EURO 2020: ANKUNFT DES ÖFB-TEAMS IM EM-QUARTIER IN MÖSERN BEI SEEFELD

© APA/ROBERT JAEGER / ROBERT JAEGER

Reportage
06/08/2021

Das ÖFB-Team vor der EM: Alaba? Arnautovic? "Noch nie gehört!"

Österreichs Nationalteam hat sein EURO-Basiscamp nahe Seefeld in Tirol bezogen. Die Spieler haben dort eine heilige Ruhe.

von Andreas Heidenreich

Wer sich auch nur langsamen Schrittes dem Nidum Casual Luxury Hotel nähert und dabei sein Smartphone aus der Hosentasche zieht, wird umgehend aufgefordert, das Fotografieren zu unterlassen. Wohlgemerkt: Wir befinden uns immer noch weit außerhalb des Resorts und sind nicht in den Sauna-Bereich vorgedrungen.

Allerdings: Dem für die Sicherheit zuständigen jungen Mann will Gehorsam geschenkt werden. 283 Einwohner zählt die Gemeinde Mösern, die Nachbarortschaft von Seefeld, wo sich in der Vorwoche noch Jogi Löw mit seinen Deutschen und nun am Dienstag Franco Foda mit Österreichs Teamkickern niedergelassen hat. Hier will man sich also den Feinschliff holen – nicht nur für den EM-Auftakt am Sonntag in Bukarest gegen Nordmazedonien.

Luxus pur

In den Hang gebaut, lässt das mondän wirkende Resort erahnen, dass es Österreichs Kickern an nichts fehlen wird in den kommenden Wochen.

Ein kurzer Spaziergang rund ums Hotel sei erlaubt, meint der junge Mann. Über den Besuch scheint er sich trotzdem nicht wirklich zu freuen. Weit kommt man allerdings ohnehin nicht. Und steil bergauf geht es auch noch „Am Wiesenhang“, heißt die Gasse vor dem Hotel nicht von ungefähr.

Auffallend nahe grenzt das nächste Haus an das luxuriöse Resort. Dreistöckig und ebenso im modernen Stil erbaut, lässt sich auf den ersten Blick nicht erahnen, ob es gar dazu gehört. Tut es nicht, wie wir wenige Augenblicke später erfahren. Kurz angeläutet wird man gleich viel höflicher begrüßt als noch wenige Meter zuvor. Sie lebe seit Jahrzehnten hier, sagt die Dame, die vom Balkon herunterschaut. Sie wisse, dass letzte Woche die deutschen Fußballer nebenan waren und nun jene des ÖFB folgen.

Gleichgültigkeit

Ob sie sich freut auf Österreichs Kicker, die Stunden später ihre Zimmer in der Nachbarschaft beziehen werden? „Des isch mir wurscht“, sagt sie. Ob sie jemanden davon kenne? „I woas nit, sagens halt amal a poar Namen!“ Wie wär’s mit Alaba oder Arnautovic? „Noch nie gehört“, sagt sie. Dass die Mannschaften der heiligen Ruhe wegen hierher kämen, sei ihr bewusst. Den Rasen in ihrem Vorgarten müsse sie morgen trotzdem mähen.

Knappe zweieinhalb Kilometer weiter ist das längst geschehen. Der Rasenplatz am Fuße der beiden Skisprungschanzen in Seefeld ist saftig grün und eben wie ein Teppich.

Sehen kann man dies aber trotzdem nur, wenn man gegenüber der Straße auf einen Hügel klettert. Der Platz, auf den Franco Foda seine 26 Auserwählten in den kommenden drei Tagen bitten wird, ist nicht weniger abgeschirmt als das Hotel. Beim Versuch, auch nur den danebenliegenden Parkplatz zu betreten, um einen Tag vor der ersten Trainingseinheit einen kurzen Blick ins Gelände zu werfen, wird man gebeten, das Weite zu suchen.

Von besagtem Hügel ist gerade noch zu erkennen, wie Spinning-Räder aus einem Lkw in ein Zelt gebracht werden, das neben dem dem Platz steht. Sauerstoffzelt ist es keines, der Sinn und Zweck jedoch durchaus verwandt. Bei so einer halbstündigen Radtour ohne großem Widerstand soll nach dem Training das Lactat im Blut ab- und der Sauerstoff wieder aufgebaut werden. Ganz unter dem Titel „aktive Regeneration“.

Die wenigen Gäste, die zum Wandern nach Seefeld gekommen sind, regenerieren eher passiv und beim nahe gelegenen Wirt. Die junge Dame hinter der Bar ist froh, dass es nach einem turbulenten Wochenende mit vielen Touristen wieder eine Spur ruhiger ist. Sie kommt aus den Niederlanden saisonal zum Arbeiten nach Tirol. Dass sich Österreichs Fußballer hier auch auf das Duell mit ihrem Heimatland nächste Woche vorbereiten, ist ihr allerdings neu.

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