Sport | Fußball 18.05.2018

Hofmann: "Ich möchte bei Rapid in Pension gehen"

Für immer: Im Winter lehnte Hofmann letzte Transferangebote ab, bleibt als Talente-Manager und will bei Rapid in Pension gehen. … © Bild: APA/HANS PUNZ

Steffen Hofmann hört als Spieler auf, wird bei Rapid aber eine prägende Figur bleiben. Das KURIER-Interview zum Karriereende

Am Sonntag wartet auf Steffen Hofmann gegen Altach das letzte Heimspiel im Rapid-Dress. Bereits davor gab es Tränen und Emotionen beim "Abschiedsfest" des 37-jährigen Deutschen im Kursalon.

Das "Danke-Spiel" bestreitet der Ehrenkapitän mit Wegbegleitern und Ex-Kollegen am Sonntag, 22. Juli, mit und gegen „seine“ Rapid. Danach wird Hofmanns Rückennummer 11 von Rapid für mindestens 11 Jahre nicht mehr vergeben.

KURIER: Was wird Ihnen am meisten abgehen?

Steffen Hofmann: Primär der tägliche Gang in die Kabine und der Spaß mit den Jungs. Ich habe immer gerne trainiert. Natürlich kann ich noch Laufen gehen, aber das ist doch etwas anderes als Fußball.

Haben Sie schon eine Altherren-Runde in Aussicht?

(lacht) Die Rapid-Legenden haben viele Spiele, ich weiß gar nicht, ob die auch trainieren. Aber ich werde schon noch eine Möglichkeit zum Kicken finden.

Haben Sie Sorgen um Ihre Fitness? Können Sie sich vorstellen, zehn Kilo mehr zu wiegen?

Ich bin ein Typ, der nicht lange Ruhe geben kann. Auch wenn wir frei haben, werde ich nach drei Tagen unruhig. Ich werde also sicher nicht komplett auseinander gehen.

Sie könnten es sich gut gehen lassen und nie wieder arbeiten. Wäre das reizvoll?

Ich war mit meinem Gehalt immer zufrieden, das heißt aber nicht, dass man ausgesorgt hätte für sich und seine Familie. Generell bin ich der Meinung, dass es eine Aufgabe im Leben braucht. Ich will immer etwas tun.

Können Sie sich ein Leben ganz ohne Fußball vorstellen?

Schwer, aber ja. Rapid ist für mich etwas ganz Besonderes. Solange man mich braucht, werde ich da sein. Ich möchte bei Rapid in Pension gehen.

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Hofmann kam 2002 auf Vermittlung von Lothar Matthäus aus dem Nachwuchs der Bayern zu Rapid und war bereits 2003 Kapitän. © Bild: FREMD/Georg Diener

Es gibt Vereinsikonen, die bewusst einmal zu einem anderen Verein gehen, um neue Sichtweisen kennenzulernen. Ist das für Sie ein Thema?

Bisher nicht. Ich habe schon 2006 einen Anschlussvertrag ausgemacht. Der gilt ab meinem Karriereende für drei Jahre. Es ist darin aber festgehalten, dass ich andere Vereine besuchen kann. Das möchte ich tun, um zu sehen, was bei Rapid besser gemacht werden könnte.

Sie haben sich bisher alle möglichen Jobs offen gelassen – außer den Cheftrainer. Haben Sie nun schon klarere Pläne für die Zukunft? Ist der Job als Talente-Manager erfüllend?

Mittlerweile könnte ich mir das Traineramt vielleicht – aber erst in ferner Zukunft – vorstellen. Die Aufgabe als Talente-Manager kann erfüllend sein, aber nur dann, wenn der Verein ernsthaft den Weg gehen will, auf die Jungs zu setzen. Dann ist das eine ganz spannende und wichtige Aufgabe.

Das heißt, Rapid muss sich noch klarer als Ausbildungsverein titulieren?

Ja. Es ist nichts Schlechtes, ein Ausbildungsverein zu sein. Jeder Verein in Österreich ist das, auch Salzburg. Natürlich gibt es diesen Anspruch bei Rapid, Titel zu gewinnen. Aber wenn wir die besten Jungen für unseren Verein gewinnen und sie bestmöglich weiterentwickeln, sinkt die Chance auf Titel dadurch sicher nicht.

