen. Wir sind uns alle einig, dass eine Kampfabstimmung dem Verein massiv schaden könnte und werden einen gemeinsamen Nenner suchen.“

"Zuerst soll das Wahlkomitee unsere Liste studieren", erklärt Robert Grüneis, warum er sich mit inhaltlichen Details noch zurückhält.

Fest steht, dass der ASCR-Boss eine breite Auswahl präsentiert.

Seitenwechsler

Vom Fast-Rapid-Geschäftsführer Max Kindler (unterlag 2014 Christoph Peschek) bis zu Handball-Manager Conny Wilczynski. Pikant ist, dass Präsidiumsmitglied Thomas Waldner, der für die SPÖ das Donauinselfest organisiert, die Seiten wechselt - so wie AK-Präsidentin Renate Anderl (SPÖ), die auf der Liste Bruckner eingeplant war.

Und Christoph Marek tritt für Grüneis an, obwohl er wie Martin Bruckner für Stadionsponsor Allianz arbeitet. Bruckner meint: „Ich kenne und schätze Marek schon lange. Es wird  keinen Allianz-Streit geben.“

"Zu viel Politik"?

Roland Schmid sieht bei Bruckner zu wenig „Change“ und bei Grüneis „zu viel Politik. Er ist ein Gesandter der Stadt.“

Ursprünglich sagte Grüneis als Vize auf der Liste Schmid zu. „Dass er sich jetzt selbst als Nr. 1 sieht, ist menschlich enttäuschend, aber ich trete trotzdem an. Das bin ich meinen Stakeholdern schuldig“, meint der Millionär.

TV-Connection

Der „neue“ Vize von Schmid - Bernd Oswald (Novomatic-Aufsichtsratschef) - wird von Barbara Forsthuber (DDSG), Jurist Axel Anderl und Michael Stix (Geschäftsführer der Puls4-Sendergruppe) ergänzt.

Nicht ins Präsidium kommt „Markenbotschafter“ Michael Konsel. Legenden wie Funki Feurer sollen „im neuen Legendenrat beraten“.