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Sport Fußball
08/04/2019

Ex-ÖFB-Teamchef Marcel Koller: "Es gab zu viel Theater"

Bis 2017 war der Schweizer Teamchef in Österreich. Nun freut er sich mit Basel auf seine Rückkehr.

von Bernhard Hanisch

Das Europacup-Los wollte es so: Marcel Koller empfängt als Trainer des FC Basel am kommenden Mittwoch den LASK, wenig später lässt er sich wieder in Österreich blicken. Am 13. August beim Rückspiel in Linz. Bis November 2017 war der Schweizer Teamchef in Österreich. Eine Zeit mit vielen Höhen und abschließender Landung in der Ernüchterung. Gute und getrübte Erinnerungen.

KURIER: Comeback in Österreich – was ist Ihnen durch den Kopf gegangen?

Marcel KURIER: Ganz ehrlich, ich hab’ mich sehr gefreut. Sechs Jahre war ich in Österreich, eine Zeit, die ich nicht missen will. Lieber war mir aber schon, dass es jetzt Linz ist und nicht Graz. Denn gegen den LASK geht es schließlich um den Platz in der Champions League.

Ihre Erinnerungen an Linz sind getrübt. 0:3 mit Österreich gegen die Elfenbeinküste im November 2012 an einem rundum nicht sehr erfreulichen Tag...

Die Elfenbeinküste hatte ein wirklich gutes Team, und wir sind gerade in der Findungsphase gewesen. Und die Stimmung war auch nicht besonders, obwohl das Stadion gerade renoviert worden sein soll. Um es zu relativieren: Wir haben auch nicht viel dazu beigetragen, dass die Stimmung der Fans besser wurde.

Stimmt es, dass Sie vor ein paar Wochen die ehemaligen ÖFB-Mitarbeiter besuchten und Kuchen mitbrachten?

Stimmt nicht ganz: Es war Schweizer Schokolade. Das war mir ein Bedürfnis, wir hatten ja früher täglich miteinander zu tun. Ich verbrachte drei Tage in Wien und werde diese Besuche weiterhin pflegen.

Die letzte Zeit beim ÖFB war für Sie weniger harmonisch. Ist noch Groll in Ihren Erinnerungen?

Der Vertrag ist ausgelaufen, und man trennt sich. Das ist in diesem Geschäft normal. Es gab zu viel Theater. Einige haben sich auch eingemischt, die sich dazu nicht unbedingt hätten äußern müssen.

Pflegen Sie auch noch Kontakt zu den Spielern?

Mit einigen. Kürzlich hab’ ich mit Marc Janko über sein Karriereende gesprochen. Außerdem hat er auch einmal in Basel gespielt. Wir telefonieren nicht wöchentlich, tauschen uns aber regelmäßig aus.

Verfolgen Sie die Spiele der österreichischen Nationalmannschaft?

Ich schau’ sie mir immer im Fernsehen an, ich bekomme auch noch Einladungen, ins Stadion zu kommen. Aber dazu fehlt mir die Zeit, ich habe schließlich genug damit zu tun, meine Mannschaft trainieren.

Und wie beurteilen Sie die Entwicklung des Teams?

Tut mir leid, aber darüber ein Urteil abzugeben, ist sicher nicht mehr meine Aufgabe.

Als Teamchef haben Sie gesagt, Sie würden gerne wieder einmal einen Klub betreuen. Sind Sie jetzt draufgekommen, dass es gar nicht so schlecht war, die Spieler nicht jeden Tag zu sehen?

Ich bin froh, dass ich meine Spieler nun täglich sehe. Da kannst du mehr beeinflussen. In Basel habe ich die Vorbereitung aber nicht gemacht, ich musste die Mannschaft und das Stadion kennenlernen und dann noch alle drei Tage ein Spiel absolvieren – das ging von 0 auf 100. Als Nationaltrainer hast du auch Stress, aber immer zeitlich begrenzt. Ich kann mit beiden Jobs gut umgehen.

In Basel hatten Sie mit dem Manager Meinungsdifferenzen. Das schnelllebige Liga-Geschäft hätte Sie beinahe den Job gekostet. Hat das Spuren hinterlassen?

So ist das Geschäft. Aber so etwas kann dir als Trainer einer Nationalmannschaft genauso passieren. Das Thema interessiert mich jetzt auch nicht mehr. Man sollte nicht zurückschauen. Anderseits auch nicht zu weit nach vor.

Welche Unterschiede gibt’s zwischen der schweizerischen und der österreichischer Liga?

Ein Vergleich ist schwer. Ich möchte nicht despektierlich sein, aber bei den Stadien ist die Schweizer Liga doch etwas weiter. Obwohl in Salzburg, Graz, bei der Austria oder bei Rapid der Standard sehr hoch ist. Bei den kleineren Klubs fällt das aber doch ein wenig ab.

Unterschiede im sportlichen Niveau?

Man könnte den Eindruck haben, dass in der Schweizer Liga mehr Ausgeglichenheit herrscht und das Mittelfeld sehr breit ist. Wir und die Young Boys Bern waren bis zum Schluss der Meisterschaft vorne weg. In Österreich ist Salzburg in den letzten Jahren immer absolut top.

Wie schätzen Sie den LASK ein?

Sehr kompakt und durch den zweiten Platz in der Meisterschaft wohl sehr selbstbewusst. Nach der Beobachtung des Spiels gegen die Austria werden wir uns gut auf die Partie vorbereiten.

Noch ein kurzer Blick zurück: Was aus Ihrer Zeit in Wien vermissen Sie am meisten?

Da gibt’s eine lange Liste. Vor allem die kulturellen Angebote, die Restaurants in der Innenstadt, viele Plätze, an denen man mit den Leuten einfach quatschen kann. Ja, ich habe mich in Wien sehr wohlgefühlt.