Also müssen mehr Wöbers und Ljubicics in den Profikader?

Natürlich kann man auch Spieler kaufen, wenn die Chance groß ist, dass sie einschlagen. Oder auf dieser Position nicht viel nachkommt. Aber grundsätzlich sollten die meisten Rapidler aus dem eigenen Nachwuchs hochkommen.

FUSSBALL: TIPICO-BUNDESLIGA / SK RAPID WIEN - SV MATTERSBURG
© Bild: APA/EXPA/SEBASTIAN PUCHER

Mit Ihrem Image und Ihrem Auftreten würden Sie auch perfekt in den Marketing-Bereich passen. Interessiert Sie das?

Ja. Vielleicht kann ich das in Zukunft verbinden. Mein Job als Talente-Manager wurde bewusst gewählt: Einerseits will und soll ich den Jungen helfen. Andererseits kann ich in viele Bereiche des Klubs hineinschnuppern und Erfahrungen sammeln.

Sie haben einmal ein Fernstudium begonnen. Ist das nach Ihrer Karriere wieder ein Thema, einen Abschluss zu schaffen?

Ja. Ich habe mir das Fernstudium leichter vorgestellt. Mit den Problemen und den vielen Personalwechseln im Verein war das dann für mich nicht mehr machbar. Aber jetzt denke ich auch an die Sportmanager-Ausbildung der Bundesliga. Ich möchte mich weiterbilden.

Wie stark hat sich der Fußball seit 2002 verändert?

Es wird immer schneller. Bei den Jungen wird auch mehr Augenmerk auf das Tempo gelegt, außerdem sind sie besser ausgebildet.

Was wird von Rapid 2019 zu erwarten sein?

Ich bin weiter überzeugt davon, dass die Qualität im Kader gut ist. Jetzt hängt viel von den Transfers ab. Meiner Meinung nach sollte nicht mehr der dritte Platz das Ziel sein. Rapid muss der erste Jäger von Salzburg sein.

War die letzte Katastrophensaison der Grund, dass Sie noch ein Jahr angehängt haben?

Wenn ich im Cupfinale eingewechselt worden wäre und das Siegestor geschossen hätte, hätte ich die Fußballschuhe nie mehr angezogen. Dass das letzte Jahr so laufen wird, war für mich nicht voraussehbar. Ich habe im Sommer andere Erwartungen gehabt. Aber Dinge verändern sich, das akzeptiere ich.

Sie wurden Rekord-Rapidler, aber den Liga-Rekord von Peter Schöttel verpassen Sie knapp. Hätten Sie im Rückblick auf die letzte Saison verzichten sollen?

Ich hätte sie mir schenken können, aber trotzdem hat es jeden Tag Spaß gemacht, zum Training zu kommen. Wehgetan hat, dass ich öfters nicht zum Kader gehört habe, vor allem bei den großen Spielen war das hart für mich. Über den Liga-Rekord hätte ich mich gefreut, aber es bricht deswegen keine Welt zusammen.

Sie waren öfters der siebente und überzählige Legionär, trotz Ihrer 16 Jahre in Wien. Bekommen Sie Aggressionen, wenn Sie das Wort „Ö-Topf“ hören?

Ich wusste, in welche Richtung es gehen kann, als Ende August noch Lucas Galvão und Veton Berisha dazugekommen sind.

Wie klar ist Ihre Zukunft mit Sportdirektor Fredy Bickel besprochen?

Fredy hat von Anfang an gesagt, dass er diesen Job für mich erfindet – so wie er es in der Schweiz bei mehreren Vereinen gemacht hat. Dort war es so, dass die Talente-Manager meist seine Nachfolger wurden. Fredys Ziel ist, dass ich irgendwann sein Nachfolger als Sportdirektor von Rapid werde. Das kann ich mir sehr gut vorstellen.

Dieser Job wird gerne unterschätzt. Wie viel Erfahrung benötigt man dafür?

