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Ein Kapitän trainiert solo: „Die Bierbank ist mein bester Freund“

Der ehemalige WSG-Tirol-Kapitän Valentino Müller ist auf Klubsuche. Seit zwei Monaten hält sich der Vorarlberger allein fit - mit teils ungewöhnlichen Methoden.
FUSSBALL: ADMIRAL BUNDESLIGA/ 10. RUNDE: WSG TIROL - FK AUSTRIA WIEN

Der wichtigste und verlässlichste Mitspieler von Valentino Müller ist gerade die Bierbank. Sie spielt brav mit, sie muckt nicht auf, sie gibt ihm den Ball immer zurück. „Die Bierbank ist aktuell mein bester Freund am Platz“, erklärt der langjährige Kapitän von WSG Tirol.

Auf seiner Instagram-Seite gibt es ein spannendes Video, das Valentino Müller dabei zeigt, wie er den intensiven Doppelpass mit der Bierbank pflegt. 

Um ihn herum liegen etliche Bänke auf dem Boden, und der Vorarlberger passt und passt und passt den Ball reihum. So geht das über Minuten, und im Grunde schon seit dem Ende der letzten Saison. „Seither trainiere ich solo“, sagt der 27-Jährige.

Privattraining

Eigentlich würde man an dieser Stelle ja einen frustrierten und verzweifelten Fußballer erwarten, weil er noch immer keinen neuen Verein gefunden hat, während in vielen Ligen schon wieder der Ball rollt. 

Aber Valentino Müller ist das genaue Gegenteil. Der Vorarlberger gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er von seinen Privateinheiten auf dem Fußballplatz seines Heimatvereins Ludesch erzählt.

FUSSBALL: ADMIRAL BUNDESLIGA/ 14. RUNDE: RED BULL SALZBURG - WSG TIROL

Valentino Müller erzielte in der abgelaufenen Saison 10 Tore für WSG Tirol

„Ich sehe die Situation als Riesenchance“, sagt Valentino Müller. „Das erste Mal in meiner Karriere habe ich die Möglichkeit, richtige Schwerpunkte im Individualtraining zu setzen. Im normalen Teamtraining fehlt dir dafür ja die Zeit.“

1.000 Ballkontakte

Vier Mal in der Woche übt der zentrale Mittelfeldspieler mit dem Ball, dazu kommen noch intensive Laufeinheiten, Bergaufsprints, Ausfahrten mit den Inlineskates und Abstecher ins Schwimmbecken. „Meine Situation lässt gerade Raum für andere Dinge“, sagt Müller, der nach Anleitung seines Bruders Dario trainiert, der früher bei Altach als Athletikcoach tätig war. Unterstützung erhält er auch von Dr.Kornelius Kraus, seinem persönlichen Coach aus Bayern.

Valentino Müller ist überzeugt, dass er gestärkt und fußballtechnisch verbessert aus diesem gezwungenen Solotraining hervorgehen wird. „Weil ich Qualitäten aufbauen kann.“ 

Und weil er in den letzten Wochen wahrscheinlich so häufig am Ball war wie noch nie zuvor in seiner Karriere. „Man kann es sich ja ausrechnen: In einem normalen Mannschaftstraining kommt man vielleicht auf 50 bis 100 Ballkontakte, ich habe pro Einheit 500 bis 1.000 Kontakte.“

Auf Vereinssuche

Aber natürlich sehnt Valentino Müller den Tag herbei, wenn er sich endlich wieder einem Team anschließen kann. Zwar macht er das Beste aus der Sache, aber zum Einzelsportler ist der 27-Jährige dann doch nicht geboren.

Die Angebote, die bisher bei ihm eingetrudelt sind, haben ihn noch nicht überzeugt. „Mein Berater und ich haben einige Sachen abgesagt, da waren Vereine in Österreich dabei, aber auch Klubs aus dem Ausland, teilweise exotische Sachen.“

Einen Stress will sich Valentino Müller noch keinen machen. „Ich habe Vertrauen, dass das richtige Angebot noch kommt.“

Und dann hat die Bierbank als Mitspieler endlich ausgedient.

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