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Sport Fußball
10/27/2020

Salzburger Hürde: Dauerbrenner, Exzentriker und Provokateur

Salzburg trifft am 2. Spieltag der Champions League am Dienstag auf Atlético Madrid und einen ganz besonderen Trainer.

von Stephan Blumenschein

Kurz vor Weihnachten 2011 passierte bei Atlético Madrid durchaus Übliches. Wieder einmal wurde ein Trainer entlassen. Gregorio Manzano musste gehen, weil der Klub im Mittelmaß der Primera División zu versinken drohte. Geholt wurde Diego Simeone – als 16. (!) Trainer seit der Jahrtausendwende.

Als der Argentinier beim Madrider Großklub sein Amt antrat, war in Salzburg gerade Ricardo Moniz Trainer. Auf den Niederländer folgten bis heute sieben Coaches, während bei Atlético auch nach fast neun Jahren noch immer Simeone auf der Trainerbank sitzt.

Die acht Salzburg-Trainer seit dem Amtsantritt von Simeone in Madrid:

Ricardo Moniz coachte von 08.04.2011 bis 30.06.2012

Roger Schmidt coachte von 01.07.2012 bis 30.06.2014

Adi Hütter coachte von 01.07.2014 bis 30.06.2015

Peter Zeidler coachte von 01.07.2015 bis 02.12.2015

Thomas Letsch coachte von 03.12.2015 bis 27.12.2015

Oscar Garcia coachte von 28.12.2015 bis 30.06.2017

Marco Rose coachte von 01.07.2017 bis 30.06.2019

Jesse Marsch coacht seit 01.07.2019. Sein Vertrag läuft aktuell bis 30.06.2022

Heute trifft der 50-Jährige, der bei den Rojiblancos längst auch Rekord-Trainer ist, erstmals auf Salzburg – im zweiten Champions-League-Gruppenspiel im Stadion Wanda Metropolitano.

Schon als Spieler war Simeone Weltklasse, einer, den man gerne in der eigenen Mannschaft hat, aber auch einer, gegen den man nicht unbedingt spielen will. Ihn als reines Raubein zu bezeichnen, wäre unfair, er konnte schon auch kicken. Aber der Argentinier war einer, der ganz genau wusste, dass Fußball auch harte Arbeit ist.

Double-Gewinner

15 Jahre (von 1990 bis 2005) spielte der dreimalige WM-Teilnehmer, der als erster Argentinier mehr als 100 Länderspiele absolvierte (insgesamt 106), in Europa, holte das Double in Spanien (1996 mit Atlético) und Italien (2000 mit Lazio). Mit Inter Mailand gewann Simeone 1998 den UEFA-Cup. Als Trainer verdiente er sich allerdings seine Sporen zunächst in seiner Heimat.

Dass er einmal der aktuell längstdienende Coach bei einem europäischen Topklub sein wird, war damals nicht abzusehen. Von 2006 bis 2010 betreute er in Argentinien gleich vier Klubs, obwohl er durchaus Erfolg hatte. Bei Estudiantes de La Plata beendete er mit dem Meistertitel 2006 eine 23-jährige Durststrecke. Und auch River Plate führte er zwei Jahre später ebenfalls auf Platz 1.

Aber das ist alles nichts zu seinen Erfolgen mit Atlético. Neun Titel holte Simeone in den fast neun Jahren, darunter sind ein Meistertitel (2014) und ein Cupsieg (2013). Zweimal gewann er die Europa League (2012, 2013). Nur in der Champions League wollte es noch nicht klappen, sowohl 2014 als auch 2016 war im Finale Lokalrivale Real Madrid zu stark.

Als Trainer hat er einen ähnlichen Ruf wie schon als Spieler: Simeone gilt als Exzentriker und Provokateur, als einer, der keinem Streit aus dem Weg geht. In Wien würde man ihn wohl als „Häferl“ bezeichnen. An seinen fachlichen Qualitäten gibt es aber natürlich keine Zweifel.

Von seinen Kollegen wird er gleichsam geachtet und gefürchtet. „Er hat einen gewissen Grad an Verrücktheit. Wenn er einen Spieler anschreit, dann dreht keiner ab. Irgendeine Gabe muss er also haben, dass sie nicht sagen: ’Der geht mir auf den Sack’. Das ist außergewöhnlich“, meinte Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann, der mit seinen 33 Jahren eine ganz andere Trainergeneration und auch Fußball-Philosophie vertritt.

„Glauben. Die Herausforderung, sich immer wieder selbst zu übertreffen“, heißt Simeones Autobiografie. Sein Leitsatz „Fleiß ist die Magie, die Erfolg bringt“ sagt viel über seine Berufsauffassung aus. Genau das verlangt er auch von seinen Spielern.

Nach dem 0:4 bei den Bayern steht Atlético schon unter Erfolgsdruck. Salzburg wird also auf einen Gegner treffen, der das Spiel extrem ernst nehmen wird. Das macht die Aufgabe in Madrid sicher nicht einfacher. Denn die Mannschaft von Trainer Simeone ist sowieso extrem heimstark. In elf der vergangenen 13 Europacup-Partien im Wanda Metropolitano musste man nicht einmal ein Gegentor hinnehmen. 

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