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UEFA-Pläne
12/06/2012

EL: Rapid und Austria gegen Ende

Die beiden Wiener Vereine lehnen die Abschaffung des Europacup-Bewerbes in trauter Einigkeit ab.

Die Europa League hat ein Vermarktungs-Problem: An sich hätte der UEFA-Cup-Nachfolger helfen sollen, die Kluft zwischen der Champions League und ihrem kleinen Bruder zu verringern.

Ein Plan, der nur bedingt aufgegangen ist. Vor allem in den großen Fußball-Märkten führt die Europa League ein Schattendasein, das Interesse der Zuschauer und damit der TV-Sender in Ländern wie Deutschland, England, Spanien oder Italien ist, freundlich ausgedrückt, überschaubar. Kein Wunder also, das man bei der UEFA Überlegungen anstellt, den Bewerb abzuschaffen und dafür die attraktivere Champions League von 32 Teilnehmern auf 64 aufzustocken.

Ein Vorhaben, das vielerorts auf Ablehnung stößt. Bei Austria und Rapid zum Beispiel: Rapid-Präsident Rudolf Edlinger bezeichnet die Idee als "massiven Anschlag auf die kleinen Länder. Die Europa League ist für Vereine aus Ländern wie Österreich eine wichtige Sache. Wenn man sich da für die Gruppenphase qualifiziert, ist das ein essenzieller Bestandteil des Budgets", betonte der 72-Jährige.

Dass Klubs aus Top-Nationen wie England oder Italien im Nachfolgebewerb des UEFA-Cups zumeist nur mit B-Mannschaften antreten, ist für Edlinger kein Grund zur Abschaffung. "Auch wenn die Europa League für einige Vereine aus großen Ländern uninteressant ist - wir machen das Happel-Stadion so gut wie voll."

Einnahmen

An die Möglichkeit einer Aufwertung der Europa League mittels Zuschüssen aus der weitaus höher dotierten Champions League glaubt der ehemalige Finanzminister nicht. "Die Top-Vereine wollen einfach nicht in der Europa League spielen, das kann man auch durch mehr Geld nicht ändern. Außerdem würden die Großen vom Kuchen wahrscheinlich auch nichts abgeben."

Für die Teilnahme an der Europa-League-Gruppenphase gibt es derzeit für jeden Klub ein Antrittsgeld von 1,3 Millionen Euro. Dazu kommen Prämien für einen Sieg (200.000 Euro) und ein Remis (100.000 Euro) sowie Zuschauereinnahmen - am Ende bleibt auf jeden Fall ein satter Gewinn, den jeder ÖFB-Vertreter mit Ausnahme von Red Bull Salzburg dringend nötig hat.

Eine Streichung der Europa League würde laut Edlinger die finanziellen Unterschiede in Europa verschärfen. "Dadurch würden nur die Reichen reicher und die Armen ärmer werden. Und es kann ja nicht das Ziel der UEFA sein, dass in Österreich alle nur noch Barcelona gegen Real Madrid schauen und unser Fußball auf Amateurbasis stattfindet."

Eine ähnliche Ansicht vertritt Austrias Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer. "Die Champions-League-Gruppenphase auf 64 Clubs aufzublähen, wäre eine Mogelpackung, die niemandem etwas bringt. Und die Europa League ist gerade für österreichische Vereine sehr wichtig. Das ist fürs Budget von großer Bedeutung, wie wir in dieser Saison leidvoll erfahren müssen", sagte der Vorstand der "Veilchen", die in dieser Saison nicht international vertreten waren.

Kraetschmer kann sich allerdings nicht vorstellen, dass Platinis Europacup-Reformideen umgesetzt werden - schließlich kam bereits massiver Widerspruch von der europäischen Clubvereinigung (ECA) und deren Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge. "Wer seine Reaktion gesehen hat, weiß, dass das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist", sagte Kraetschmer.

K.o.-Modus

Adaptierungen des derzeitigen Bewerbsformats kann sich der Austria-Manager jedoch vorstellen, zum Beispiel die Streichung der Regelung, dass die Dritten der Champions-League-Gruppenphase ins Europa-League-Sechzehntelfinale umsteigen. Diese Meinung teilt er mit Ried-Manager Stefan Reiter. "Dieser Umstieg vermittelt den Eindruck, dass die Europa League ein B-Bewerb ist", meinte Reiter.

Der Oberösterreicher steht Platinis Visionen nicht gänzlich ablehnend gegenüber. "Für Österreich funktioniert die Europa League gut, aber man kann nicht abstreiten, dass sie nicht das Gelbe vom Ei ist. Wenn es dem gesamteuropäischen Fußball hilft, sollte man Reformideen nicht gleich ablehnen, da muss man schon über die eigene Nasenspitze hinausschauen."

Reiter wüsste bereits einen Verbesserungsvorschlag. "Ich würde mit Ried gern in der Gruppenphase spielen, aber wenn ich über den Horizont hinausschaue, haben K.o.-Spiele eine höhere Attraktivität. Daher sollte die Gruppenphase abgeschafft und der Bewerb nur im K.o.-Modus gespielt werden."

Zurückhaltend zu möglichen Europacup-Reformen zeigte sich Red-Bull-Sportdirektor Ralf Rangnick. "Ich weiß, dass die Europa League für viele Clubs - vor allem aus kleineren Ligen - äußerst wichtig ist. Bei einer möglichen Änderung ergeben sich viele offene Fragen, wie etwa die zusätzlichen Spieltermine oder welche Vereine sich dafür qualifizieren können. Erst wenn diese ausreichend beantwortet sind, macht eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema wirklich Sinn", ließ der Deutsche ausrichten.

Sein Landsmann Peter Hyballa von Sturm Graz vertraut auf die hehren Absichten Platinis. "Er will den Fußball sicher nicht verschlechtern, sondern verbessern." Allerdings müsse die UEFA darauf achten, dass die Kluft zwischen Arm und Reich nicht zu groß wird. "Wenn man immer nur für die großen Clubs arbeitet, wird es ein Problem geben", vermutete der 37-Jährige und könnte sich sogar vorstellen, zum Europacup-Modus von vor über 20 Jahren mit Meistercup, Cup der Cupsieger und UEFA-Cup zurückzukehren. Hyballa: "Ich weiß nicht, ob man sich das zurückwünschen soll, aber so schlecht war es auch wieder nicht."

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