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Sport Fußball
04/23/2020

Frauenfußball in der Corona-Krise: Stillstand im Aufwärtstrend

Die Bundesliga hat sich gut entwickelt, ein Ende der Corona-Pause ist nicht in Sicht.

von Günther Pavlovics

„Wir alle müssen im Moment auf vieles, was wir lieben, verzichten.“ Bei Jasmin Eder ist es der Fußball. Die 27-Jährige spielt bei St. Pölten und im Nationalteam. Der Abbruch der Frauen-Bundesliga hat sie getroffen und traurig gemacht. „Weil ich das, was ich liebe, in nächster Zeit nicht machen kann: Fußballspielen.“

Österreichs Frauen-Bundesliga wurde abgebrochen und annulliert. Der ÖFB habe alle Ligen, die unter seiner Verantwortung stehen, gleich behandelt, sagt Eder. Die Ungleichbehandlung von höchster Männer- und Frauenliga sieht sie nicht als Frage der Gleichberechtigung. „Die tipico Bundesliga ist als höchste Spielklasse eine Profiliga, während die Planet Pure Frauen Bundesliga eine Amateurliga ist.“

Die österreichische Frauen-Bundesliga ist auf einem guten Weg, aber noch sehr weit von einer Profi-Liga entfernt. Eder fordert zwar in jedem Bereich die gleiche Wertschätzung und Anerkennung wie für die männliche Profi-Liga, „aber was die finanzielle und organisatorische Struktur betrifft, sind wir eine Amateurliga und deswegen nicht mit der tipico Bundesliga zu vergleichen.“

Aufbruch nach der EM

Mit der erstmaligen Qualifikation für eine EM und den Auftritten bei der Endrunde in den Niederlanden 2017 bekam auch die heimische Liga einen Kick. 2018 stieg Planet Pure als Namenssponsor der Frauen-Bundesliga ein. Das Vorarlberger Unternehmen entwickelt und produziert ökologische Wasch- und Reinigungsmitteln. Nachhaltig soll auch das Sponsoring sein, ein Ausstieg ist auch in der Corona-Krise nicht angedacht.

Die Liga hat, wie bei den Männern Salzburg, mit St. Pölten einen Serienmeister. Präsident Wilfried Schmaus ist bei der Sponsorsuche so erfolgreich, dass er einigen Spielerinnen auch Profiverträge geben kann. „Die Liga wird es spüren, aber überleben werden es alle Vereine. Dann hast du halt keine Ausländerinnen mehr oder zahlst statt zehn Euro nur noch fünf Euro Aufwandsentschädigung“, sagt er.

Die Liga wurde aufgrund des großen Leistungsgefälles auf zehn Klubs verkleinert. Mit der Wiener Austria (noch in Spielgemeinschaft mit Frauen-Traditionsklub Landhaus) engagiert sich nach Wacker Innsbruck, Sturm Graz und St. Pölten ein vierter Männer-Bundesliga-Klub im Frauenfußball.

Auch die ORF-Liveübetragungen sorgten für mehr Beachtung des Frauenfußballs. Der FC Südburgenland zum Beispiel hat seit Februar mit der Unterwäschemarke Skiny einen namhaften Hauptsponsor. Der ÖFB holte das Finale der Champions League nach Wien (das aber nicht im Mai stattfinden kann) und investierte im Sommer in eine große Imagekampagne für die Liga.

Kick mit Leidenschaft

Thomas Wirnsberger ist Obmann des SV Neulengbach, der von St. Pölten als Serienmeister abgelöst worden ist. Wirnsberger glaubt nicht, dass wegen der Corona-Pause Spielerinnen die Karriere beenden werden. „Frauen spielen nicht des Geldes wegen, sondern aus Leidenschaft.“

Das sagt auch Eder, die wie ihre Kolleginnen vier bis sechs Trainingseinheiten pro Woche absolviert. Aber englische Wochen seien nicht möglich, weil viele der Spielerinnen arbeiten oder studieren. „Wir lieben den Fußball und machen alles, um besser zu werden, obwohl erschwerende Umstände hinzukommen. Das ist Leidenschaft.“

Eine kritische Anmerkung hat Eder schon zur Männer-Bundesliga, aber nicht, weil die Corona-Tests für die Frauen-Bundesliga zu teuer sind. „Ich könnte es persönlich auch nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, nur einen Corona-Test für mich zu beanspruchen, den ein Mensch, dessen Gesundheit gefährdet ist, viel dringender braucht.“ Auch mit dem Hintergrund, dass die Bundesliga noch länger stillstehen wird. Minister Kogler hatte angedeutet, dass es erst wieder Amateurfußball geben könnte, wenn ein Impfstoff gefunden ist. Zumindest bis Ende Juni sind die Fußballplätze gesperrt.

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