Sport | Fußball
23.08.2018

Die große Chance für Rapid auf eine Reise durch Europa

Wie es die Hütteldorfer in die Europa League schaffen wollen und weshalb es finanziell nicht überlebenswichtig wäre.

„Vorne mindestens ein Tor schießen, hinten keines bekommen.“ Klar und einfach klingt die Erwartung von Trainer Goran Djuricin an das Hinspiel im Play-off zur Europa League gegen FCSB alias Steaua Bukarest. 13:1 lautet die Bilanz in den K.-o.-Duellen der Quali, sechs Mal hat es Rapid bisher in die Gruppenphase geschafft. Der KURIER nennt sechs wichtige Faktoren auf dem Weg zum großen Saisonziel der Wiener.

Faktor Qualität: Mit „50:50“ wird die Chancenverteilung beurteilt – da sind Djuricin, Kapitän Stefan Schwab und der Rumäne Andrei Ivan sich einig. Als größte Qualität von FCSB gilt die abgeklärte Spielweise, die dafür sorgt, dass die Tore des französischen Goalgetters Gnohéré oft für Zu-Null-Siege reichen.

Schwab meint: „Steaua ist keine Übermannschaft – aber das sind wir auch nicht.“ Der Kapitän fordert, dass die Spielanlage besser auf die Neuen abgestimmt wird. „Früher konnten Bälle auch einfach vorgeschossen werden, Joelinton und Kvilitaia haben sie oft gesichert. Jetzt warten mit Knasmüllner und Alar spielerische Typen.“ Schwabs Lösung: „Noch mehr flache Pässe. Wir müssen uns präzise bis ins letzte Drittel spielen. Dann haben wir sehr viel Qualität vorne.“

Faktor Gegner: Der ORF überträgt live und bewirbt das Duell „Rapid – Steaua Bukarest“. Damit wissen die Zuschauer Bescheid, aus juristischer Sicht ist das aber nicht richtig. Nach einem Rechtsstreit mit Rumäniens Verteidigungsministerium musste der Verein umbenannt werden. FCSB ist ein Kürzel, aber die offizielle Bezeichnung (siehe unten).

Rapids Rumäne Andrei Ivan sieht es pragmatisch: „Für alle Rumänen ist FCSB gleich Steaua, also der größte Klub des Landes. Ich erwarte für das Rückspiel über 40.000 Fans.“ In der Liga sind hingegen vierstellige Zuschauerzahlen die Regel. Nach einer Auftaktniederlage bei Giurgiu hat der Großklub in die Spur gefunden. Von den letzten sechs Pflichtspielen wurden bei einem Remis fünf gewonnen. Auffällig ist die Defensivstärke, das Torverhältnis im August lautet 15:2.

Faktor Taktik: Djuricin überlegt, die Startaufstellung vom 4:0 gegen Slovan zu wiederholen, weil Schwab fit genug sein dürfte. „Wir müssen sie aber anders als Slovan bespielen und dabei ruhig bleiben“, meint Djuricin, der Konter „weniger als gegen Slovan“ fürchtet. Die Aufgabe wird sein, gegen eine kompakte Defensive durchzukommen: „Sie sind so routiniert, dass sie wie gegen Split auf ein 0:0 spielen können.“ Altmeister Texeira, 37, erinnert Djuricin „etwas an Steffen Hofmann“. Allerdings fehlen mit Spielmacher Tanase und Linksverteidiger Junior Morais zwei Stützen gesperrt.

Faktor Emotion: Der Dauerdruck in Hütteldorf wird spür- und auch hörbar: Nicht nur Djuricin sorgt für die mittlerweile gewohnten verbalen Hoppalas, sondern auch Präsident Krammer und Sportdirektor Bickel tätigten zuletzt Aussagen, die nicht zur Beruhigung beitrugen.

Besonders emotionalisiert wirkt Ivan, der sich seit der Auslosung auf das Duell mit der Heimat freut. Rumänische Medien schlachteten ein Wortgefecht von Ivan mit Steaua-Verteidiger Balasa aus, der ihn einst am Kopf verletzt hatte. „Wir kennen uns gut, da ist alles okay“, beruhigt der Offensivmann.

Djuricin meint: „Wenn Ivan alles abruft, ist er ein Topspieler. Ich überlege noch, ob das gegen Bukarest aus psychischen Gründen schon so weit sein könnte und er von Beginn an spielen sollte.“ Von den anderen Rotationsspielern wirkt der Cheftrainer enttäuscht, ohne dabei konkret zu werden.

Faktor Geld: Mindestens sieben Millionen Euro Umsatz würden durch den Einzug in die Gruppenphase lukriert werden. Neu ist die Prämie für den Klubkoeffizienten über zehn Jahre. „Rund 1,5 Millionen sollten aus diesem Topf für Rapid übrig bleiben“, rechnet Finanzdirektor Raphael Landthaler. Im Erfolgsfall könnten die insgesamt sieben (nicht budgetierten) Millionen durch Punkteprämien deutlich übertroffen werden. Wobei der Netto-Gewinn um einige Millionen geringer ausfallen würde.

Neben dem Aufwand (Reise-, Organisations- und Sicherheitskosten) ist auch die finanzielle Beteiligung der Spieler nicht zu verachten. „Wir haben ein fixiertes Prämiensystem für den Kader“, sagt Geschäftsführer Christoph Peschek.

Faktor Zukunft: Bis zur Länderspielpause Anfang September geht es für Rapid Schlag auf Schlag: Nach dem Hinspiel wartet am Sonntag gegen Aufsteiger Wacker in Hütteldorf ein Pflichtsieg – trotz Rotation. Nach der Rumänien-Reise geht es nach Graz. Dazwischen muss über letzte Transfers entschieden werden (Deadline Freitag, 31. August). Erst nach der Partie gegen Sturm (2. September) will Bickel seine Analyse abschließen und mit dem Präsidium abstimmen. Früher hätte ein Verpassen der Gruppenphase ein finanzielles Desaster bedeutet – das wird jetzt massiv dementiert. Dafür geht es um die Zukunft von Trainer Djuricin.