Die Hände zum Himmel: Österreichs Teamkicker müssen sich neue Ziele setzen, weil sie die alten schon erreicht haben. Ohne Niederlage möchte man die Quali abschließen.

© APA/ROBERT JAEGER

EM-Qualifikation
10/09/2015

Österreichs Siegeszug soll immer weiter rollen

Das Nationalteam möchte in Podgorica den Ernstfall für die EURO proben - in einem wahren Hexenkessel.

von Günther Pavlovics

Für Österreichs Nationalteam haben die letzten beiden Qualifikationsspiele schon Testcharakter für die EM-Endrunde, die im Juni 2016 beginnt. Zwar haben sich die Spieler vorgenommen, die Qualifikation ungeschlagen zu schaffen, dennoch ist der Druck weg. "Es wäre gelogen, wenn wir sagen, der Druck ist sehr hoch", sagt David Alaba. "Das sind gute Tests für uns selbst ", sagt Sebastian Prödl.

Allerdings haben die Spiele gegen Montenegro (20.45 Uhr, live im KURIER-Ticker) auch einen ernsten Hintergrund: Österreich hat die Chance, einen Platz im UEFA-Ranking zu halten, der sie bei der EM-Auslosung in Topf zwei befördern würde. Aber es gilt auch, etwas für das ohnehin vorhandene Selbstbewusstsein zu tun. Alaba: "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, beide Spiele zu gewinnen."

Für Montenegro hingegen geht es um alles oder nichts. Österreich ist außer Reichweite, aber auf den Zweiten Russland fehlen zwei Partien vor Schluss nur drei, auf den Dritten Schweden ein Punkt. Mit sechs Punkten aus den Partien gegen Österreich und zum Abschluss in Russland könnte es die Truppe von Coach Branko Brnovic noch direkt zur EM (als Zweiter) oder als Dritter zumindest noch ins Play-off und über diesen Umweg zur ersten Endrunden-Teilnahme schaffen. Schon 2011 stand Montenegro im Play-off für die EM in Polen und der Ukraine, verlor aber klar gegen Tschechien. In der Qualifikation wurden Wales, Bulgarien und die Schweiz geschlagen, im Wembley-Stadion gab es ein 0:0 gegen England.

Heißes Pflaster

Diese Qualifikation leistete sich die Mannschaft einen Umfaller mit dem 0:0 in Liechtenstein. Und die Fans leisteten sich einen Ausraster – das Heimspiel gegen Russland wurde mit 0:3 strafverifiziert, nachdem der russische Goalie Igor Akinfejew von einem Feuerwerkskörper getroffen worden war und es danach auch Ausschreitungen gegeben hatte. Die drakonische Strafe der UEFA: das Heimspiel gegen Liechtenstein wurde vor leeren Tribünen ausgetragen, aber schon gegen Österreich ist das Gradski-Stadion mit 11.000 Plätzen wieder ausverkauft.

Sportlich herrscht ein Thema vor: Wird Stefan Jovetic fit? Der Star der Mannschaft, der von Manchester City an Inter Mailand verliehen ist, leidet an einer Oberschenkelverletzung.

Österreichs Spieler wissen, dass sie am Freitagabend ein kleiner, aber doch feiner Hexenkessel erwartet. Teamchef Marcel Koller hat seine Schützlinge darauf vorbereitet, dass die Zuschauer bis knapp ans Spielfeld sitzen. Bremen-Legionär Zlatko Junuzovic: "Die Montenegriner sind kreativ und individuell stark. Sie sind aggressiv und haben ein paar schmutzige Tricks auf Lager. Doch wenn wir uns davon nicht ablenken lassen und unser Spiel durchziehen, können wir gewinnen", prophezeite der Mittelfeldspieler.

Kapitän Christian Fuchs verkündete noch ein weiteres Mal das Motto für die letzten beiden Partien: "Wir haben ein neues Ziel, nämlich die Quali ohne Niederlage zu beenden."

Das Land der schwarzen Berge

Es scheint als sei die Zeit stehen geblieben. Auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt von Podgorica sieht man grüne Wiesen mit Kühen mitten drin. Die vielen einstöckigen Häuser erinnern an den ehemaligen Ostblock. Auf den 20 Minuten Fahrt scheint die Zeit stehen geblieben. Auch die Plattenbauten in der Peripherie der Stadt versprühen den Charme des Kommunismus wie vor drei Jahrzehnten. Titograd hieß die Hauptstadt der jugoslawischen Teilrepublik von 1946 bis 1992. Seither heißt die Stadt Podgorica. Österreichs Fußball-Nationalteam spielt am Freitag im Gradski Stadion pod Goricom ("Städtisches Stadion unterhalb des Hügels"), das mitten in der Altstadt liegt und 11.000 Zuschauer fasst.

Montenegro wurde im Jänner 2007 Mitglied der UEFA und im Mai 2007 der FIFA. Vier Europacupspiele (Sturm 2009 gegen OFK Petrovac und Austria 2011 gegen Rudar Pljevlja) und ein A-Länderspiel hat Österreich bestritten. Und gewonnen. Gegen Teams eines Landes mit 620.000 Einwohnern (etwas mehr als Tirol). Bei der WM 2006 spielte noch Serbien-Montenegro, danach spaltete sich das Land ab. Ein Land, das – obwohl multiethnisch – nicht vom Krieg am Balkan betroffen war.

Zahlen mit Euro

Offizielle Währung ist der Euro. Das Land will in die EU und in die NATO, obwohl es historisch enge Verbindungen mit Russland gibt. Die Bevölkerungsmehrheit gehört der orthodoxen Kirche an, die Sprachen sind verwandt, die Länder-Wappen ähneln sich. Und in den ersten Jahren der Unabhängigkeit waren viele reiche Russen da, von denen aber viele wieder das Land verlassen haben. Montenegro bezog politisch klar Stellung und hat sich den EU-Sanktionen gegen Russland angeschlossen.

An geschlossenen Geschäften und verfallenen Häusern sind noch Schilder in kyrillischer Schrift, doch die haben Patina angesetzt, in Podgorica ist fast alles mit lateinischen Buchstaben beschriftet. Montenegro heißt übersetzt schwarzer Berg: "Crna Gora" steht über dem Wappen, das auf dem Abzeichen des Polizisten an der Passkontrolle prangt. Im Österreich-Ungarn des 19. Jahrhunderts sagte man auch Schwarzenberg zu diesem Landstrich mit bewaldeten Bergen und tiefen Schluchten. Der Fremdenverkehr – vor allem an der malerischen Adriaküste – ist eine wirtschaftliche Säule des Landes, fast 800 Millionen Euro wurden letztes Jahr erwirtschaftet, rund ein Sechstel des Bruttoinlandprodukts.

Aber es gibt noch ein Erbe des Kommunismus. Montenegro sei gut darin, Pläne zu erstellen, aber weniger gut in der Umsetzung eben dieser, sagen EU-Verhandler. Und: "Korruption ist auf allen Ebenen weit verbreitet."

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