Suárez (24), Messi (46) und Dembélé (14) erzielten in Summe 84 Treffer in dieser Saison

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Sport Fußball
05/01/2019

Barcelona vs. Liverpool: Seltenes Duell zweier Großmächte

Erst acht Mal trafen die Katalanen und die Engländer aufeinander – noch nie kam Barca weiter.

von Andreas Heidenreich

Die Königsklasse, einmal anders: Nicht die Bayern gegen Real, Paris Saint-Germain gegen Chelsea oder wieder ein Madrider Stadtderby, wie schon so oft in K.-o.-Duellen der letzten Jahre. Im zweiten Halbfinal-Hinspiel empfängt am Mittwoch der FC Barcelona den FC Liverpool (21 Uhr, live Sky und DAZN). Ein Duell zweier ganz großer Klubs in Europa, das es zuletzt 2006/’07 gegeben hat. Die beiden Kontrahenten gehören neben Real, Milan und den Bayern auch zu jenen fünf Klubs, die den Bewerb zumindest fünf Mal gewonnen haben und deshalb den begehrten Aufnäher am Trikotärmel tragen dürfen, der den Pokal der Champions League und darin die Zahl der Triumphe zeigt.

Direkt außergewöhnlich, dass es dieses Duell dennoch bisher so selten gegeben hat. Acht Mal haben die beiden Klubs bisher in europäischen Bewerben gegeneinander gespielt, unentschieden ist dabei nur das Torverhältnis von 6:6. Ansonsten haben die Engländer klar die Nase vorn, mit 3:2 Siegen bei drei Remis und vor allem in K.-o.-Duellen, wo Barcelona gegen die Reds bisher noch jedes Mal ausgeschieden ist. Im Achtelfinale vor zwölf Jahren ebenso wie in den Halbfinalduellen 2001 und 1976.

Was diesmal zu erwarten ist? Zumindest die Vorzeichen sprechen für mehr Tore als in den bisherigen Duellen. Barcelona ist mit 128 erzielten Toren in vier Bewerben ebenso eine Tormaschine wie Liverpool mit bisher 104 erzielten Treffern. Treffsicherster Schütze ist Lionel Messi – wie könnte es anders sein? Der Argentinier ist mit 46 erzielten Toren für 36 Prozent der Barça-Treffer verantwortlich. Sturmpartner Luis Suárez hat 24 Mal getroffen. Bei Liverpool dominiert wie schon im Vorjahr das Trio Salah (25), Mané (24) und Firmino (16.). Doch es sind vor allem zwei kontroverse Fußballphilosophien, die da aufeinandertreffen.

Starke Defensive

Zum einen der FC Barcelona, der nach wie vor für seinen Ballbesitzfußball ebenso bekannt wie berüchtigt ist. Mit dem feinen Zusatz, dass Trainer Ernesto Valverde – seit 2017 im Amt – den Stars rund um Lionel Messi mehr Disziplin in der Defensive schmackhaft machen konnte. Unter dem 55-jährigen Coach wurde der Gegentorschnitt von zuvor 0,97 auf aktuell 0,85 Treffer pro Partie gesenkt und die Anzahl der Spiele ohne Gegentore gegenüber der letzten Saison unter Luis Enrique 2016/’17 um knapp 50 Prozent erhöht. Unter Valverde verteidigt Barcelona gerne auch tiefer als in früheren Jahren und genießt mehr Räume bei Gegenangriffen. Gleich geblieben sind die Intensität im Gegenpressing nach Ballverlusten und vor allem die Ballsicherheit der großen Stars.

Die dürfte wiederum am Mittwoch so sehr auf dem Prüfstand stehen wie selten zuvor. Denn während bei Barcelona nach wie vor das Spiel mit dem Ball im Vordergrund steht, definiert sich Liverpool vor allem über das Spiel „gegen den Ball“, das sich durch aggressives Angriffspressing auszeichnet. Kaum eine Mannschaft erzielt so viele Balleroberungen in der Hälfte des Gegners wie der Vorjahresfinalist.

Premiere für Klopp

Der dafür Verantwortliche – Trainer Jürgen Klopp – feiert im Nou Camp eine Premiere: Noch nie bekam es der deutsche Coach bisher mit den Katalanen zu tun. Das Duell kommt dem 51-Jährigen gelegen. „War mir schon mal wichtig, dass es irgendwann mal passiert“, sagte Klopp über seine Barça-Premiere. „Du siehst immer, wie andere straucheln. Nicht, dass wir selber auch straucheln wollen, aber wir wollen gucken, was geht.“ Nicht viel zulassen will Klopps Landsmann Marc-André ter Stegen im Barcelona-Tor: „Liverpool ist ein Brocken, aber wir sind in einer Top-Verfassung“, sagte der deutsche Torhüter.