© APA/AFP/ANTONIO SCORZA

Sport Fußball
06/08/2020

Heute vor 30 Jahren: Als Kamerun den Weltmeister blamierte

Die unbezähmbaren Löwen rund um Roger Milla spielten sich bei der WM 1990 in Italien in die Herzen der Fußballfans.

von Christoph Geiler

Es gibt wenige Hymnen, die so einprägsam und stimmungsvoll sind wie der offizielle Song zur Fußball-WM 1990 in Italien. Gianna Nannini und Edoardo Bennato besangen Un' estate italiana ("ein italienischer Sommer") und sie schwärmten von Notti magiche, von magischen Nächten also.

Österreichischen Fußballfans waren bei dieser WM keine magischen Nächte beschert. Es sei nur an den berühmten und folgenschweren Rückpass von Anton Pfeffer beim Match gegen die damalige Tschechoslowakei erinnert (0:1), der das Aus in der Vorrunde besiegelte.

Der neutrale Anhänger verbindet die Endrunde in Italien aber auch mit einem unbekannten Team, das über Nacht Berühmtheit erlangte und deren Fußballer sich bei diesem Turnier mit ihren erfrischenden Auftritten in die Herzen der Fans spielte: Kamerun.

Der Außenseiter aus Afrika hatte damals die Ehre, die Weltmeisterschaft zu eröffnen und am 8.Juni 1990 in Mailand den amtierenden Weltmeister Argentinien herauszufordern. Vor dem Auftaktmatch wurde eigentlich nur über die Höhe des argentinischen Sieges diskutiert, dass Kamerum dem Turnierfavoriten ein Haxl stellen könnte, lag für die meisten Experten außerhalb ihrer Vorstellungskraft.

Gut möglich, dass der eine oder andere argentinische Spieler gar nicht einmal wusste, wo Kamerun genau liegt. Und mit den Namen der Fußballer aus Afrika konnte ohnehin kaum jemand was anfangen. Auch wenn sie  eindrucksvoll klangen: M'Bouh, Makanaky, Kunde, M'Fede seien nur einmal exemplarisch erwähnt.

Der große Patzer

Mittlerweile sind diese Namen ein Begriff. Und die argentinischen Teamspieler rund um Superstar Diego Armando Maradona werden sich mit Schaudern an dieses Duell erinnern, das für den damaligen Weltmeister in einer Blamage endete.

Mit ihrer aggressiven und laufintensiven Spielweise stellten die Kameruner das Starensemble aus Südamerika vor große Probleme. Nicht einmal der Ausschluss von Andre Kana-Biyik nach einer Stunde konnte die Argentinier auf die Siegerstraße bringen. Ganz im Gegenteil: Wenige Minuten später wurde die Schmach perfekt.

Ein hoher Ball in den argentinischen Strafraum genügte, um die Defensive auszuhebeln. Oman Biyik stieg in die Luft und bugsierte den Ball mit dem Kopf Richtung Tor. Es war ein dankbarer Kopfball für einen Torhüter, doch Nery Pumpido ließ sich von der Verunsicherung seiner Mitspieler anstecken und die Kugel unter seinem Körper durchrutschen. Damit hatte die WM gleich zu Beginn ihre große Sensation - 0:1.

Der Sieg verlieh den unbezähmbaren Löwen, wie sich die kamerunische Nationalmannschaft selbst nennt, Flügel. Mit ihrem erfrischenden Fußball rauschten die Afrikaner durchs Turnier und begeisterten die Fans. Allen voran der älteste Spieler der Mannschaft: Roger Milla.

38 Jahre alt war der Stürmer zu diesem Zeitpunkt, sein Geld verdiente er beim allseits bekannten Klub Jeunesse Sportive Saint-Pierroise auf der Insel La Reunion. Roger Milla saß meist nur auf der Ersatzbank und kam im Laufe der Spiele zum Einsatz. Bei den Siegen gegen Rumänien (2:1 in der Gruppenphase) und gegen Kolumbien (2:1 im Achtelfinale) erzielte der Routinier alle vier Treffer.

Mehr noch als seine Tore machte Roger Milla sein ungewöhnlicher Torjubel berühmt. Nach jedem Treffer stürmte der Angreifer zur Eckfahne und legte ein Makossa-Tänzchen hin, das ihm später die gesamte Mannschaft nachmachte.

Im Viertelfinale gegen England kam dann für Kamerun das Aus, obwohl die Mannschaft bereits 2:1 in Führung gelegen war. Der Titel "Sieger der Herzen" war dem Team da allerdings bereits gewiss.

Roger Milla wurde in diesem Jahr zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt und trat vier Jahre später bei der WM in den USA noch einmal in Erscheinung. Kamerun schied zwar in der Vorrunde aus, aber der eingewechselte Milla schoss am 28. Juni im Spiel gegen ein Tor und ist somit ältester Torschütze bei einer WM-Endrunde.

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