Dominik Frieser und Reinhold Ranftl

© EPA/CHRISTIAN BRUNA

Sport Fußball
02/27/2020

Doppelbelastung? Der LASK demonstriert internationale Physis

Das Rückspiel im Sechzehntelfinale der Europa League gegen Alkmaar ist die 36. Saison-Partie der Linzer. Müde sind sie nicht.

von Andreas Heidenreich

Keine drei Wochen war Valérien Ismaël im Amt, da musste der neue LASK-Trainer schon durchgreifen. Weil gleich sieben Spieler ähnliche Probleme im Adduktoren-, Leisten- und Schambeinbereich hatten, trennte sich der Franzose Anfang Juli von seinem Konditionstrainer.

Nicht nur die Bundesliga-Tabelle verrät: Ismaël muss diese Saison einige richtige Entscheidungen getroffen haben. Diese dürfte eine davon gewesen sein.

Die Linzer können am Donnerstag gegen Alkmaar den Aufstieg ins Achtelfinale der Europa League schaffen. Die Partie gegen die Niederländer ist das 36. Pflichtspiel dieser Saison.

Der LASK hat damit so viele Spiele bestritten wie kein anderes Team aus Österreich. Vier mehr als Salzburg, weil man durch zwei Qualifikationsrunden musste, während der Meister fix für die Champions League qualifiziert war.

Der Vergleich

Der KURIER hat die tatsächlich gespielten Minuten der elf Linzer mit den meisten Einsätzen addiert und mit jenen von anderen Klubs verglichen (siehe Grafik). Noch intensiver war bisher etwa das Programm von Celtic Glasgow. Die Schotten mussten im Sommer vier Qualifikationsrunden absolvieren.

Die hohe Zahl an Einsatzminuten zeigt: Der LASK hat bisher vergleichsweise wenig rotiert, oft kommen bei den Linzern dieselben 13 bis 14 Spieler zum Einsatz. Und trotzdem gibt es bei den Oberösterreichern kaum Verletzte.

„Wichtig ist, dass wir keine Muskelverletzungen haben, die wären ein Zeichen für Überbelastung“, sagt Jan Kollmann, der im Juli als neuer Athletiktrainer vom FC Juniors OÖ aus der 2. Liga zu den LASK-Profis aufgestiegen ist.

„Man kann Verletzungen nie zu 100 Prozent ausschließen, aber viel dazu beitragen, dass es wenige gibt.“ Weil niemand aus dem Betreuerstab der Linzer viel Trainer-Erfahrung mit dem Management so vieler Spiele in einer Saison hatte, sei die Situation für alle neu gewesen. „Wir haben zu Beginn noch mehr rotiert, dann aber gesehen, dass sich die Spieler an die vielen Belastungen angepasst haben.“

Beim Überprüfen der Leistungsfähigkeit lasse man nichts dem Zufall über. Täglich werden Daten erfasst. „Regenerationsmonitoring“, nennt es der Sportwissenschafter. Eine Trainingseinheit ohne Trackingsystem, das die Laufdaten der Spieler erfasst, gebe es nicht.

„Und wir messen täglich die CK-Werte.“ Ein erhöhter Wert des Enzyms Creatin-Kinase im Blut deutet demnach auf eine Überbelastung oder gar Verletzung der Muskulatur hin.

Die Entnahme und Auswertung dauert pro Spieler in etwa fünf Minuten. Bei den insgesamt 27 Spielern, die der LASK in dieser Saison bisher eingesetzt hat, kann sich das in die Länge ziehen. „Wir sind da aber sehr konsequent“, betont Kollmann.

Konsequenz ist das eine, Kommunikation das andere. „Wir hören auch viel auf die Spieler.“ Diese seien beim LASK professionell.

„Das Eigenengagement der Spieler muss passen“, weiß Kollmann bei aller Liebe zum Detail und der Auswertung vieler Zahlen und Daten, von denen man allerdings keine verraten will. Nur so viel: „Die Außenverteidiger sind unsere Laufmaschinen, die müssen ein hohes Volumen, aber auch eine hohe Intensität abspulen.“

Hochintensive Läufe beginnen im Fußball bei 25 km/h. Im Schnitt legen Spieler heutzutage schon rund 1,2 km pro Spiel in dieser Geschwindigkeit zurück. Tendenz steigend.

Auch ohne geheime Daten kann man darauf schließen, dass Reinhold Ranftl der größte Läufer der Linzer ist: Der rechte Außenverteidiger hat die meisten Spiele (34) und Spielminuten (2.925) aller Feldspieler vorzuweisen.

Dass die Spieler trotz der vielen und hohen Belastungen, die auch am laufintensiven Spielstil (Stichwort Angriffspressing) liegen, gut wegstecken, liege laut Kollmann nicht nur an den Regenerationsmaßnahmen, sondern auch an der Trainingsphilosophie.

„Wir trainieren so, wie wir spielen.“ Soll heißen: Kurze, aber hochintensive Spielformen, die immer wieder wiederholt werden. Sich an diesen Rhythmus zu gewöhnen, kann ein Zeit lang dauern. Bei Neuzugängen im Training ebenso, wie bei den Gegnern im Spiel. Als nächstes soll am Donnerstag den Spielern von Alkmaar die Luft wegbleiben.

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