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Cup-Helden
05/31/2013

Red Bull verlieh Pasching Flügel

Nur dank der Unterstützung des Getränkekonzerns war der Coup im Cup möglich.

von Stephan Blumenschein

Wer hintereinander die Top 3 der Topliga aus dem Cup schmeißt, der ist mehr als ein verdienter Cupsieger. Pasching setzte sich gegen den Bundesliga-Dritten Rapid (1:0), Vizemeister Salzburg (2:1) und Meister Austria (1:0) durch. Ein Regionalliga-Klub, also ein Verein aus der dritten Liga, hat die Beletage des österreichischen Fußballs blamiert.

Um zu erkennen, dass die Paschinger alles andere als eine drittklassige Mannschaft haben, lohnt ein Blick auf die Lebensläufe vieler Kaderspieler. Dank der Unterstützung von Red Bull (der Getränkekonzern steuert ohne sichtbare Gegenleistung 80 Prozent zum geheimen Budget bei), kann sich Pasching Spieler leisten, die normalerweise in den ersten beiden Ligen spielen würden.

So etwa Torhüter Hans-Peter Berger. Der Salzburger war nach starken Jahren in Ried und misslungenen zwei Saisonen beim portugiesischen Klub Leixões 2011 mit der Admira in die Bundesliga aufgestiegen und im Teamkader gestanden. Nachdem der 31-Jährige in der Südstadt seinen Stamm platz verloren hatte, wechselte er mit dem Einstieg von Red Bull in der Winterpause 2011/’12 nach Pasching, damals ein Abstiegskandidat in der Regionalliga Mitte – angelockt von der Chance, nach der Karriere in einer Red-Bull-Akademie arbeiten zu können.

Berger ist nicht der einzige Spieler, der so in den Linzer Vorort kam. Ivan Kovacec konnte sich als Ostliga-Torschützenkönig der Angebote nicht erwehren. Letztlich entschied sich der Kroate, der 2011 mit Stegersbach noch in der Burgenland-Liga kickte, für das lukrativste Angebot.

Weltenbummler

In Pasching traf er auf einen Landsmann mit langjähriger Oberhaus-Erfahrung: Davorin Kablar kickte in Kroatien, Finnland und Japan. 2004 verschlug es den Verteidiger nach Ried. Über den LASK kam der 35-Jährige 2009 zum Cupsieger von 2013.

Ein gebürtiger Linzer ist Cup-Final-Torschütze Daniel Sobkova. Groß geworden ist der Linksfuß allerdings in der Akademie der Austria. Ein Chance bekam Sobkova bei den Wienern aber nie. Nun konnte er nach einer Österreich-Tournee (Ried, Austria Lustenau, LASK, Grödig) beweisen, dass er doch nicht zu pummelig ist, um Fußballspiele zu entscheiden.

Sobkova ist nicht der einzige Paschinger mit Austria-Vergangenheit: Auch Thomas Krammer, Lukas Mössner sowie Trainer Gerald Baumgartner und sein Assistent Martin Hiden trugen das violette Dress.

Letztere arbeiten nur in Pasching, weil das Red Bull so wollte. Weil man die Trainerbank bei den Salzburg Juniors für Peter Hyballa frei machen wollte, wurden Baumgartner und Hiden nach Oberösterreich geschickt. Ob die beiden nun weitermachen, ist genauso offen wie die Paschinger Teilnahme am Europacup: Die Verbindung zu Red Bull könnte ja gegen das Europacup-Regulativ verstoßen, die UEFA wird die Causa prüfen.

Sollten die Paschinger, die das eigentliche Saisonziel, den Aufstieg in die Erste Liga verfehlen werden, für die Europa League zugelassen werden, ist man im Play-off ungesetzt. Möglich sind deshalb Gegner wie Tottenham, Fiorentina oder Udine.

