Sport | Fußball
08.11.2015

Ein Unbekannter bestimmt die Rapid-Aufstellung

Um Verletzungen der Muskeln zu vermeiden, setzt Trainer Barisic auf den CK-Wert.

Wer entscheidet, welche elf Rapidler nach dem 2:1-Triumph in Pilsen heute in Grödig die vermutlich schwierige Bundesliga-Pflicht erfüllen sollen? Offiziell natürlich Zoran Barisic. Aber der Rapid-Trainer nimmt bei seinen Aufstellungen einen weitgehend Unbekannten namens Creatin-Kinase zu Hilfe.

Noch nie gehört?

"In der Europa League sind alle über das Limit gegangen. In Grödig werden wieder frische Spieler einlaufen", kündigt Barisic an. Wie "frisch" welche Spieler sind, verrät die Creatin-Kinase. Aus diesem Enzym, das in der Herz- und Skelettmuskulatur vorkommt, wird bei den regelmäßigen Blutabnahmen der CK-Wert der Spieler ermittelt. So lässt sich die exakte Muskelbelastung messen.

"Normale" Menschen weisen einen CK-Wert unter 200 auf. Nach Spielen kommen die Rapidler oft auf 300 bis 700. Das sollte auch so sein – ansonsten wäre klar, dass die Kicker nicht alles gegeben haben. "Nach Belastungen wie in Pilsen haben Fußballer sogar Werte wie Autofahrer, die sich bei einem Unfall verletzt haben", erklärt Rapid-Arzt Benno Zifko.

Teamreifer Kainz

Durch die langfristigen Aufzeichnungen im Ärzteteam rund um Thomas Balzer zeigt sich, wer wie schnell wieder "frisch" werden kann. "Kainz ist ein Wahnsinn. Meist reicht ihm ein Tag, um wieder auf der Höhe zu sein", weiß Barisic. Am Samstag wurde Kainz erstmals in den Teamkader berufen.

"Auer funktioniert wie eine Maschine. Der könnte eigentlich immer spielen", meint Balzer. Die Spieler werden vom Trainerteam ganz individuell eingestuft. "Wenn du angeschlagen bist, schlägt der Wert nach oben aus. Bei mir ist er meist im oberen Bereich, ohne dass ich größere Probleme hätte", erzählt Stefan Schwab. Anders funktioniert Tormann Jan Novota: "Bei mir schlägt der CK-Wert schnell aus, ich fühle mich dann müde. Das Trainerteam achtet darauf und lässt in diesen Fällen zur Sicherheit Strebinger spielen."

Wie wichtig der CK-Wert für die Rapid-Aufstellungen ist, besonders nach Europacup-Partien, betont Stefan Schwab: "Unsere Trainer machen sich aufgrund der CK sehr viele Gedanken, wer wann wie lange spielen könnte."

Die Folgen dieser Rücksichtnahme sind offensichtlich: Muskelverletzungen ohne erhöhten CK-Wert sind fast unmöglich. Zwar verletzen sich immer wieder Rapidler bei Fouls (wie Schaub und Petsos) oder unglücklichen Aktionen (wie Nutz), aber die "klassische" Muskelzerrung kommt kaum noch vor.

Ausnahme Hofmann

Eine Ausnahme ist – wie so oft bei RapidSteffen Hofmann. "Steffen hat sich gegen Sturm eine Hüftkapsel-Prellung zugezogen. Sein CK-Wert hat auch in Pilsen gegen einen Einsatz gesprochen", verrät Zifko. Doch Hofmann hielt in Absprache mit den Trainern seine Probleme geheim, trainierte kaum und wollte beim Schlüsselspiel im Europacup unbedingt dabei sein. Und hat die nach 50 Minuten in Pilsen aufgetretene Verletzung in Kauf genommen.

"Barisic neigt nicht dazu, übertrieben besorgt zu sein. Aber er ist dankbar über jede Information und kann die Risiken gut abschätzen", sagt Zifko. Der langjährige Teamarzt (seit 1990 bei Rapid) hat aber auch schon weniger sensible Trainer erlebt: Manche ignorierten die Warnungen der Ärzte und wunderten sich dann über die häufigen Muskelverletzungen.

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