Die Werder-Fans feierten die Last-Minute-Rettung wie einen Meistertitel.

© REUTERS/WOLFGANG RATTAY

Deutsche Bundesliga
05/15/2016

Bremen feiert, Frankfurt sammelt sich, Stuttgart weint

Jürgen Kramny ist nicht mehr VfB-Trainer, auch Präsident Bernd Wahler trat zurück.

Was mit einem friedlichen Platzsturm von Tausenden Anhängern im Weserstadion kurz nach dem Abpfiff begonnen hat, endete am Pfingstsonntag erst im Morgengrauen. Ausgelassen und grenzenlos erleichtert feierte ganz Bremen mit einer grün-weißen Party die Last-Minute-Rettung des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen.

Die Bremer, bei denen ÖFB-Teamspieler Zlatko Junuzovic und Florian Grillitsch durchspielten, entschieden die Partie gegen Eintracht Frankfurt dank eines Treffers zwei Minuten vor dem Abpfiff mit 1:0 für sich und beförderten den Gegner in die Relegation.

"Das war mein wichtigstes Tor", jubelte Stürmer Anthony Ujah. Trainer Viktor Skrpinik hatte ihn nach einer Stunde, als der VfB Stuttgart in Wolfsburg 0:2 zurücklag, mit der Maßgabe auf den Platz geschickt, er solle Werder den Arsch retten. Gesagt, getan. Als Ujah eine Kopfball-Vorlage von Pizarro Richtung Tor weiterleitete, war der Ball drin. Der Stadionsprecher verkündete ihn als Torschützen, erst in den Katakomben wurde Ujah klar, dass die DFL den Treffer offiziell Papy Djilobodji zugeschrieben hatte.

"Wir haben nie daran gezweifelt, dass wir es nicht schaffen würden", erklärte Trainer Skripnik. Auch der sonst so ruhig wirkende Coach zeigte ungewohnte Emotionen, als er nach dem Siegestor aufsprang und auf den Platz stürmte. Das gute Ende einer ziemlich vermurksten Saison heißt nicht, dass bei Werder alles gut ist. Die Trainerfrage - Skripnik hat noch einen Vertrag bis 2017 - bleibt ebenso ein Thema wie die Zusammenstellung des Kaders für die neue Saison.

Frankfurt (ÖFB-Ersatztormann Heinz Lindner saß am Samstag auf der Bank) muss indes muss weiter zittern. Statt in den Urlaub ging es schon Sonntagfrüh wieder auf den Trainingsplatz. Die beiden Relegations-Partien gegen den 1. FC Nürnberg am Donnerstag und am darauffolgenden Montag sind nun die ultimativen Endspiele um den Verbleib in der Bundesliga. "Es wird nicht geweint, es wird nicht geheult", sagte der scheidende Vorstandschef Heribert Bruchhagen am Samstagabend im ZDF-"Sportstudio". "Unsere Aufgabe ist jetzt, in den nächsten vier Tagen konzentriert zu arbeiten und die Enttäuschung des Augenblicks so schnell wie möglich abzubauen."

Personelle Konsequenzen bei Stuttgart

Zweiter Absteiger neben Hannover 96 ist der VfB Stuttgart. "Ruhe, Stille. Es hat niemand gesprochen", beschrieb Trainer Jürgen Kramny die Stimmung während des Rückflugs der Schwaben aus Wolfsburg, wo man 1:3 verloren hatte. Der erste Bundesliga-Abstieg des VfB nach 1975 hatte personelle Konsequenzen: Jürgen Kramny ist nicht mehr Trainer. Mit dem Abstieg ende sein Vertrag für die Lizenzspielermannschaft, sagte ein Clubsprecher. Ab dem 30. Juni greife dann wieder sein ursprünglicher Kontrakt als Coach des zweiten VfB-Teams. Wenig später legte auch Bernd Wahler mit sofortiger Wirkung sein Amt als Klub-Präsident nieder.

Obwohl vor dem Saisonfinale für den Fall eines Sieges in Wolfsburg noch die Chance zur Rettung bestand, ergaben sich die VfB-Profis nahezu kampflos. Ein Aufbäumen war nicht ansatzweise zu erkennen. "Es ist vermutlich der bitterste Tag meiner Karriere. Wir haben die Fans enttäuscht durch unser Versagen", bekannte VfB-Kapitän Christian Gentner, der an selber Stelle in Wolfsburg 2009 noch deutscher Meister mit dem VfL geworden war.

Sieben Jahre später wurden Gentner und Co. nach der 19. Saisonpleite - so viele wie noch nie in einer Bundesliga-Spielzeit für den VfB - mit einer Mischung aus Lethargie und Wut konfrontiert. Tausende mitgereiste Fans hatten den Abstieg schweigend und damit zumindest scheinbar ebenso leblos wie die Abstiegskampf-Verweigerer auf dem Platz mitverfolgt. Die Stille war immer wieder nur von "Vorstand raus"-Rufen unterbrochen worden. Nach dem Abpfiff wandelte sich das in eine General-Aufforderung: "Alle, alle, alle könnt ihr gehen."

Der Österreicher Martin Harnik dürfte den Absteiger mit Auslaufen seines Vertrages im Sommer verlassen. Die Zukunft von Landsmann Florian Klein ist ebenfalls offen.

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