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WM-Qualifikation
10/11/2016

ÖFB-Team: Die Suche nach den Schwachstellen

Nach der Niederlage in Serbien steigt der Druck auf Teamchef Koller und seine Mannschaft.

von Bernhard Hanisch, Alexander Strecha

Die Nacht war kurz, die Gelegenheit, das alles zu verdauen ebenso. Marcel Koller, frühmorgens noch aus dem Flugzeug entstiegen, stellt seine Krücken ab und versucht zu erklären, was am Vorabend in Belgrad im WM-Qualifikationsspiel gegen Serbien passiert ist.

Statistisch betrachtet eine 2:3-Niederlage. Emotional gesehen ein Anlass zu Diskussionen, die Meinungsvielfalt breitet sich aus. Über System, über die Personalpolitik des Teamchefs und Alternativen, über Leistungen von Spielern und die damit verbundenen, weit auseinander klaffenden Beurteilungen. Die Euphoriekurve sackte 2016 ab. Drei Siege, zwei Remis, fünf Niederlagen.

In Österreich wächst die Anzahl der Teamchefs rapide. So wie es immer geschieht, wenn nicht gewonnen wird. Wenn plötzlich das Gefühl einsetzt, man werde nicht schaffen, was man sich vorgenommen hat. Konkret, sich für Russland 2018 zu qualifizieren. Der Druck baut sich auf. Es muss gewonnen werden am 12. November gegen Irland.

Aber was ist passiert mit dem Team? Wo ist sie hin, die Leichtigkeit des Seins? Auf der Suche nach Gründen.

– Defensivschwächen: Österreich kassierte in nur drei Spielen der WM-Qualifikation fünf Gegentreffer. So viele wie in der gesamten EM-Qualifikation in zehn Spielen. "Wir machen Fehler", gesteht Koller. Die Kompaktheit ging verloren, plötzlich tun sich für die Gegner Räume auf, die es im Vorjahr nicht gab. Der Verlust des Ballbesitzes in der Vorwärtsbewegung wurde Teil des Krankheitsbildes. Offensiv zu glänzen, wurde zu einem Hauptanliegen, Laufwege nach hinten einzuschlagen zu einer Tugend von gestern. Also existiert auch ein gewisses ...

– Einstellungsproblem: "Kopfsache", nennt es Koller etwas abschwächend. Sagt aber: "Der Weg zurück ist halt immer ein Scheiß-Weg." Dass es den Teamchef stört, lässt er wenig später unmissverständlich wissen: "Ich kann immer wieder reden, aber es nicht in sie reinprügeln, dass sie nach hinten gehen. Da geht es um Wahrnehmung und Bewusstsein." Nach dem Spiel gegen Wales meinte der Teamchef, seine Mannschaft sei erwachsen geworden. Zu früh gefreut.

– Formtief: Koller versucht immer, individuelle Kritiken aus der Öffentlichkeit zu halten. Doch unübersehbar sind die momentanen Formkrisen der Leistungsträger wie Junuzovic, Dragovic, Janko, Schwankungen bei Baumgartlinger. Was früher als Stärke ausgelegt wurde, scheint jetzt zum Problem zu werden: Des Teamchefs Festhalten am Stammpersonal. Doch mangelnde Spielpraxis bei einigen Klubs wird zunehmend eine Last. Wie sich die Beharrlichkeit des Teamchefs auf lange Sicht auswirken wird, bleibt abzuwarten. Arnautovic, ehemals Enfant terrible hat anderseits davon profitiert. Einen Vorwurf muss sich Koller aber in der letzten Zeit immer wieder gefallen lassen: Seine mangelnde Bereitschaft, personelle Veränderungen vorzunehmen. Lauter wurde der Ruf nach Reaktionen, kritisiert wurde die ...

– Mangelnde Flexibilität: Eine Pause für Marc Janko würde die Änderung des Systems erfordern. Typen, die den Basel-Legionär ersetzen können, gibt es nicht wirklich. Aber warum bekommt nicht endlich Alessandro Schöpf die Chance, Zlatko Junuzovic von Beginn zu ersetzen? Immerhin sagt Koller, er habe sich diese Möglichkeit verdient. Was zu einem Dauerbrenner zu werden droht, ist David Alaba, im Hauptberuf linker Verteidiger bei den Bayern, und seine Rolle im nationalen Mittelfeld.

– Der Unantastbare: Koller hat sich längst festgelegt. Grundsätzlich ist das legitim. Er ist der Teamchef und muss dafür die Verantwortung übernehmen . "Alaba ist ein Weltklasse-Spieler mit Übersicht und Technik." In Österreich habe man nicht so viele von seiner Sorte. Daher möchte er ihn nicht als Verteidiger "verschenken". "Er hat in Belgrad ein gutes Spiel gemacht", war Koller zufrieden. An diesem Punkt scheiden sich die Geister: Alaba ist es schon lange nicht mehr gelungen, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken.

Was bleibt? Jedenfalls ein Monat Zeit, um sich einen Plan zurechtzulegen für das Spiel gegen Irland. Kein Sieg würde eine Richtung vorgeben: Weg von Russland.

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