Fußball, Rapid Training

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Sport Fußball
05/09/2020

Bundesliga-Fortsetzung: Es gibt nur einen vernünftigen Weg

"Tagebuch": Es ist höchste Zeit, aus der (finanziellen) Not eine Jugend zu machen.

von Wolfgang Winheim

Kann die Bundesliga doch noch fortgesetzt werden? Als Liga-Vorstand hält Jurist Christian Ebenbauer den TV-Kameras täglich geduldig seine Denkerstirn entgegen. Als Rapid-Talent hatte 1986 der Sohn des damaligen Rektors der Uni Wien erlebt, wie es ist, wenn man in der schönsten Jahreszeit wochenlang den Sportplatz nicht betreten darf.

Jedoch beschränkte sich das Spielverbot im Freien nach der Kernkraft-Katastrophe von Tschernobyl „nur“ auf Kinder und sechs Wochen. Aktuell gleicht die pandemiebedingte Pause für Bewegungshungrige einem Super-GAU, zumal es auch keinen Turnunterricht an Schulen gibt und Jugendliche nicht wissen, ob sie heuer noch im Verein kicken dürfen– und ob es den dann überhaupt noch gibt. Resignation und Ratlosigkeit machen sich breit. Gerade in so einer Phase ist’s angebracht, Talente aufzubauen mit der Feststellung,

dass Österreichs Nachwuchs bis zum Corona-Stopp international gut dastand;

dass die U 19 (Coach Rupert Marko) in der Europarangliste auf Platz zwei liegt;

dass auch die Auswahlen von Martin Scherb, Hermann Stadler und Manfred Zsak keinen Vergleich zu scheuen brauchen;

und dass es höchste Zeit ist, aus der (finanziellen) Not eine Jugend zu machen.

Mit Ausnahme Salzburgs werden sich die Vereine teurere Spieler nicht mehr leisten können. Das Forcieren des eigenen Nachwuchs plus Geduld mit risikobereiten Trainern ist somit der einzig logische Weg. Der gefürchtet ehrgeizige (vom nunmehrigen, harmoniebedürftig gewordenen ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel einst noch für Rapid entdeckte) Leistungsdiagnostiker Dritan Baholli sagt gar, Österreich könne in sechs Jahren bei den Großen groß dastehen, wenn neueste sportwissenschaftliche Erkenntnisse umgesetzt werden.

Tatsache ist, dass es genug junge Burschen und Mädchen gibt, die nebst Begabung der nötige Ehrgeiz auszeichnet. Tatsache ist auch, dass die Schere zwischen jenen, die extrem viel und solchen, die überhaupt nichts für ihren Körper tun, breiter wird. Oder wie es ein Medizinalrat mit 35-jähriger Erfahrung als Schularzt in einem KURIER-Leserbrief sarkastisch formuliert: „Mein Rekord: 1. Klasse Volksschule 60 Kilo. 4. Klasse VS 90. 4. Klasse Hauptschule 110 Kilo. Heute Frühpensionist wegen Zuckerkrankheit, Bluthochdruck plus Herzkrankheiten.“