Der 12. Mann, verzweifelt gesucht: Auch gegen Israel droht dem Nationalteam wieder ein Leerspiel.

© APA/GEORG HOCHMUTH

Sport Fußball
10/08/2019

Israel-Match: Ein Rückschlag für ein erhofftes neues Stadion

Erst 22.000 Karten wurden für die Partie in der EM-Qualifikation verkauft. Und das nach zuletzt guten Leistungen.

von Alexander Strecha, Günther Pavlovics

Beim österreichischen Fußball-Bund ist man etwas ratlos. Bis gestern waren erst 22.000 Karten verkauft für das Spiel am Donnerstag (20.45 Uhr) gegen Israel im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Und das nach guten Leistungen gegen Lettland und in Polen. Und das, obwohl Österreich noch immer auf EM-Kurs ist. Und das, obwohl die Eintrittspreise für die Teamspiele seit vier Jahren nicht erhöht worden sind.

Ist es der familienfeindliche späte Termin an einem Wochentag? Ist es der feuchte, kalte Herbst – wobei die Wettervorhersage nach dem Temperatursturz am Wochenende Freundliches prophezeit? Sind es die großartigen Leistungen der Vereine, die die Fans nur zu den Europacup-Schlagern nach Salzburg, Graz (dort spielt der WAC) und Linz locken?

Fan-Mangel

Also hat auch Cican Stankovic, Teamtormann und Salzburger Schlussmann, Mitschuld an der Fanpleite beim Team. „Nein“, sagt er entschieden. „Wir spielen ja erst das erste Mal in der Champions League.“ Woran liegt dann also der Fan-Schwund in Rot-Weiß-Rot? „Schwer zu sagen“, meint Stankovic, „die Leistungen zuletzt haben ja gepasst.“ Beim ÖFB hofft man nun, dass durch die Berichterstattung der kommenden Tage noch Spätentschlossene ins Stadion gelockt werden.

Stankovic weiß: „Mit den Fans im Rücken lassen sich solche Aufgaben leichter schaffen. Aber es ist halt so. Und wir können nur schauen, dass wir den Grundstein dafür legen, dass es im November gegen Nordmazedonien ein volles Haus gibt.“ Dann, wenn man eine – so gut wie – erfolgreiche EM-Qualifikation feiern kann. Derzeit bleibt der Lockruf des Teams bei den Fans großteils ungehört. Ihnen ist offensichtlich nicht wie dem Trainerteam und den Spielern bewusst, dass der Oktober die Entscheidung in der EM-Qualifikation bringen kann.

Die letzten Länderspiele in Wien:

Bilanz

In zehn Jahren waren 14 Spiele im Happel-Stadion ausverkauft.  2010 Dänemark (Test) 13.500 Aserbaidschan (EMQ**) 26.500 Griechenland (Test) 16.200

2011

Belgien (EMQ) 45.000 Deutschland (EMQ) 47.500* Türkei (EMQ) 47.500*

2012

Türkei (Test) 23.500 Deutschland (WMQ) 47.000* Kasachstan (WMQ) 43.000

2013

Färöer (WMQ) 24.200 Schweden (WMQ) 48.500* Irland (WMQ) 48.500* USA (Test) 20.200

2014

Schweden (EMQ) 48.500* Montenegro (EMQ) 44.200 Russland (EMQ) 47.500* Brasilien (Test) 48.500*

2015

Bosnien-H. (Test) 48.500* Moldawien (EMQ) 48.500* Liechtenstein (EMQ) 48.500* Schweiz (Test) 27.600

2016

Albanien (Test) 28.600 Türkei (Test) 26.700 Niederlande (Test) 48.500* Wales (WMQ) 44.200 Irland (WMQ) 48.500* Slowakei (Test) 14.200

2017

Moldawien (WMQ) 21.000 Georgien (WMQ) 13.400 Serbien (WMQ) 42.400 (Bild) Uruguay (Test) 11.700

2018

Brasilien (Test) 48.500* Nordirland (Nations L.) 22.300 Bosnien-H. (Nations L.) 37.200

2019

Polen (EMQ) 40.400 * ausverkauft ** Q = Qualifikation

Politik – ÖFB 2:0

Auch der Teamchef hätte sich durchaus mehr Unterstützung von den Tribünen gewünscht. Franco Foda gab sich schon vergangene Woche im Rahmen eines Medientermins zu Recht irritiert. Da drängt sich bei all der Diskussion um ein neues Nationalstadion die Frage auf, ob ein solches tatsächlich in der Größenordnung von 50.000 Plätzen gebraucht wird. Oder reicht gar eines für 30.000 oder 40.000 Fans?

Bisher ließen die Bundesländer Wien und Niederösterreich den ÖFB bei diesem Thema ins Abseits laufen. Wiens Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hatte Ende August im KURIER-Interview erklärt, dass es in Wien keine Investition von 300 bis 400 Millionen in ein neues Stadion geben werde. Vor Kurzem winkte dann auch Niederösterreich ab. „Wir werden kein Geld in den Bau investieren. Der ÖFB hat keine genauen Pläne formuliert, es gibt auch keine Strategie. Fest steht jedenfalls, dass wir seitens des Landes Niederösterreich kein Geld in den Bau eines neuen Stadions investieren werden“, meinte Sportlandesrätin Petra Bohuslav (ÖVP).

So weit, so schlecht für den Verband, dem von beiden politischen Ansprechpartnern vorgehalten wird, keine konkreten Pläne vorgelegt zu haben. Der ÖFB widerspricht.

Wenn also ein dermaßen vorentscheidendes Spiel wie jenes am Donnerstagabend gegen Israel nicht einmal annähernd ausverkauft ist, würde dann nicht eine 30.000er-Arena wie jene in Klagenfurt oder Salzburg als Nationalstadion ausreichen? Der ÖFB möchte aber im Idealfall in Wien bleiben.

Nebengeräusche

In der Arena im Prater fanden seit 2010 nicht weniger als 35 Länderspiele statt, 14 davon waren ausverkauft, fünf weitere lockten mehr als 40.000 Zuschauer an. Aber auch die Nebengeräusche zum Fußball konnten sich hören lassen. Konzerte wie zuletzt jene von Metallica, Rammstein oder Pink, die allesamt die große Schüssel füllen konnten.

Die Fußball-Testspiele finden in Wien in dem großen Stadion eher wenig Anklang – es sei denn, große Teams wie Brasilien oder die Niederlande sind zu Gast. Dass 2015 auch der Test gegen Bosnien-Herzegowina ausverkauft war, liegt wohl an der in diesem Fall spezifischen Herkunft vieler Wiener.

Der österreichische Fußballfan lässt sich also generell begeistern, wenn das Team knapp vor einer Endrunde steht. Die Notwendigkeit eines großen Stadions, damit Wien irgendwann wieder internationale Endspiele austragen darf, ist angesichts der Zuschauerzahlen allerdings eher relativ zu betrachten.

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