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01.04.2018

Gerald Baumgartner: „Kontinuität ist ein Fremdwort“

Mattersburg-Cheftrainer Gerald Baumgartner ist derzeit der Rekord-Trainer in der Bundesliga – mit nur 47 Spielen.

Gerald Baumgartner kam Anfang 2017 zu Mattersburg. Am Sonntag ist Rapid zu Gast, es wird das 48. Ligaspiel des 53-jährigen Salzburgers auf der Mattersburger Bank. Kein anderer der aktuellen Trainer hat seinen Klub in der höchsten Spielklasse so oft gecoacht. Oliver Glasner ist seit 2015 beim LASK im Amt, aber erst im Sommer aufgestiegen.

KURIER: Sie sind seit dem Aus von Pfeifenberger der längstdienende Bundesliga-Trainer.

Gerald Baumgartner: Echt? Tatsächlich. Da sieht man, wie kurzlebig und brutal hart das Geschäft ist. Kontinuität ist manchmal ein Fremdwort. Ziele sollen erreicht werden, es zählen aber nur Ergebnisse. Es gibt kaum Zeit, etwas zu entwickeln.

Auch für die Spieler?

Meiner Meinung nach ist es oft so: Wenn ein Spieler ein halbes Jahr gut spielt, das eine oder andere Tor schießt, denkt er schon an den nächsten Schritt, denkt häufig schon ans Ausland. Dabei sollten die Spieler erst den nächsten Schritt machen, wenn sie richtig gut und konstant sind in ihrer Performance und natürlich auch von der Mental bereit dafür sind. Maximilian Wöber hat den Schritt von Rapid zu Ajax Amsterdam gemacht und erlebt wie hoch die Trainingsintensität und wie hart der Kampf ums Leiberl bei Klubs im Ausland schon im Training ist.

Wie schauen Ihre Ziele aus, die Sie erreichen wollen?

Als ich gekommen bin, war es der Klassenerhalt, den wir auch überragend als zweitbeste Frühjahrsmannschaft geschafft haben. Auch in die neue Saison sind wir mit dem Ziel gegangen, nichts mit dem Abstieg zu tun haben, und zwar so schnell wie möglich.

Aber ist man nicht mit dem Ka der von Mattersburg eher Anwärter auf den Platz hinter den Großklubs?

Wir haben Farkas, Röcher und Atanga verloren. Das sind drei Spieler, die für uns nicht eins zu eins zu ersetzen waren. Zudem haben wir den Kader verkleinert und verjüngt. Wir haben schnelle und junge Spieler geholt, die nicht viel bis noch gar nicht in der Bundesliga gespielt haben. Es hat Zeit gebraucht, sie an die Liga heranzuführen.

Es gibt also doch noch einen Verein, in dem man die Zeit be kommt?

In unserem Fall ja. Dafür bin ich auch Präsident Martin Pucher sehr dankbar.

Waren Sie überrascht, dass Ihre erste volle Meisterschaft mit Mattersburg so holprig begonnen hat?

Der Start war gut, aus den ersten vier Spielen haben wir fünf Punkte geholt. Danach sind wir in ein kleines Loch gefallen, haben daheim gegen die Großklubs Salzburg, Rapid, Austria und Sturm verloren. Das kann passieren. Aber nach dem 0:5 gegen die Admira haben wir einiges ändern müssen.

Auch im Umgang mit den Profis? Ist der Erfolgstrainer des Frühjahrs zum Ungustl geworden?

Ich kenne das Geschäft und weiß, wie schnell es gehen kann. Ich versuche, mit beiden Beinen am Boden zu bleiben. Im Erfolg nicht abzuheben. Und wenn es nicht so läuft, die Ruhe zu bewahren, einen Plan zu haben und versuchen, die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen.

Sie haben im Sommer so viel im Kader geändert wie noch nie in der Mattersburger Bundesligageschichte. Geht es diesen Som mer wieder weiter mit dem Umbruch, weil so viele Verträge auslaufen?

Es laufen acht Verträge aus. Wir haben bereits vergangenen Sommer verjüngt. Die Kaderplanung fängt ja spätestens schon im Winter an. Ich glaube, dass wir diesen Sommer nicht viele neue Spieler benötigen.

Auch keine Stürmer? Die Verträge von Bürger, Maierhofer und Prevljak enden im Mai.

Wir haben gesehen, dass es nicht schlecht ist, diese Mischung aus Jung und Alt zu haben. Ruhe und Routine auf der einen Seite, Unbeschwertheit auf der anderen. Auch Smail Prevljak hat drei, vier Monate gebraucht, um in Schwung zu kommen.

Wird er zu halten sein?

Das kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass er für seine 22 Jahre sehr reif ist, dass er sich bei uns wohlfühlt und dass er bei uns die Chance hatte, in der Bundesliga anzukommen. Und er hat sich bei uns sehr gut entwickelt.

Sie haben aber noch keinen Akademie- oder Amateurspieler noch oben ziehen können.

Wir stehen dazu, junge Burgenländer in die Bundesliga führen zu wollen. Wir haben Markus Kuster, Philipp Erhardt und aktuell Julius Ertlthaler. Michael Steinwender von der eigenen Akademie ist ein ständiger Trainingsgast, Stephan Schimandl war schon Testpilot. Seit Jänner haben wir eine „Elitegruppe“ mit Talenten aller Jahrgänge geschaffen. Die trainieren wir wöchentlich mit Extraschichten. Für sie gibt es individuelle Programme und es wird großer Wert darauf gelegt, dass sie in ihren Mannschaften spielen. Nur so können sie besser werden.

Zurück zu den Zielen. Wo steht Mattersburg am Ende der Meisterschaft?

Wir können noch einiges schaffen. Wir sind noch im Cup dabei, haben uns durch die Niederlage gegen den LASK von den europäischen Plätzen etwas entfernt. Aber wir haben noch neun Spiele und damit auch die Chance, doch noch einen europäischen Platz zu schaffen.

Das letzte Meisterschaftsviertel beginnt gegen Rapid. Was er warten Sie?

Eine Mattersburger Mannschaft mit Leidenschaft. Und ich hoffe, dass der Winter endgültig weg ist, damit viele Fans kommen und uns unterstützen.

Der Zuspruch der Fans war diese Saison ja nicht berauschend.

Das Wetter ist nur bedingt eine Ausrede. Es kommen halt weniger Fans, wenn du meist nur gegen den Abstieg spielst. Es muss der Funke von der Mannschaft auf die Fans überspringen und nicht umgekehrt. Ich bin mir sicher, dass gegen Rapid viele Fans kommen werden und dass der Funke überspringen wird.