Der Paschinger Triumph in Bildern

Pfiffe beendeten Austrias Saison

Unter gellenden Pfiffen der eigenen Anhängerschaft hat die Wiener Austria ihre Meistersaison beendet. Die Cup-Finalpleite bescherte den Violetten eine jähe Katerstimmung nach siebentägigem Meisterrausch. Anstelle das elfte Double der Vereinsgeschichte zu feiern, mussten die Meisterkicker das unrühmliche Ende ihrer Rekorde brechenden Saison erklären.

Dass die Austria-Anhängerschaft ihre Lieblinge zwei Tage nach der großen Titelparty auf dem Rathausplatz mit Schlusspfiff denkbar unhöflich verabschiedete, wirkte befremdend. Zuzuschreiben hatten sich die Austrianer diese jedoch selbst. Eine Stunde lang ließ man gegen den Drittligisten die nötige Durchschlagskraft vermissen. Der Rekordcupsieger wachte, die Blamage vor Augen, letztendlich zu spät auf.

Kein Konzentrationsproblem

"Wir müssen immer an die Grenzen gehen, wenn wir das nicht machen, sind wir nicht gut. Dann sind wir leider nur Mittelmaß", fand Kapitän Manuel Ortlechner deutliche Worte. Die Frage, ob nach den Feiern der letzten Tage die nötige Konzentration gefehlt habe, wurmte den Oberösterreicher dennoch. "Nein", antwortete Ortlechner kurz und bündig. "Ich habe beim Abschlusstraining nicht den Eindruck gehabt, dass es jemand locker nimmt."

Heinz Lindner sah dies ebenso. "Jeder ist Profi genug, ich denke, das war nicht das Problem", meinte der Torhüter, der seine Mannschaft bereits vor dem Gegentreffer mit einigen Paraden vor einem Rückstand bewahrt hatte.

Kein Schwarzmalen

Trotzdem schien der Feiermarathon am Meister mehr mental als körperlich nicht spurlos vorübergegangen zu sein. Nach dem umjubelten Gewinn der Meistertellers nach wochenlanger Anspannung wieder den nötigen Druck aufzubauen, missglückte offenbar. "Wir haben versucht, den Hebel an der richtigen Stelle anzusetzen. Das ist uns im Endeffekt nicht wirklich gelungen", gab Alexander Gorgon zu Protokoll.

Schwarzmalen wollte im Lager der Favoritner dennoch niemand. Von einer bitteren Pleite sprachen zwar sowohl Trainer Peter Stöger als auch seine Kicker. Die Saison aufgrund des nun "leider fehlenden Tüpfelchen auf dem i" (Philipp Hosiner) plötzlich schlechtzureden, stand dennoch nicht auf dem Programm. "Wir haben sehr viel Positives geschafft, das lassen wir uns nicht mit einem Spiel zerstören", fasste Gorgon die Gemütslage treffend zusammen.

Weckruf

Einig waren sich die violetten Wortführer in einem Punkt: Die Finalpleite war ein Weckruf für die hochgesteckten Ziele in der Qualifikation für die Champions League. Mit weniger als hundert Prozent Einsatz und Konzentration könne man laut Trainer Peter Stöger gegen keinen Gegner ohne weiteres bestehen. "Das ist eine bittere Lehre, die ich gern in einer anderen Partie mitgenommen hätte", sagte Stöger. "Wir sind eben keine Mannschaft, die Spiele in Ballettschuhen gewinnt."

Mit welcher Mannschaft künftig geplant werden kann, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Spätestens am Montag entscheidet sich die Zukunft des von Monaco ausgeliehenen Nacer Barazite. Der Niederländer stand im Frühjahr wegen Knieproblemen kaum zur Verfügung, bei den erst ins französische Oberhaus aufgestiegenen Monegassen spielt der Stürmer in den Zukunftsplänen aber keine große Rolle.

Teamchef Koller: "Das ist eben der Fußball"

Die Cup-Sensation des FC Pasching hat auch Österreichs Fußball-Teamchef Marcel Koller ins Staunen versetzt. "Eigentlich dachte ich, dass die Paschinger Siege gegen Rapid und Salzburg Weckrufe für die Austria waren. Aber das ist eben der Fußball, ich kenne solche Geschichten aus meiner eigenen Zeit als Spieler", meinte Koller am Freitag im ÖFB-Teamcamp in Stegersbach.

