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07.11.2018

CL: Sonderlob für "Senor Raul" Burgstaller

Schalke feiert den ÖFB-Teamstürmer. Zwei Fehl-Entscheidungen sollen PSG um einen Sieg in Neapel gebracht haben.

Domenico Tedesco wirkte äußerst entspannt. Der Coach des FC Schalke 04 hat auch allen Grund zur Freude. Schließlich kommt sein Team nach dem verpatzten Saisonstart immer besser in Fahrt. Mit dem 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen den türkischen Meister Galatasaray Istanbul in der Champions League bestätigte der Bundesligist am Dienstagabend den Aufwärtstrend der vergangenen Wochen. „Die Leichtigkeit ist in einigen Situationen zurück. Wir sind auf einem guten Weg, haben ein paar Spiele gewonnen und das gibt eine breitere Brust“, stellte Tedesco nach dem dritten Erfolg innerhalb von sechs Tagen fest.

Hinter dem Spitzenreiter FC Porto (10 Punkte) behaupteten die Königsblauen (8) in der Gruppe zwei ihren zweiten Platz und bauten den Vorsprung auf die Türken (4) aus. Weil Lokomotive Moskau nach vier Spielen ohne Punkt dasteht, wird der Revier-Klub auf jeden Fall im Europapokal überwintern.

Doch die Europa League ist nicht das Ziel, sondern das Achtelfinale in der Königsklasse. "Das war ein wichtiger Schritt. In den beiden Spielen in Porto und gegen Moskau wollen wir den Sack zumachen", sagte Mark Uth, der sich drei Tage nach seinem ersten Tor für Schalke beim 3:1 gegen Hannover 96 auch über seinen Premieren-Treffer in der Königsklasse (57.) freuen durfte. "Ich bin froh, dass ich meiner Mannschaft erneut helfen konnte. Der Treffer gegen Hannover war vielleicht so etwas wie ein Dosenöffner. Von mir aus kann es für mich und vor allem für die Mannschaft gerne so weitergehen."

Guido Burgstaller hatte mit dem 1:0 in der 4. Minute die Weichen früh auf Sieg gestellt, dabei aber auch von einem kapitalen Fehler von Torhüter Fernando Muslera profitiert. Der herauseilende Uruguayer schien den Ball schon sicher in den Händen zu haben, rutschte dann aus dem Strafraum und ließ ihn wieder los. Der nachsetzende ÖFB-Teamstürmer reagierte blitzschnell und schoss aus der Drehung aus spitzem Winkel in leere Tor. "Ein typisches Burgi-Tor", befand Uth. Und Tedesco lobte: "Das macht er richtig stark. Das sind die Früchte seiner Beharrlichkeit."

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung verglich den 29-Jährigen gar mit dem spanischen Ex-Superstar Raul. "Sein Tor zum 1:0 war ein echtes Husarenstück - wie er den Ball nach Musleras Fehler aus 17 Metern und spitzem Winkel ins Tor zirkelte, erinnerte an Senor Raul", hieß es dort in der Einzelkritik. Burgstaller erhielt die Note eins. "Ich schieße einfach aufs Tor und er geht rein - es war ein bisschen glücklich, aber ich habe genau gewusst, wo ich stehe und wo der Tormann war", erklärte Burgstaller im Sky-Interview.

Nach dem 1:1 beim SSC Neapel in der Champions League haben beim französischen Meister Paris Saint-Germain Trainer Thomas Tuchel und Klub-Chef Nasser Al-Khelaïfi verärgert auf die Schiedsrichterleistung reagiert. „Es ist ein wenig hart, das Ergebnis zu akzeptieren“, sagte Tuchel mit Blick auf zwei Fehl-Entscheidungen des niederländischen Referees Björn Kuipers.

So lag vor dem Elfmeter zum 1:1-Ausgleich der Italiener eine nicht geahndete Abseitsstellung des Napoli-Stürmers José Callejón vor. Dazu wurde PSG nach einem Foul an Ex-Bayern-Profi Juan Bernat ein Strafstoß verweigert. „Wir brauchen den Video-Schiedsrichter. Ich hoffe, dass er kommen wird. Es gab zwei Fehler des Schiedsrichters“, monierte Al-Khelaïfi. Zugleich lobte der Klub-Boss seinen Coach Tuchel: „Er leistet gute Arbeit. Unglücklicherweise hatten wir heute Abend nicht das Glück.“

PSG liegt in Gruppe C nach vier Spieltagen mit fünf Punkten nur auf Platz drei hinter dem Vorjahresfinalisten FC Liverpool und Neapel (jeweils 6). Am 28. November kommt es für Tuchel nun zum entscheidenden Duell mit Liverpool und Trainer Jürgen Klopp.

Gelassene Dortmunder

Die Erfolgsserie ist gerissen. Erstmals unter der Regie von Trainer Lucien Favre verlor der BVB in dieser Saison ein Pflichtspiel. Das 0:2 in Madrid wollte aber kein Dortmunder als schlechtes Omen für den Liga-Hit am Samstag gegen die Bayern werten.

Ein Mutmacher für den Bundesliga-Schlager war der Auftritt bei Atlético Madrid wahrlich nicht. Doch auf die erste Saisonniederlage reagierten die Dortmunder erstaunlich gelassen. Der Glaube an die eigene Stärke nahm nach eigenem Bekunden keinen Schaden. „Wir werden uns davon nicht verunsichern lassen, dafür gibt es zu viel Positives“, sagte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung.

Der BVB führt die Tabelle der Gruppe A mit neun Zählern weiterhin vor den nun punktgleichen Spaniern an. Schon bei einem Remis in drei Wochen vor heimischer Kulisse gegen den FC Brügge (4 Punkte), der überraschend deutlich mit 4:0 bei AS Monaco (1) gewann, wäre der Achtelfinal-Einzug perfekt. „Das ist wirklich kein Beinbruch. Am Ende können wir mit dieser Niederlage gut leben, weil wir im direkten Vergleich mit Atlético weiter vorne sind“, sagte Kehl mit Verweis auf das famose 4:0 im Hinspiel.

Der ersten Niederlage unter der Regie von Lucien Favre gewann Torhüter Roman Bürki mit Blick auf das Bayern-Spiel sogar positive Seiten ab. „Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass wir nach den letzten Wochen, in denen alles top war, auch mal wieder auf dem Boden der Realität angekommen sind.“ Ähnlich sah es der ehemalige BVB-Profi Kehl: „Die Jungs freuen sich drauf, unabhängig von dieser Niederlage. Das wird ein Highlight.“