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Sport Fußball
06/16/2021

Der Angriffige im Mittelfeld: ÖFB-Star Marcel Sabitzer im Porträt

Der 27-Jährige war beim EM-Auftakt einer der Besten. Wegbegleiter erinnern sich und erklären seinen Aufstieg.

von Andreas Heidenreich

Marcel Sabitzer nimmt Platz und spricht. Er sagt Worte wie „kuckt“ oder „Leipzich“, wenn von seinem Klub die Rede ist. Sein Sprachgebrauch hat sich längst verabschiedet von jeglichem österreichischen Dialekt. Wichtiger ist aber ohnehin, was jemand sagt. Admira-Tormann Andreas Leitner, Freund und ständiger Zimmerkollege aus gemeinsamen Zeiten im Nachwuchs, erinnert sich: „Beim Sabi hat man schon mit 13 oder 14 das Gefühl gehabt: Der hat was zu sagen.“

So ist es auch beim Medientermin zwei Tage nach dem Auftaktspiel bei der EM gegen Nordmazedonien. Sabitzer sieht keinen Grund, Dinge zu beschönigen oder anderen Menschen zu sagen, was sie hören wollen. Er ist bei seiner zweiten Europameisterschaft und erinnert sich bestens an die erste. „2016 waren wir nicht gut genug und sind verdient ausgeschieden.“ Punkt.

Angriffslustig

Wie am Sonntag, als er sich mit dem Schiedsrichter und Gegenspielern gleichermaßen anlegte, zeigt er sich angriffslustig. Anwesenden Journalisten spricht er unverblümt die Fachkompetenz ab. „Bei euch merkt man ja, dass ihr viele Spieler nur nach Toren messt und gar nicht das Spiel richtig beurteilt.“

Man kann sich leicht vorstellen, wie unangenehm Zeitgenosse Sabitzer wird, wenn ihn das Gefühl überkommt, dass ein Mitspieler nicht an die Leistungsgrenze geht. „Mein Körper ist mein Kapital“, sagt der Mann, der um 22 Uhr ins Bett geht, auf die Ernährung achtet und seinem Job alles unterordnet.

„Die Sachen gehören im Fußball heute halt dazu“, sagt Vater Herfried, in den 1990er-Jahren selbst sechsfacher Teamspieler. Der Reifeprozess seines Sohnes habe auch zu tun mit der Gründung einer Familie, meint der 51-Jährige. Liiert ist Sabitzer mit Katja Kühne. Die in der Ukraine geborene Dresdnerin erlangte in Deutschland 2014 als Gewinnerin der RTL-Verkupplungsshow „Der Bachelor“ Bekanntheit. Mit seiner um neun Jahre älteren Partnerin hat Sabitzer eine zweijährige Tochter, die auf den Namen Mary-Lou hört. Seit einem Jahr ist das Paar verlobt.

Frisch verliebt haben sich am Sonntag die Fans des gepflegten Diagonalpasses. Jener von Sabitzer, der zum 1:0 durch Stefan Lainer geführt hat, verdient das Prädikat Weltklasse. Nur an seinem traumhaften Assist gemessen wird er aber zumindest an dieser Stelle nicht. Sabitzer sprintet über den ganzen Platz, schließt Räume des Gegners, grätscht durch die Gegend und erobert Bälle. „Ich wollte das Spiel auf meine Seite ziehen und der Mannschaft durch meine Präsenz ein gutes Gefühl geben. Ich denke, das hat funktioniert“, sagt der 27-Jährige und bezeichnet sich selbst als „ehemaligen Offensivspieler“.

Eine Erkenntnis, die der 3:1-Sieg auch gebracht hat, ist, wie manch Österreicher aufblüht, wenn er auf gewohnter Position spielt. Wie Sabitzer, der in Franco Fodas überraschender 3-5-2-Formation nicht mehr wie zuvor als Zehner hinter der Sturmspitze zu sehen war, sondern weiter hinten, wo er aus dem linken Halbraum Akzente setzte.

Laufender Prozess

Im Herbst 2019 stellte Trainer Julian Nagelsmann den Österreicher bei RB Leipzig erstmals ins zentrale Mittelfeld, wo er bis heute zwischen den Positionen Sechs und Acht wechselt. Er sehe das nun als seine Hauptposition. Der Weg zur anerkannten Klasse sei ein laufender Prozess gewesen. „Ich habe mich intensiv damit auseinandergesetzt und auch andere Spieler auf dieser Position beobachtet, um die Prinzipien zu verstehen“, erzählt Sabitzer.

Sein Sohn habe sich zwar schon als Stürmer im Nachwuchs oft Bälle von weiter hinten geholt, wenn sie nicht gleich bis zu ihm nach vorne gekommen seien, sagt Vater Herfried. „Ich hätte aber nicht geglaubt, dass er diese Rolle im Mittelfeld so schnell annehmen kann.“ Und Andreas Leitner erinnert sich an den 14-jährigen Sabitzer, der in der steirischen Auswahl vom Trainer als Sechser aufgestellt wurde. „Da war es fast so weit, dass er gesagt hat, er spielt nicht.“

Weit gereist

Viel herumgekommen ist Sabitzer nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern schon als Kind. Das hat nicht nur mit seiner eigenen Karriere zu tun, sondern auch mit jener des Vaters. Geboren wurde er 1994 in Wels, als Herfried für den LASK stürmte. Sein erster Klub war der USK Anif, als der Papa bei Austria Salzburg spielte. Nach dessen Wechsel zu Bad Bleiberg spielte Marcel für Admira Villach und danach beim GAK, als der Vater in Mattersburg und schließlich bei Kalsdorf gelandet war. Aus Graz ging es schließlich in die Austria-Akademie nach Hollabrunn und schon nach einem Jahr weiter in die Nachwuchsabteilung der Admira, wo er schließlich als 16-Jähriger im September 2010 in der 2. Liga sein Profidebüt feierte.

An Sabitzers bestes Spiel im Admira-Dress erinnert sich Philipp Hosiner. „Das war ein 4:1-Sieg in Wiener Neustadt.“ An diesem 28. April 2012 erzielte der 18-Jährige drei Tore und bereitete das vierte vor. „Schon danach haben sich Vereine aus Deutschland bei ihm und seinem Berater gemeldet und wir haben gescherzt, dass er dann schon VIP-Karten für mich auf die Seite legen kann.“

Drei Tore in einem Spiel erzielte Sabitzer danach nie wieder. Auch daran wird er heute nicht gemessen.

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