© Kevin Kada

Sport Fußball
09/07/2020

Corona-Angst im Amateurfußball: "Müssen uns an Absagen gewöhnen"

Steigende Corona-Zahlen: Im Amateurfußball will man flexibel sein, dennoch gibt es Zweifel, ob die Saison beendet werden kann.

von Günther Pavlovics

So grün wie dieses Frühjahr waren die Sportplätze in Österreich noch nie. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Amateurfußball im März beendet. Sportplätze durften nicht betreten werden, Training war verboten.

Mitte Mai startete das Distanztraining, im Juli die Vorbereitung mit Körperkontakt und Zweikämpfen, seit Mitte August läuft der Meisterschaftsbetrieb. Aber wie lange wird der Betrieb gut gehen, wenn die Corona-Zahlen steigen?

„Wir können die Meisterschaften nur durchziehen, wenn alle vorsichtig sind“, sagt Leo Windtner, Präsident des ÖFB. Der oberste Fußballer weiß um die Bedeutung seines Sports für Corona-Befindlichkeiten. Er sagt: „Wir werden von der breiten Bevölkerung beobachtet, was wir machen. Zu Recht, denn wir haben Vorbildwirkung.“

Im Burgenland wurden wegen Corona am Wochenende vier Spiele abgesagt. Binnen drei Wochen wurden somit 14 Spiele abgesagt. Gibt es genug Termine, um die Spiele nachzuholen? Kann man die Saison überhaupt fertig spielen?

Noch ist man bei den Landesverbänden beunruhigt. Vergangenes Wochenende, am ersten Spieltag in den unteren Ligen in Niederösterreich, gab es vier Corona-Absagen. „Das ist noch nicht viel, aber ich fürchte, es werden mehr“, sagt Heimo Zechmeister, Geschäftsführer des niederösterreichischen Fußballverbands (NÖFV).

  • 2.240 Vereine ...

 ... gehören dem österreichischen Fußballverband an. Der ÖFB ist damit der größte Sportverband Österreichs

  • 300 Tausend ...

... aktive Spieler und Spielerinnen sind beim ÖFB gemeldet und laufen jedes Wochenende in den Meisterschaften den Bällen nach

  • 160 Tausend ...

... davon sind Kinder und Jugendliche in mehr als 8.250 Nachwuchsmannschaften.

  • 40 ehrenamtliche ...

... Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind im Schnitt bei jedem Verein tätig

Coronastrafverifiziert

In Niederösterreich und Wien kann ein Spiel ohne Zustimmung des Gegners abgesagt werden, wenn drei Spieler in Quarantäne sind oder es drei Verdachtsfälle gibt. Die Klubs müssen die behördlichen Bestätigungen vorlegen. Freitag gab es eine erste Corona-Strafverifizierung. Mank war in Leonhofen nicht angetreten. Das Spiel wird 3:0 für Leonhofen gewertet – wegen Nicht-Erfüllung der Corona-Absage-Kriterien von Mank.

Im Burgenland kann man bei fünf positiven Spieler absagen oder bei einem Spieler, wenn es noch vor der Partie noch kein Testergebnis nach einem Verdachtsfall in dessen Umfeld gegeben hat. Damit soll vermieden werden, dass die Spieler beider Mannschaften in Quarantäne müssen, weil ein positiv Getesteter mitgespielt hat. Diese muss eingehalten werden, auch wenn die Spieler negative Testergebnisse bringen.

Wolfgang Bauer hat Wirtschaftspädagogik studiert, nach drei Jahren Praxis in der Wirtschaft kann er heute endlich einen Lehrerjob antreten. „Ich kann vielleicht einmal in Quarantäne gehen, aber ein zweites oder drittes Mal kann ich meinem Direktor nicht antun“, sagt der 28-Jährige, der im Burgenland bei Winden in der 2. Liga spielt. Also wird er nach der ersten Quarantäne nicht mehr zum Training und zu den Spielen kommen. „Und der Großteil meiner Mitspieler weiß, dass ihre Arbeitgeber alles andere als erfreut sind, wenn wir in Quarantäne müssen.“

Flexible Spielpläne

Diese Quarantäneregel ist ein Knackpunkt. Ein weiterer sind die verschobenen Spiele. Bei den Spielplänen setzt man auf Flexibilität. NÖFV-Chef Zechmeister: „Wir sind froh über jedes Spiel, das über die Bühne geht.“ In Niederösterreich und im Burgenland umfasst die Landesliga 15 Vereine, jedes Wochenende ist ein anderer Klub spielfrei. In der ersten Runde der Burgenlandliga war am Freitag Oberwart gegen Ritzing angesetzt, doch die Gäste mussten wegen einiger Verdachtsfälle passen. Ritzing hatte spielfrei und einigte sich mit Oberwart, dass man das für die 11. Runde angesetzte Spiel auf Samstag vorzieht.

Beim Verband war man erfreut, wie spontan die Klubs reagiert haben. Zumal sich Trainer und Spieler dadurch nur sehr kurz auf den neuen Gegner vorbereiten können. Karl Schmidt, Geschäftsstellenleiter des burgenländischen Verbandes: „Wir hoffen auf Fairness und Zusammenarbeit, weil wir sonst die Saison nicht zu Ende spielen können.“ Denn: „Wir werden uns an Absagen gewöhnen müssen.“ Überraschend aber nicht in Wien, wo am Wochenende der Amateurfußball unterhalb der Landesligen an diesem Wochenende begonnen hat.

Ungarn mit Problemen

Die Bundesländer haben verschiedene Regelungen, welche Spieler als Kaderspieler gelten, wenn es zu einem Abbruch wegen positiver Tests kommt. Übereinstimmung gibt es allerdings, dass man keine Rücksicht auf Spieler nimmt, die nicht einreisen dürfen – derzeit betrifft das Ungarn wegen der verschärften Einreisebestimmung in Ungarn. „Eine Grenzschließung und damit verbundene Nichtanreisemöglichkeit von Spielern ist kein Grund für eine Spielabsage“, schreibt es der Wiener Verband fest. So sieht man es auch im Burgenland und in Niederösterreich.

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