Sport | Fußball
05.09.2017

Peter Pacult muss wieder die Koffer packen

Nach sieben Partien ist die Amtszeit des Wieners beim serbischen Erstligisten Radnički Niš schon wieder vorbei.

Die Wohnungssuche konnte sich Peter Pacult bei seinen letzten Trainerstationen sparen. Denn so richtig sesshaft und heimisch ist der Wiener nirgends geworden. Weder in Slowenien, noch in Kroatien, und auch Serbien hat der 57-Jährige mittlerweile schon wieder verlassen.

Gerade einmal zwei Monate war Pacult Cheftrainer beim FK Radnički Niš, einem Traditionsteam, das in grauer Vorzeit sogar einmal im UEFA-Cup-Semifinale gestanden war. Nach 65 Tagen musste er den Trainersessel räumen, die Trennung, so ist es auf der Homepage des serbischen Vereins zu lesen, soll einvernehmlich erfolgt sein.

Im Unterschied zu seinen vergangenen beiden Aufgaben kann Pacult diesmal immerhin sogar eine Erfolgsbilanz vorweisen. Eine kurze, wohlgemerkt: Pacult übergibt FK Radnički Niš an sechster Stelle, punktegleich mit Meister Partizan Belgrad. Von den sieben Meisterschaftspartien, in denen der 57-Jährige auf der Bank saß, wurde nur eine verloren.

Letzter Meistermacher

Wenn sich hierzulande das Trainer-Karussell zu drehen beginnt, dann schwirren traditionell etliche Namen herum. Jener von Peter Pacult ist dabei mittlerweile kaum mehr zu hören. Das war auch schon einmal anders.

Nach dem Meistertitel mit Rapid (2007/’08), dem letzten für den österreichischen Rekordchampion, war Pacult ein gefragter Mann und wurde als kommender Trainer in der deutschen Bundesliga oder gar als künftiger ÖFB-Teamchef gehandelt. Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz höchstpersönlich bemühte sich damals um den Wiener und lotste ihn zu RasenBallsport Leipzig in die dritte deutsche Liga.

Doch nach einer Saison war das Abenteuer Leipzig auch schon wieder vorbei, noch kürzer dauerte danach die Amtszeit bei Dynamo Dresden, wo Pacult zwar das Abstiegsgespenst vertreiben konnte, nicht aber seine Kritiker, die er bei all seinen Trainerstationen hatte.

Er sei ein Fußballtrainer vom alten Schlag, wird dem 57-Jährigen gerne vorgehalten. Streng im Umgang mit den Spielern, unberechenbar bei Interviews. Reporter können ein Klaglied davon singen, im Internet haben einige seiner Wortgefechte mit lästigen und kritischen Fragestellern Kultstatus.

Alte Schule

"Ich bin nicht der Typ für irgendwelche Floskeln. Da sag’ ich lieber gar nichts. Allein mit lieb sein erreicht man im Fußball nichts", hatte Peter Pacult einmal in einem KURIER-Interview erklärt. Mit Ernst Happel (als Spieler beim FC Tirol) und Werner Lorant (1860 München) hatte er freilich in seiner Karriere auch Lehrmeister, die sich ähnlich knorrig und launisch präsentierten. "Ich komme aus der alten Schule, weiß aber auch, dass die Art von Happel heute nicht mehr geht."

Leipzig und Dresden waren die letzten prominenten Adressen, bei denen der 24-fache Teamspieler tätig sein durfte. Nach einem Abstecher zu seinem Heimatverein FAC tingelte Peter Pacult als Kurzarbeiter im Ausland herum: Beim slowenischen Erstligisten DNŠ Zavrč war er im Herbst 2015 ganze 17 Tage im Amt, bei Cibalia ( Kroatien) dauerte die Ära dann immerhin dreieinhalb Monate, in denen Pacult kein einziges Bewerbsspiel gewinnen konnte.

"Meine letzten zwei, drei Stationen liefen sehr unglücklich", gestand Pacult im Sommer in einem Goal-Interview. Wohlwissend, was das für seine Trainerkarriere bedeuten kann. "Dann rücken neue, junge Trainer nach – und du verschwindest ganz schnell von der Bildfläche."