© Alexander Strecha

Sport Fußball
07/01/2012

Italiener litten in Wien-Währing

Der KURIER verfolgte das EM-Finale in einem italienischen Restaurant.

Emozione – Rom? Mailand? Neapel? Mitnichten. Wien, Währingerstraße, Ristorante Roma. Eine Stunde vor Spielbeginn herrscht noch die Ruhe vor dem Sturm. Gianni, gewandet in einem azur-blauen Trikot, ist zuversichtlich: "Spanien ist vielleicht Favorit, aber ich hoffe trotzdem. Wir werden das schon machen."

Ganz Italien ist auf den Beinen. Auch in Wien. "Die Kollegen vom Eisgeschäft gegenüber werden auch noch kommen." Die Plätze an der Bar und vor dem Fernseher waren schon seit Tagen ausreserviert, der Ventilator rotiert mehr als Italiens Coach Prandelli. Auch er kann nicht verhindern, dass die Tifosi bei 35 Grad dem Spiel entgegenschwitzen. Kühlung finden die Fans immerhin bei einem Sprizz Aperol.

20.20 Uhr, plötzlich Aufregung. Zwei spanische Fans betreten das Lokal, sie holen eine Pizza ab. Ein wagemutiges Unternehmen mit Happy End. Die Pizza wird ausgehändigt, die Spanier gehen heim. Pünktlich zur Hymne leert sich der Garten, alle Gäste hängen vor dem TV-Schirm.

Emotionaler Höhepunkt: die italienische Hymne. Fratelli d’Italia. Gänsehaut trotz nahezu unerträglicher Hitze.

14. Spielminute, das ORF-Bild fällt aus. Ein schlechtes Omen. Gianni wechselt geistesgegenwärtig auf ZDF – da steht es 0:1 für Spanien. Giannis Unterkiefer verliert den Zweikampf mit der Schwerkraft. Das Lauteste im Lokal ist plötzlich das Summen des Ventilators.

Es kommt noch schlimmer. Beim 0:2 ein verzweifelter Aufschrei aus 50 Kehlen, die Hoffnung schwindet, den sonst so eloquenten Tifosi verschlägt`s die Sprache.

Pause, ein Seitenblick in das alte AKH im 9. Bezirk. Viele Gäste halten zu Italien, das Personal zu Spanien. Dennoch werden die Getränke ausgeschenkt, verbal schenkt man sich gegenseitig mit Augenzwinkern ein. Die spanischen Aficionados outeten sich stimmlich erst mit der Führung.

Zurück im Roma. Stimmung kommt nicht mehr wirklich auf. Nur als Di Natale eine Großchance verjuxt, zerspringt hinter der Bar ein Weinglas. Diese Scherben bringen den Italienern an diesem Abend aber doch kein Glück.

Die Tifosi in Währing gehen dennoch in die Verlängerung und trösten sich mit einer Flasche Frust-Grappa. Endlich flüssige Kombinationen...

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