Ich bin in meinen 20 Jahren im Fußball nicht blind durch die Welt gelaufen. Aber man kann immer lernen. Es wird eine meiner wichtigsten Aufgaben sein, Kontakte zu knüpfen, Menschen in diesem Business wie Spielerberater richtig einzuschätzen und mich langsam vorzubereiten auf die nächst größere Aufgabe.

PK RAPID: HOFMANN
© Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

Sie haben früher oft mit Schmerzen gespielt. Waren Sie ein Getriebener Ihres Ehrgeizes?

Natürlich hätte ich mir manche Einsätze sparen können, da war nicht alles sehr gescheit, was ich gemacht habe. Aber das passt schon, es ist nix passiert: Ich werde 38 und bin noch fit.

Andreas Herzog hat zum Schluss in den USA gespielt. War es verlockend, Ihre Karriere wo anders ausklingen zu lassen?

Es hat im Winter tatsächlich noch Angebote gegeben, aber ich wollte Rapid nicht mehr verlassen.

Wie weit waren Sie in die Planungen für Ihr Abschiedsspiel in Hütteldorf am Sonntag, 22. Juli, mit alten Kollegen und Freunden eingebunden?

Ganz stark, mir war es wichtig, dass es eine persönliche Angelegenheit wird. Deswegen wollte ich nicht einen Gegner wie die Bayern. Sondern ein Spiel mit und gegen alte Kollegen.

Haben Sie mit Rapid mehr Positives erlebt oder doch Enttäuschungen und Niederschläge?

Eindeutig Positives! Das Negative gehört dazu, aber es wird mit der Zeit unwichtiger. Ich habe viele schöne Erinnerungen, die ich nie vergessen werde. Und beim letzten Derby ist noch etwas Neues dazugekommen.

Wieso denn?

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Familienmensch: Hofmann mit Sohn Moritz sowie seinen Töchtern Sophie-Marie (re.) und Emily, die bereits auf der Bühne der Volkso… © Bild: Eckharter Rainer

Ich war zum ersten Mal den Tränen nahe. Ich bin nach dem 4:0 nach Hause gefahren und hab’ mir gedacht: „Das war das letzte Mal, dass ich gegen die Austria als Spieler dabei war – und dann noch so ein Sieg.“ Dass mich die Kollegen noch geschultert haben, hätte ich nicht gebraucht. Aber dass ich da noch ein Teil sein durfte, das gibt mir schon einiges.

Apropos Austria: Es wirkt so, als wäre das Verhältnis der Vereine so schlecht wie noch nie. Denken Sie daran, dass Sie mit Ihrem Standing für eine Verbesserung eintreten könnten?

Mir kommt es so vor, dass die Rivalität der Fans früher sogar noch größer war. Aber dafür sind die Vereine immer wieder auf Konfrontationskurs. Ich habe eine Meinung zu diesem Thema, aber das ist nicht mein Kaffee.

Muss es Grenzen der Rivalität geben?

Ja, sicher. Aber Emotionen gehören zum Fußball dazu, und ein Derby produziert die meisten Emotionen.

Ich bitte zum Schluss noch um einen privaten Einblick: Sie wohnen in Wien seit über einem Jahrzehnt innerhalb des Gürtels. Warum eigentlich nicht im Grünen?

Es gefällt uns in der Stadt. Meine beiden Töchter sind drei, vier Mal pro Woche in der Volksoper engagiert, die Schulen sind in der Nähe – das passt. Es gibt aber auch außerhalb von Wien eine Möglichkeit zum Rückzug: Wir haben seit zwei Jahren ein Grundstück mit Zugang zu einem Badesee. Das ist so ein wunderbarer Flecken Erde. Dort sind wir im Sommer und an den Wochenenden.

Sie sind bei Rapid der Star. Sind Sie das auch zu Hause? Oder ist da Ihre Frau die Spielmacherin, und Sie sind nur ein Mitläufer?

Zuhause ist meine Frau die Spielmacherin, das ist ganz klar! Ich bin nur der Wasserträger (lacht).

( kurier.at ) Erstellt am 18.05.2018