Der Schweizer sieht die Finalsensation der Paschinger nicht als Armutszeugnis für den heimischen Fußball. "Es war ein interessantes Finale, spannend zu beobachten." Koller weiß, dass die vier Austria-Kicker in seinem Teamkader nun einen heftigen Nackenschlag zu verdauen haben.

"Wir werden versuchen, sie wieder aufzubauen. Sie haben verdient den Meistertitel geholt, jetzt hat es eben einen herben Rückschlag gesetzt", betonte Koller. Heinz Lindner, Manuel Ortlechner, Markus Suttner (im Finale aufgrund einer Sperre nicht dabei) und Philipp Hosiner werden am Sonntagabend zum Team stoßen und am Montag erstmals mittrainieren.

Pasching macht die Sensation perfekt

Vor einer Woche kürte sich die Austria zum Meister, am Donnerstag musste sie eine der größten Blamagen in der Vereinsgeschichte einstecken. Am Ende saßen die Meisterkicker von Wien völlig perplex auf der Bank, als wüssten sie nicht, was in den 94 Minuten zuvor geschehen war.

Regionalliga-Mitte-Klub Pasching sorgte mit dem 1:0 für die größte Sensation im heimischen Fußball, erstmals gewann ein Drittligist den Cup. Daniel Sobkova traf seinen Ex-Verein mitten ins Herz. „Der schönste Tag meiner Karriere.“

Ungemütlich

Die Fans trotzten der recht frischen Witterung, 16.500 fanden den Weg ins Happel-Stadion, um dem Finale beizuwohnen. 300 davon reisten extra aus Oberösterreich an.

Alles andere als trist war die Vorstellung auf dem Rasen, wenngleich die Rollen vor Anpfiff klar verteilt schienen: Die Austria der klare Favorit, der Regionalligist der Außenseiter. Doch es sollte anders kommen als erwartet. Zwar verbuchte der neue Meister die ersten guten Chancen durch einen Freistoß von Gorgon, bei dem Goalie Berger im Verbund mit der Torstange abwehren konnte, und durch einen Schuss von Hosiner. Das war es aber mit der violetten Herrlichkeit, denn die Wiener agierten in der Folge viel zu ungenau, um den Außenseiter mit spielerischen Mitteln zu bezwingen. Es fehlte der Biss, die Ernsthaftigkeit.

Knalleffekt

Pasching sorgte nach der Pause für den Knalleffekt: Schobesberger setzte sich auf der linken Seite durch, flankte und traf den Kopf von Sobkova. Diesmal reichte Lindners Reaktionszeit nicht mehr aus – 0:1 (47.).

Rapid, Salzburg und jetzt die Austria. Wer die drei besten Teams Österreichs auf der Abschussliste stehen hat, der ist zu Recht Cupsieger, wie auch Austria-Kapitän Ortlechner zugab: „Die Leidenschaft, die wir in der zweiten Hälfte zeigten, wäre von Beginn an nötig gewesen.“ Im Schongang war nichts zu gewinnen. „Wir haben den Sieg nicht verdient.“ Trainer Peter Stöger brachte es auf den Punkt: „Wir sind keine Mannschaft, die in Ballettschuhen Spiele gewinnt.“

Weil die Austria zwar alles nach vorne warf, aber den Paschinger Riegel durch Ungenauigkeit im Spiel nicht knacken konnte. Plötzlich sangen jene Fans, die am Dienstag noch ihre Helden auf dem Rathausplatz bejubelt hatten: „Wir woll’n die Veilchen sehen.“ Aber die waren im Prater nicht sichtbar. Gorgon suchte wie seine Kollegen in den Katakomben nach Erklärungen: „Wir haben kaum etwas umgesetzt.“

An den Meisterfeiern lag es nicht, wie Ortlechner versicherte. Stürmer Hosiner wird mit Lazio Rom in Verbindung gebracht. „Wenn ich gegen Regionalligist Pasching nicht treffen kann, dann wird da nichts dran sein.“

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