Das Ernst-Happel-Stadion wurde 1931 eröffnet.

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Sport Fußball
09/04/2019

KURIER-Fakten-Check: Was kostet ein Nationalstadion?

Die Diskussion rund um ein neues Nationalstadion in Österreich reißt nicht ab. Auch die Baukosten sind ein heißes Thema.

von Stephan Blumenschein

Kein Tag vergeht ohne neue Statements rund um den Streitfall "Neues Nationalstadion für Österreich". Nun meldete sich auch wieder ÖFB-Präsident Leo Windtner zu Wort. Am Rande des Frauen-EM-Qualifikationsspiels gegen Nordmazedonien in der BSFZ Arena in der Südstadt  gab der 69-jährige Oberösterreicher  bezüglich möglicher Standorte bekannt. "Klar ist, dass 20 bis 30 Minuten Fahrzeit bis zum Flughafen Wien-Schwechat das Maximum sind", sagte Windtner.

Nach der Absage der Stadt Wien befindet sich der ÖFB derzeit also auf der Suche nach anderen möglichen Standorten. Andere Länder sind das schon viel weiter. Im dritten Jahrtausend wurden in Europa schon einige neue Nationalstadien gebaut. Was können diese? Wie schauen diese aus? Was haben diese gekostet? Der KURIER hat sich acht Neubauten angeschaut

  • Wembley Stadium in London

Es ist die Mutter aller Nationalstadien und mit einem Fassungsvermögen von rund 90.000 gleichzeitig das größte in Europa. Es wurde anstelle des 1923 eröffneten alten Wembley errichtet. Die Bauarbeiten dauerten von Juli 2003 bis März 2007 und verschlungen rund 1,2 Milliarden Euro. In der Arena, die dem englischen Fußball-Verband FA gehört, werden neben Konzerten auch Rugby- und American-Football-Spiele ausgetragen. Auch Boxkämpfe fanden schon im Wembley statt. Das Erkennungsmerkmal der Arena ist ein 133 Meter hoher und 315 Meter breiter Lichtbogen. Das 7000 Tonnen schwere Dach kann innerhalb von 15 Minuten geschlossen werden. Das Stadion wird dazu zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie betrieben. Im Wembley wird im kommenden Jahr der Europameister gekürt.

  • Olympic Stadium in Baku

In der Hauptstadt Aserbaidschans wurde im März 2015 nach rund vierjähriger Bauzeit eine Arena 68.700 Zuschauern errichtet, die allerdings kein reines Fußballstadion ist, sondern auch eine Leichtathletik-Laufbahn besitzt. Im weitläufigen Rund sind die Zuschauerränge umlaufend doppelstockig angelegt. Nur die Haupttribüne wie die Gegengerade verfügen über einen dritten Zuschauerrang. Es  gibt eine mit Membranen bespannte Dachkonstruktion. Die Stadionfassade wurde mit beleuchtbaren  Paneelen verkleidet. Die Kosten für den Neubau, in dem im Mai das Europa-League-Finale zwischen Chelsea und Arsenal (4:1) stattfand und in dem auch Spiele der EURO 2020 ausgetragen werden, betrugen rund 700 Millionen Euro.

  • Puskas Ferenc Stadion in Budapest

Das neue Nationalstadion Ungarn steht kurz vor der Fertigstellung. Es wurde  statt des alten Nep-Stadions nahe des Hauptbahnhofs Keleti errichtet. Bei der EURO 2020 werden vier Spiele in der ungarischen Hauptstadt ausgetragen: drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale. Die Kosten für die neue Arena, für die es schon 2008 erste Planungen gab, sollen rund 610 Millionen Euro betragen. Baubeginn war aber erst 2015. Teile des alten Stadions wie das östliche Hauptgebäude mit den charakteristischen Olympiaringen wurden in den Neubau integriert. Die Besonderheit des Projektes, das rund 67.000 Zuschauer fassen wird, sind die 38 Pylone mit variabler Geometrie, die 45 Meter hoch sind und gleichzeitig als Stützrahmen für das Stahldach dienen. Zur Ausstattung  gehören eine transparente Außenhülle mit Multimedia-Projektionsfläche, drei Zuschauerränge und  ein Sport-Museum. Im Stadioninneren wird es unter anderem ein Hotel mit 150 Zimmern, ein Konferenzzentrum  und 15 Indoor-Sportanlagen geben.

