Schmiergeld, Korruption, Bestechung
05/27/2015

Blatters zwielichtige Fußball-Welt

Die Vorwürfe gegen den 79-jährigen FIFA-Boss reichen Jahrzehnte zurück.

von Christina Pertl

Seit 1998 steht Joseph Blatter an der Spitze des Weltfußballverbandes FIFA. Genauso lange sieht sich der mittlerweile 79-jährige Schweizer Funktionär, der als mächtigster Mann der Sportwelt gilt, mit Schlagzeilen über Korruption und Schmiergeldzahlungen konfrontiert. Die Festnahme von sieben Funktionären am Mittwoch in Zürich reiht sich in die Chronologie der Skandale, die Blatters Regentschaft begleiten.

- Präsidentschaftswahl 1998

Kurz vor dem Anpfiff der WM in Frankreich gewinnt der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter die Präsidentschaftswahl gegen den schwedischen UEFA-Präsidenten Lennart Johansson. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum. Blatter weist diese beharrlich zurück.

- ISL-Skandal

Blatters Präsidentschaftsvorgänger João Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten mehr als zehn Millionen Euro an Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später pleitegegangenen Vermarkter ISL. Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit Kenntnis vom System hatte. "Damals konnte man solche Zahlungen als Geschäftsaufwand sogar von den Steuern abziehen. Heute wäre dies strafbar", sagte Blatter nach der Einstellung des Strafverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Zug 2012.

- WM-Vergabe 2018 und 2022

Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwendig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt. Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet.

- Präsidentschaftswahl 2011

Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend. Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

- WM-Tickets

Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig fragwürdig. Der damalige FIFA-Vizepräsident Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. 900.000 Dollar Provisionen soll dies seinem Familienunternehmen eingebracht haben. Die FIFA-Untersuchung stellte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn fest. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exekutivkomitee-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben. 2014 in Brasilien gab es Berichte über illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.