Fußball, Admira - Salzburg

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Analyse
12/07/2020

Blamage mit Ansage: Warum Salzburg der zweite Anzug nicht passt

Trainer Jesse Marsch war nach der Admira-Blamage extrem verärgert und kündigte Konsequenzen an. Doch wie war das 0:1 möglich?

von Stephan Blumenschein

Atletico Madrid gewann gegen Real Valladolid mit 2:0, Salzburg verlor bei der Admira mit 0:1. Die Madrilenen sind nun Tabellenführer in der spanischen La Liga, während Red Bull Platz eins in der österreichischen Bundesliga am Sonntag an den LASK verloren hat: Wem die Generalprobe vor dem Entscheidungsspiel um den Aufstieg ins Achtelfinale der Champions League am Mittwoch in der Red-Bull-Arena gelungen ist und wem nicht, bedarf wohl keiner Erklärung.

Natürlich haben beide Ergebnisse wenig Aussagekraft, rotierten doch sowohl Atletico-Trainer Diego Simeone als auch Salzburg-Trainer Jesse Marsch. Bei Red Bull standen mit Keeper Stankovic, Szoboszlai und Camara, der gegen die Spanier gesperrt fehlen wird, nur drei Spieler in der Startelf, die unter der Woche beim 3:1 bei Lok Moskau ebenfalls begonnen hatten.

 

Marsch tobte nach der Blamage trotzdem so wie überhaupt noch nie in der Öffentlichkeit: „Ich bin total unzufrieden und böse. Und müde mit einer Gruppe, die nicht versteht zu kämpfen. Wir reden immer über dieses Thema. Das ist nicht gut“, meinte der US-Amerikaner im ORF-Interview. Salzburgs zweiter Anzug passt einfach nicht.

Kein einziger Spieler aus der zweiten Reihe konnte Werbung in eigener Sache machen. Eine inferiore Vorstellung – der Serienmeister schaffte als erster Klub in dieser Saison das Kunststück, gegen die  Schießbude Admira (29 Gegentreffer in den anderen neun Spielen) kein Tor zu erzielen. Und nicht nur das: Es gab keine einzige Großchance.

Zweite Pleite

Beim Serienmeister sollten nach der zweiten Niederlage in nur zehn Runden endgültig die Alarmglocken läuten. Zum Vergleich: Vergangene Saison, in der man ja auch in der Champions League dabei war, setzte es erst im Februar und in Runde 19 die erste Niederlage. Marsch' Conclusio nach der Blamage, dass er ab jetzt „weniger rotieren“ wird, kann nicht die endgültige Lösung sein.

Denn selbst wenn man nur mehr zwei Europacup-Spiele im Frühjahr haben sollte, warten trotzdem zahlreiche englische Runden. Dazu kommt eine extrem kurze Winterpause.  Salzburg wird also ohne Rotation nur schwer die hochgesteckten Saisonziele erreichen können.

Marsch stehen aber nur 14, 15 hochwertige Spieler zur Verfügung, der Rest erfüllt zumindest momentan nicht die Ansprüche, die man an Salzburg-Spieler haben sollte. Bei Onguene, Okugawa oder Ashimeru ist seit langem keine Weiterentwicklung zu sehen. Okafor bewies erneut, dass er auf dem besten Weg ist, der teuerste Flop der Klubgeschichte zu werden. Der Schweizer zeigt Leistungen, wie man sie von einem Ersatzspieler der FC Basel erwarten darf (was er ja auch war, bevor er nach Österreich gekommen ist).

Den Beweis, warum ihn Salzburg mit einer kolportierten Ablöse von 11,2 Millionen Euro zum teuersten Spieler der Bundesliga-Geschichte gemacht hat, blieb Okafor aber bisher schuldig. Es kommt ja auch nicht von ungefähr, dass er am Samstag nicht einmal in Salzburgs B-Elf einen Platz in der Startelf bekommen hat.

Lange Verträge

Okafor steht übrigens bis 2024 in Salzburg unter Vertrag. Und mit Ausnahme von Zlatko Junuzovic (bis Sommer 2021) sind auch alle anderen Spieler, die gegen den Abstiegskandidaten Admira völlig versagten, langfristig gebunden. Einigen scheint es in der „Wohlfühloase“ Salzburg zu gut zu gehen. Anders sind leblose Auftritte wie jener am Samstag, der bei weitem nicht der erste dieser Art in dieser Saison war, nicht zu erklären. Oder fehlt es der zweiten Garde doch am fußballerischen Können? Ist dem so, dann wird man allerdings die immer so hoch gelobte Salzburger Scouting-Abteilung auch einmal zumindest hinterfragen müssen.

Eines war jedenfalls auffällig. In jener Elf, die am Samstag begonnen hatte, standen nur zugekaufte Spieler. Mit dem eingewechselten Berisha kam nur ein Spieler zum Einsatz, der in Salzburg ausgebildet worden ist.  Überhaupt ist der deutsche U-21-Teamspieler momentan der einzige Red-Bull-Akademiker, der in Salzburg  wirklich eine Rolle spielt. Sucic und  Seiwald pendeln zwischen Salzburg und Liefering. Das war es   schon mit dem aktuellen Akademie-Output. Und nicht nur den beiden hochveranlagten U-20-Spielern verstellen viele Südstadt-Versager die Chance, sich bei Salzburg in der Bundesliga beweisen zu können.

Marsch geht mit seiner Ankündigung, nun weniger zu rotieren, großes Risiko. Denn Salzburg steht vor richtungsweisenden zwei Wochen mit vier Heimspielen.  Auf die Champions-League-Partie gegen Atletico folgt der Bundesliga-Hit gegen den LASK am Sonntag. Der Cup-Hit gegen Rapid (16. Dezember) und das Liga-Spiel gegen den WAC (20. Dezember) beschließen eine  intensive  Herbstsaison. Und diese Spiele werden nur fitte Spieler erfolgreich bestreiten können.

 

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