  • PGE Narodowy in Warschau

Das Nationalstadion Polens, in dem Österreich am Montag im Rahmen der EM-Qualifikation spielen wird, wurde für die EURO 2012 errichtet, die dann auch in Polens Hauptstadt eröffnet wurde. Die Arena gehört dem polnischen Staat. Die Errichtungskosten betrugen rund 470 Millionen Euro, das Stadion bietet etwas mehr als 58.000 Zuschauern Platz, bei Konzerten sogar 72.000. Die Dachkonstruktion kann bei Bedarf komplett eingefahren werden. Neben Fußballspielen fanden auch schon American Football und das Eröffnungsspiel der Volleyball-Herren-WM 2014 vor 62.000 Zuschauern statt. Im November 2013 fand im Stadion die UNFCCC-Klimakonferenz statt, nachdem die Spielfläche zu einem Kongresszentrum umgebaut worden war, das Platz für drei große Konferenzräume bot.

  • Aviva Stadium in Dublin

Das neue Stadion in der irischen Hauptstadt ersetzte 2010 die 1872 eröffnete Lansdowne Road, die 2007 abgerissen wurde. Von den 410 Millionen Euro Gesamtkosten trug der irische Staat 191 Millionen bei. Der Rugby-Union sowie der Fußballverband, die zusammen Eigentümer der Arena sind, teilten sich den Rest. Das Stadion hat eine Hufeisen-Form. Alle 51.700 Sitzplätze sind überdacht. Während die West-, Ost- und die Südtribüne vierstöckig angelegt sind, ist der Nordrang nur eine einzelne Tribüne. Das liegt daran, dass in diesem Bereich Baugrund fehlte, weil Wohnhäuser direkt neben dem Stadion stehen. Die Fassade der Arena ist verglast und das Dach ist mit einer transparenten Kunststoff-Haut überzogen. Für die EURO 2020 wurde in diesem Jahr ein neues Flutlichtsystem installiert.

  • Friends Arena in Solna

Die Heimat der schwedischen Nationalmannschaft in einem Vorort von Stockholm wurde im Oktober 2012 nach einer Bauzeit von etwas mehr als drei Jahren eröffnet. Die Baukosten betrugen rund 326 Millionen Euro. Es fasst bei Fußballspielen rund 51.000 Zuschauer und bei Konzerten rund 67.500 Zuschauer. Die Friends Arena ist seit 2013 Austragungsort des Finale des Melodifestivalen, der schwedischen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest. Aber auch schon Speedway-Renen wurden im reinen Fußballstadion ausgetragen.  Das schließbare Dach mit einer Fläche von 3750 m² lässt sich innerhalb von 20 Minuten schließen. Unter dem Dach ist ein 64 Tonnen schwerer Videowürfel mit vier LED-Bildschirmen mit je 65 m² Fläche aufgehängt. Der Erstligist AIK Solna trägt in der Friends Arena seine Heimspiele aus. Manchester United gewann 2017 in Solna das Europa-League-Finale gegen Ajax Amsterdam.

  • Arena Nationala in Bukarest

Das 2011 eröffnete Fußballstadion in der rumänischen Hauptstadt bietet 55.600 Zuschauern Platz, könnte aber noch auf 63.000 Plätze ausgebaut werden. In der Arena finden neben den Länderspielen der rumänischen Nationalmannschaft auch jährlich die Endspiele des rumänischen Cups sowie des Supercups statt. Die Kosten nach einer rund dreijährigen Bauzeit betrugen rund 250 Millionen Euro. Es war damit um rund 100 Millionen teurer als eigentlich budgetiert worden war. Das Stadion ist mit einem faltbaren Zeltdach nach Vorbild der Commerzbank-Arena in Frankfurt ausgestattet. Dieses besteht aus einer lichtdurchlässigen Membran. Das Dach kann innerhalb von 15 Minuten geöffnet oder geschlossen werden. In der Arena Nationala, in der das Europa-League-Finale 2012 zwischen Atlético Madrid und Athletic Bilbao ausgetragen wurden, werden ebenfalls Spiele der EURO 2020 stattfinden.

  • Národný futbalový štadión in Bratislava

Das Fußballstadion in der slowakischen Hauptstadt liegt im nördlichen Stadtteil Nové Mesto. Das neue Nationalstadion wurde auf dem Grund des alten Štadión Tehelné pole errichtet. Eröffnet wurde es nach einer rund viereinhalbjährigen Bauzeit im März 2019. Errichtet wurde es von der STRABAG. Der Neubau kostet rund 75 Millionen Euro, es bietet allerdings auch nur 22.500 Zuschauern Platz. Das Stadion ist 188 Meter lang und 144 Meter breit. Die Höhe beträgt 24,5 Meter. Die an den drei Stadionseiten gewölbte Fassaden- und Dachkonstruktion lässt sich mit verschiedenen Farben beleuchten. Die Kunststoffsitze auf den Rängen sind in verschiedenen Blautönen gehalten, der Klubfarbe von Slovan Bratislava. Der slowakische Meister, der sich für die Europa-League-Gruppenphase qualifiziert hat, trägt alle seine Heimspiele im neuen Nationalstadion aus.