Wolfgang Winheim

© Stephan Boroviczeny

Sport Fußball
09/16/2012

Eiskalte Dosen

Tagebuch: Mitleid kennt Ralf Rangnick, Sportdirektor des Red-Bull-Fußball-Imperiums, nicht. Es ist auch unangebracht.

von Wolfgang Winheim

Hüttenwirt Wolfgang Feiersinger schimpft aus 1600 Meter Höhe auf die Fußballabteilung von Red Bull herunter.

46-mal hatte er im Team gespielt. Und im Salzburger Klubdress gemeinsam mit anderen Teenie-Lieblingen wie Otto Konrad und Heimo Pfeifenberger in den 90ern für volle Häuser gesorgt. Bis zu 40.000 Leut’ sind Feiersinger und Co. damals, als Salzburg-Lehen zu klein war für den Europacup, bis Wien nachgereist.

Jetzt herrscht im neuen Salzburger 30.000er-Stadion meist eine Stimmung wie in einer Gruft und Feiersinger nennt die Vorgänge dort "zum Kotzen". Aus neutraler Sicht sind sie eher zum Staunen.

Hätte Trainer Ricardo Moniz nach einer Meinungsverschiedenheit mit der medizinischen Abteilung am 12. Juni nicht die Nerven weggeworfen und seinen Rücktritt verkündet, dann ...

... würden jene, die Red Bull zum Double verhalfen, noch Stammspieler sein;

... dann wären nie sieben neue Legionäre (auch nicht der am Samstag sehr gute Kevin Kampl) in acht Wochen geholt worden;

... dann wäre Niko Kovac noch der Co-Trainer;

... dann hätte der Chef der Akademie, in der bis hinab zur U14 Nicht-Österreicher die Trainer sind, noch seinen Job;

... ja dann säße auch Peter Pacult beim Satellitenklub RB Leipzig noch auf der Betreuerbank.

Ralf Rangnick nimmt als neuer, rhetorisch starker Sportdirektor des Red-Bull-Fußball-Imperiums gnadenlos Personalrochaden vor. So wie das in Konzernen, in denen mit den Chefs meist auch deren Sekretärinnen gehen müssen, eben üblich ist.

Mitleid kennt Rangnick nicht. Es ist auch unangebracht. Denn mit den fünfstelligen Gehältern, die bei Red Bull Spaziergänger kassieren, ließen sich die maroden Traditionsklubs Sportklub und Vienna sanieren.

Boss Dietrich Mateschitz ist keinem Rechenschaft schuldig, zumal nicht staatsnahes Sponsorgeld, sondern privates Spielkapital verprasst wird.

Für die Entwicklung des Nationalteams kann’s freilich nicht förderlich sein, wenn beim österreichischen Meister kaum Österreicher am Ball sind.

Aber dieses Argument wird den deutschen Sportchef Rangnick und den deutschen Trainer Roger Schmidt genau so kaltlassen wie emotionale Kritik von der Alm.

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