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Österreichische Hilfe in Mexiko: Wo Fußball mehr als ein Sport ist

Der Gastgeber trifft in der Nacht auf Mittwoch im Aztekenstadion auf Ecuador. In einem Vorort der Stadt baute eine Österreicherin ein viel beachtetes Fußball-Projekt auf.
Mexikanische Fußball-Begeisterung auf dem Hauptplatz Zócalo

Mit drei Siegen und sogar ohne Gegentor zog die Selección de fútbol de México souverän ins Sechzehntelfinale ein, wo in der Nacht auf Mittwoch Ecuador Gegner sein wird (3.00 MESZ). Gespielt wird wieder im Aztekenstadion, in dem die Mexikaner noch nie ein WM-Spiel verloren haben.

Die Straßen der Großstadt werden wieder gefüllt und das grüne Trikot allgegenwärtig sein.

Das Jesus-Kind in der Kathedrale in Mexiko-Stadt

Das Jesus-Kind in der Kathedrale in Mexiko-Stadt

Fußball in Mexiko, eine nationale Leidenschaft

„Der Fußball eint das ganze Land“, sagt Leopoldine Ganser im Gespräch mit dem KURIER vor dem vierten Spiel der Mexikaner. Die ehemalige AHS-Lehrerin tourt in diesen Tagen mit einem Schülerchor aus Österreich durch das Land und freut sich über die Wirkung des Fußballs und der Weltmeisterschaft: „Fußball ist in Mexiko mehr als ein Sport, er ist eine nationale Leidenschaft. Während der Spiele der Nationalmannschaft sind die Schulen geschlossen. Es werden Kinos angemietet, wo die Schüler gemeinsam die Spiele schauen können.“

Die Begeisterung zeigt sich auch in den offiziellen Fanzonen. „Die Bevölkerung versammelt sich auf öffentlichen Plätzen wie dem Zócalo in Mexiko-Stadt.“ Auf dem Hauptplatz der 22-Millionen-Metropole ist eines der großen Public-Viewings. „Dank des Fußballs wirkt ganz Mexiko derzeit wie eine einzige große Familie. Die Liebe zum Fußball hat keine Grenzen“, sagt Ganser.

Die Anfänge

Ihre Geschichte ist seit Jahrzehnten eng mit dem Fußball verbunden. Es begann in ihrer Heimat in Seefeld-Großkadolz im Bezirk Hollabrunn. „Dort gab es einen Fußball-Platz. Sonst konnte man nichts machen“, erinnert sie sich.

Ab 1996 arbeitete sie mit dem niederösterreichischen Priester Martin Römer in einem Kindergarten im Armenviertel auf der ehemaligen Mülldeponie in Chimalhuacán vor den Toren der Stadt mit. Der Vorort hat zwei Millionen Einwohner, die früher vorwiegend in Wellblechhütten lebten. Die Idee war, die Kinder und Jugendlichen mit dem Fußball von der Straße wegzubringen. „Wir sind dazu da, Alternativen aufzuzeigen.“

Kindertraining in Chimalhuacan

Kindertraining in Chimalhuacan

Es wurden mit Eigenleistung sowie Spenden von privater und öffentlicher Hand ein Fußballplatz gebaut, eine Bäckerei, eine Näherei, ein Medizinzentrum, Schulklassen für Analphabeten und eine Mehrzweckhalle errichtet. Unterstützt wird das Projekt seit vielen Jahren von der österreichischen Hilfsorganisation Jugend Eine Welt.

Aus den Hütten wurden Steinhäuser

Ursprünglich als „Müllkinderprojekt“ bezeichnet, da die meisten Eltern der Kinder auf der Mülldeponie arbeiteten, wurde der Name später in „Jugend- und Sozialzentrum Chimalhuacán“ geändert. Aus den Blechhütten wurde eine respektable Vorstadt aus Steinhäusern – vor allem finanziert durch Geldsendungen von Familienmitgliedern, die in den USA arbeiten.

Stolz: Leopoldine Ganser mit Spielern, die ihre Trikots vom LASK bekamen.

Stolz: Leopoldine Ganser mit Spielern, die ihre Trikots vom LASK bekamen.

Die „Poldi-Liga“

Aus dem Fußball-Projekt wurde mittlerweile eine eigene Liga mit mehr als 300 begeisterten Mädchen und Buben. Aus Österreich kommt immer wieder Unterstützung, so kann ein Team zum Beispiel in Trikots von Österreichs Meister und Cupsieger LASK spielen. Leopoldine Ganser lässt im Gespräch zurückhaltend aus, dass die Meisterschaft „Poldi-Liga“ heißt und eine ehemalige Spielerin aus Chimalhuacán mit ihrem Team den Homeless-World-Cup in Amsterdam gewonnen hat.

Das Ziel

Die sportlichen Erfolge sind für Leopoldine Ganser zweitrangig. Es geht um mehr. „Fußball ist die einzige Sportart, die du in Armenvierteln machen kannst. Außerdem wirkt er einigend für die Familien, die aus dem ganzen Land Richtung Großstadt gezogen sind.“

Wenn sie sieht, welche Freude Kinder auf dem Platz haben oder welche Begeisterung die Nationalmannschaft auslöst, dann stellt sich Leopoldine Ganser eine Frage: „Warum schickt man junge Männer in den Krieg und lässt sie nicht Fußballspielen?“

Jugend Eine Welt-Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000
Kennwort: Fußball/Mexiko

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