Adrian Grbic schoss Österreich zur U-21-EM

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Sport Fußball
01/16/2020

Goalgetter Adrian Grbic: Über Frankreich zur ÖFB-Karriere?

KURIER-Porträt: In Frankreich ist dem 23-jährigen Wiener der Durchbruch gelungen. Der Stürmer hofft auf eine ÖFB-Karriere

von Alexander Huber

Adrian Grbic ist mein sensibelster Spieler. Er wusste früher gar nicht, was er kann.“ Gesagt hat das U-21-Teamchef Werner Gregoritsch, während der U-21-EM in Italien.

Sieben Monate später wurde aus dem sensiblen Adrian der Goalgetter Grgic. Der 23-Jährige zeigt bei Clermont in der starken französischen 2. Liga allen, was er kann: 14 Tore in 18 Liga-Spielen für den Tabellen-Fünften aus der 150.000-Einwohner-Stadt.

„Ich spüre in Clermont das Vertrauen vom Trainer, Mitspielern, Präsidenten, Fans – ich brauche das, da bin ich extrem sensibel. Hier spüre ich keinen Druck, hab’ viel Selbstvertrauen. Alles ist einfach, obwohl es gegen die Verteidiger schwerer ist als in Österreich, weil lauter 2-Meter-Hünen warten“, erzählt Grbic nach den drei Toren beim 3:2 gegen Troyes im KURIER-Gespräch.

Von Rapid zu Stuttgart

„Das war mein erster Hattrick als Profi.“ Als Teenager waren drei Tore nichts Besonderes. „Dabei hab’ ich meistens links außen gespielt.“ Der Haken nach innen und der ebenso präzise wie harte Abschluss mit rechts fiel nicht nur bei Rapid auf.

2012 folgte der Wechsel in Stuttgarts Nachwuchs. „Adi war bei Stuttgart der zweitbeste Torschütze hinter Timo Werner“, erinnert sich Werner Gregoritsch. Der Durchbruch in Deutschland blieb aber aus.

Auf und Ab

Über den FAC und Altach wurde es eine Karriere im zweiten Anlauf. Konstant war der mittlerweile als Mittelstürmer Aufgebotene aber nie.

„Mit Sportdirektor Zellhofer hatte ich oft Probleme und von den Trainern dort habe ich mich nur bei Klaus Schmidt wirklich wohl gefühlt. Er gibt jedem das Gefühl, gleich viel wert zu sein.“ Ein Transfer zu Rapid scheiterte 2018 knapp - an Altachs geforderter Ablöse.

Adrian Grbic wechselte als Teenager von Rapid zu Stuttgart. Aktuell gibt es besonders viele ÖFB-Talente, die in Deutschland stürmen. Ein Überblick: 

Erst am Wochenende verzichtete U-18-Teamstürmer Deniz Pehlivan auf einen Profi-Vertrag in Wien und wechselte von Rapid II zu Mainz. ÖFB-Sturmpartner Manuel Polster (Jahrgang 2002) ging von St. Pölten zu Wolfsburg. „So ein Talent würde sofort bei mir mittrainieren“, sagt SKN-Chefcoach Schmidt, der aber keinen direkten Zugriff auf Akademie-Spieler hat. Ebenfalls bei Wolfsburg stürmt Amir Abdijanovic (2001 geboren). Neben dem Vorarlberger zeigt im U-19-Team des ÖFB ein weiteres Talent mit Migrationshintergrund auf: der Wiener Suliman Mustapha (Jahrgang 2001), der ebenfalls für Mainz stürmt.

Entscheidendes Tor

Obwohl in Altach aufgrund des auslaufenden Vertrages nur noch Edeljoker, baute Gregoritsch weiter auf den Wiener. Als Dank gab es im Play-off zur U-21-EM gegen Griechenland den entscheidenden Freistoßtreffer zum 1:0.

„Adi ist technisch stark, flink und menschlich korrekt“, sagt Gregoritsch. „Frankreichs 2. Liga ist sehr stark, aber ich sehe seine Zukunft schon in einer der großen Ligen. Mit dem Durchbruch hat es halt ein bissl gedauert.“

Dafür könnte es jetzt umso schneller gehen. „Es gibt ein Angebot aus einer starken Liga. Ich habe mit meinem Berater Emre Öztürk und dem Präsidenten von Clermont darüber gesprochen.“

Bleiben oder gehen?

Die Tendenz? „Da hier alles passt, neige ich zum Bleiben. Ich will das zu Ende bringen, viele Tore schießen, vielleicht gelingt der Aufstieg – dann kommt sicher ein noch besseres Angebot.“

ÖFB oder Kroatien?

Zuletzt bekam Grbic einen Anruf aus Kroatien. „Aufgrund der Herkunft der Familie könnte ich auch für Kroatien spielen. Es gab die Frage, ob ich mir das vorstellen könnte.“Vom ÖFB kam seit der U-21-EM nichts mehr: „Da herrscht leider Funkstille. Ein Problem ist auch, dass meine Liga kaum beachtet wird.“ Der Traum von Grbic ist trotzdem klar: „Mit Österreich zur EURO 2020!“

Sein alter Förderer Gregoritsch meint: „Das Potenzial zum A-Teamspieler hat Grbic ganz sicher.“