© APA/HANS PUNZ

Sport Fußball
06/05/2020

Teamspielerin Zadrazil: "Wir wollen Gleichberechtigung, aber ..."

Die Kapitänin von Erstliga-Klub Potsdam darf seit dem Wochenende wieder Meisterschaft spielen.

von Günther Pavlovics

Seit dem Wochenende rollt auch in der deutschen Frauen-Bundesliga wieder der Ball. Der Re-Start war aber nicht unumstritten. Die 27-jährige Salzburgerin Sarah Zadrazil ist Kapitänin von Erstligist Turbine Potsdam und kritisierte in der Tageszeitung taz, dass die Spielerinnen nicht befragt worden sind. Sie meinte auch: „Ich will Fußball spielen und meinen Beruf ausüben, aber habe auch ein paar Bedenken und gemischte Gefühle. Das Verletzungsrisiko ist doch sehr hoch aufgrund der kurzen Vorbereitung und hohen Belastung und bei uns Frauen sind auch die ganzen Maßnahmen schwerer umzusetzen als bei den Männern.“  

KURIER: Wie fühlen Sie sich zurück im Meisterschaftsbetrieb?
Sarah Zadrazil: Wir haben den Re-Start gut überstanden. Es ist so entschieden, und ich kann damit auch gut leben und freue mich wieder mit meiner Mannschaft am Platz stehen zu können.


Manche Spielerinnen konnten die Quarantäne vor dem Auftakt aus beruflichen oder schulischen Gründen mitmachen. Wie war das in Potsdam?
Wir waren eine Woche vor dem ersten Spiel in einem Hotel in Quarantäne. Manche unserer Spielerinnen schrieben dabei Klausuren für Schule oder Uni direkt im Hotel. Aber alle waren dabei. Bei mir war es kein Problem, weil ich hauptberuflich Fußball spiele.

In der deutschen Frauen-Bundesliga werden Gehälter bezahlt, von denen man leben kann. Aber nicht alle Spielerinnen.
DFL und DFB wollten Männer und Frauen gleich behandeln. Man spricht von Gleichberechtigung. Aber so ein Re-Start ist nicht so einfach wie bei den Männern, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind noch immer andere als bei den Männern.


In Österreich war auch Kritik zu hören, dass die Männer weiterspielen dürfen, die Frauen-Bundesliga aber abgebrochen wurde.
 Wir wollen Gleichberechtigung, aber sie ist nicht so leicht und so schnell umzusetzen. In Österreich war ein Hygienekonzept wie bei den Männern nicht umzusetzen. Sogar in Deutschland, wo der Frauenfußball eine Stufe höher steht, ist es teilweise schwierig.

Gibt es in Deutschland auch Unterschiede zwischen Frauenteams von etablierten Männerklubs wie Bayern oder Wolfsburg und anderen Klubs wie Sand oder Potsdam.
Ich kann nur für Potsdam reden, das ein etablierter und traditionsreicher Frauenklub ist. Wir bekamen in der Coronapause unser Geld weiter bezahlt und konnten Quarantäne und Hygienekonzept mit Hilfe von Sponsoren gut umsetzen. Wir werden auch zwei Mal in der Woche getestet.

Sie haben ein dichtes Programm.
Wir müssen schon aufpassen, denn die Verletzungsgefahr ist enorm. Wir hatten nur zwei Wochen Mannschaftstraining vor dem ersten Spiel, Mittwoch folgte das Pokalspiel. Jetzt fehlen noch fünf Meisterschaftsspiele.

Und wie geht es mit dem Nationalteam weiter?
Die EM-Qualifikation soll im Herbst fortgesetzt werden. Die Endrunde in England ist unser Ziel, auch wenn sie um ein Jahr auf 2022 verschoben wurde.

Was spricht dafür, dass man das EM-Märchen von 2017 wieder schreiben kann?
Bis auf Nina Burger ist der Stamm des Teams gleich geblieben. Und der Kader ist auch breiter und sehr ausgeglichen geworden.

Beim Re-Start haben einige junge Österreicherinnen gespielt, die bei der EM vor drei Jahren nur Kaderspielerinnen waren oder gar nicht dabei waren.
Die Akademie in St. Pölten ist eine gute Anlaufstelle. Und es haben wieder einige den für die sportliche Entwicklung wichtigen Schritt nach Deutschland gemacht.

Ist Deutschland noch die erste Adresse im Frauenfußball?
Die deutsche Bundesliga ist noch immer sehr stark. Aber durch die Investitionen in England und Frankreich, vielleicht bald auch in Spanien und Italien, ist der Markt für uns Frauen größer geworden.

Auch für Sie? Sie verlassen im Sommer nach vier Jahren Potsdam.
Ich weiß, was ich machen werde und es wird sicher bald öffentlich gemacht.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.