© Christoph Geiler

Lokalaugenschein
05/23/2016

In der Ruhe liegt die EURO-Kraft

Österreichs Team bereitet sich in Laax auf die EM vor – dort gibt’s vor allem eines: Ruhe.

von Christoph Geiler

Sollte tatsächlich ein österreichischer Teamspieler vorgehabt haben, im Trainingslager in Graubünden die Nacht einmal zum Tag zu machen – was der aktuellen hoch professionellen und hochanständigen Kicker-Generation aber ohnehin nicht in den Sinn käme – dann wird er gestern diesen kühnen Plan sofort wieder verworfen haben.

Denn in dem Ort, an dem Teamchef Marcel Koller seine Nationalmannschaft für die kommenden sieben Tage um sich geschart hat, gibt es vor allem zwei Dinge im Überfluss: Natur und Ruhe.

Dicke Felle

Am Tag, an dem die österreichischen Teamspieler im stylischen Rocksresort in Laax eincheckten, präsentierte sich der 1300-Einwohner-Ort in Graubünden als verschlafenes Nest. Wie so viele andere klassische Wintersport-Destinationen, in denen in der Zwischensaison die Beschaulichkeit Stammgast ist.

In Laax und der Nachbarsgemeinde Flims haben um diese Jahreszeit die meisten Hotels und Restaurants geschlossen, manche der feinen Boutiquen machen gar erst im Herbst wieder auf. Wer in einem der wenigen offenen Lokale im Freien sitzen will, der bekommt zum Stuhl auch noch ein dickes, flauschiges Fell dazu. Das mag Ende Mai vielleicht dekadent und drollig wirken, die Felle erfüllen aber durchaus ihren Zweck: Für den Montag, an dem Marcel Koller die Spieler erstmals auf den Trainingsplatz des lokalen Vereins US Schluein Ilanz bittet (geplant sind zwei Einheiten um 10 und um 17 Uhr), ist ein Temperatursturz angekündigt. Das Thermometer wird an den ersten beiden Tagen des Teamcamps nicht auf zehn Grad klettern.

Auerhähne

Man kann verstehen, wieso Marcel Koller diesen Ort ausgesucht hat, um die Mannschaft auf die EM-Endrunde einzustimmen. Hier können sich die Spieler aufs Wesentliche konzentrieren, die einzigen Nebengeräusche kommen aus dem Wald. Es würde nicht weiter verwundern, sollte der eine oder andere Teamspieler in diesem Trainingslager seine Liebe zu Vögeln entdecken: Uaul Taviarna, wie der Mischwald oberhalb von Laax in der Landessprache Rätoromanisch genannt wird, ist zumindest bekannt für seine große Auerhahn-Population.

Österreichs Teamspieler werden in diesem Trainingslager überhaupt noch einiges von Land und Leuten erfahren. Zwangsläufig, denn Marcel Koller ist in den ersten Tagen sehr um ein abwechslungsreiches Trainingsprogramm bemüht und schickt das Team immer wieder raus in die Natur.

Balla & Trenader

Das zeigte sich am Sonntag bereits nach der Ankunft, als die Mannschaft am Suentermiedzi (rätoromanisch für Nachmittag) schnell noch eine Radtour machte und vom Gemeindepräsidenten von Laax auch noch feierlich empfangen wurde.

Dabei konnten Spieler und Betreuer dann auch erstmals auch Bekanntschaft mit dem Rätoromanisch machen, das in dieser Region gesprochen wird und das selbst viele Schweizer vor Probleme stellt.

So werden die Spieler hier Giugadura genannt, der Ball ist schlicht der Balla oder Bura, und Teamchef Marcel Koller arbeitet als Trenader oder Alenatur. "Sie sind super Typen, warum sollten sie nicht Europameister werden", sagte Gemeindepräsident Adrian Steiger in seiner launischen Ansprache.

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