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Phänomen Spanien: Die Machtdemonstration einer wirklichen Mannschaft

Rodri ist der Taktgeber, Dani Olmo ein eleganter und effektiver Spieler, Oyarzabal ein Torjäger. Das spanische Kollektiv kann alles.
Marc Janko
FBL-WC-2026-MATCH101-FRA-ESP

Das Halbfinale war eine Machtdemonstration Spaniens, ein Genuss für jeden Fußballfan. Ehrlicherweise hatte ich vor dem Spiel auf Frankreich getippt, weil ich von der hohen Qualität ihrer Einzelspieler überzeugt war. Ich bleibe dabei, dass sie auf fast jeder Position besser besetzt sind, doch Spanien ist das wohl beste Team der Welt – mit Betonung auf „Team“. 

Man hat das Gefühl, dass sie im Kollektiv alles können. Vor allem ihr Positionsspiel ist einzigartig, sie schaffen Räume, die davor noch nicht ersichtlich waren. Man hat das Gefühl, dass jeder Spieler am Feld den Fußball auch wirklich versteht, sie mitdenken und dadurch dem Gegner auch immer schon einen Schachzug voraus sind.

Mit dem Ball öffnen sie Räume, ohne Ball schließen sie diese. Dieses Team spielt schon längere Zeit so zusammen und hat definitiv Automatismen verinnerlicht. Jeder Spanier hat mit dem Ball am Fuß fast immer, aufgrund der perfekten Positionierung, zumindest zwei Anspielstationen. Das fühlt sich sicher gut an.

Startrainer Pep Guardiola hat vor Monaten bei Manchester City darauf hingewiesen, dass man bei der WM wieder den wahren Rodri sehen wird. Er sollte Recht behalten. Rodri ist der Taktgeber, das Herz der Mannschaft. Sein Gegenüber Tchouameni hingegen bremste die eine oder andere Offensivaktion der Franzosen.

Dani Olmo ist für mich der „hidden hero“, dem (noch) nicht der Ruf eines Weltstars vorauseilt, der aber eine extrem starke WM spielt. Seine Ballannahmen, Mitnahmen, sein Passspiel, alles extrem elegant und effizient. Er ist stets ins Spiel eingebunden und trägt laufend zu entscheidenden Dingen bei.

In der Defensive hat Spanien mit Laporte einen der besten Innenverteidiger, der vorzeigt, dass man auch Körperlichkeit mitbringt. Cubarsi mit seinen 19 Jahren spielt um nichts schlechter, es ist beeindruckend. Mit Mikel Oyarzabal haben sie vorne einen drinnen, der sich wohl nie verdächtig machen wird, bei den ganz großen Klubs dieser Welt aufzuschlagen – und dennoch liefert er weltmeisterlich.

Spanien hat Superstars, eine Geschlossenheit und ein Wir-Gefühl, das mit Trainer Luis De la Fuente wieder Einzug gefunden hat. Deswegen herzlichen Glückwunsch zum Weltmeistertitel. Denn wer soll diese Mannschaft schlagen?

Der 70-fache Teamspieler Marc Janko ist als Fußball-Experte für ServusTV bei der WM im Einsatz. Er kommentiert während der WM für den KURIER das Geschehen bei der Endrunde.

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