Sport | Fußball
04.12.2016

Von Tricksern und Dribblern

Mit dem Ball weiß Ronaldo umzugehen - mit dem Geld? © Bild: REUTERS/Sergio Perez

Berge von neuen Daten belasten die Steuermoral von Ronaldo und Co.

9. Jänner werden sie wieder ins Rampenlicht treten. Die Stars unter den Stars, die Unantastbaren, die in ihrer exklusiven Blase seit Jahren unerreichbar entschweben, angetrieben von der Verherrlichung der Massen.

Cristiano Ronaldo wird wohl wieder Weltfußballer. Weil gar so geschickt bei der Behandlung des Balles, gar so verführerisch sein Muskelspiel. Oder doch der kleine Messi, der ungreifbar Unscheinbare?

Doch es tun sich dunkle Wolken auf über all den menschenähnlichen Kunstprodukten des Weltfußballs. Nur unnatürlich gut kicken zu können, dabei noch abenteuerlich gut auszuschauen, wird künftig womöglich nicht mehr reichen für einen Platz im luxuriösen Olymp.

Es bleibt eine Eigenart des Fußballs, genauer gesagt seiner Fans, lieber zu vergöttern als zu hinterfragen. Zum Beispiel, warum eben ihre Götter eigentlich so reich sein müssen. Und reicher, immer reicher werden. Nicht Verwunderung, sondern Bewunderung verhinderte das Platzen der praller werdenden Blase.

Doch der Knall ist in Hörweite. Verbunden mit dem Wunsch, der galaktische Ronaldo und Konsorten mögen doch einigermaßen unbequem landen auf irdischem Boden.

Im Nachrichtenmagazin Der Spiegel wird aktuell dargelegt, welch neue Erkenntnisse die Enthüllungsplattform „Football Leaks“ im Doppelpass mit dem Investigativ-Netzwerk „European Investigative Collaborations“ (EIC) ans Tageslicht brachte. Ronaldo, einige seiner realen Kollegen in Madrid, andere Fußball spielende Prominente oder auch der trainierende Schauspieler José Mourinho, der sich selbst als „Special One“ definiert, wurden der unmenschlichen Geldgier überführt. Sprich, die Sportgrößen bedienten sich zumeist eines steuerschonenden Modells, das schon von vielen finanziell potenten Personen und Firmen als vorteilhaft erachtet wurde.

Wohin mit der Kohle? Ronaldo, einst in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen auf der Blumeninsel Madeira, hat im Zusammenhang mit seinen Werbemillionen die Problemlösung auf den Virgin Islands entdeckt. Vorab verkaufte er seine Bildrechte für den Zeitraum von 2015 bis 2020 an zwei dortige Briefkastenfirmen. Gesamtsumme: 75 Millionen Euro, nach steuerschonender Behandlung blieben 63,5 Millionen.

So wirklich herzeigbar war die Immobilie, die sich hinter dem Briefkasten verbarg, natürlich nicht. Außerdem zu verdächtig für den Fiskus. Im Spiegel wird erklärt: „Die Werbepartner erwarten deshalb eine bessere Adresse ... und die lieferte in diesem Fall Irland.“ Also jener EU-Boden, der Puffer, den das Geschäft gebraucht habe. „Irland gilt mit seiner niedrigen Firmensteuer als Steueroase in Europa.“

All diese Schlupflöcher ermöglichten den ergiebigen Geldfluss. Einer, der zwar bei Ronaldo, aber dennoch im Graubereich mündet (siehe Grafik).

José Mourinho fand die Umwege der Verschleierung über Neuseeland. WM-Torschützenkönig Rodriguez aus Kolumbien, die portugiesischen Stars Pepe, André Gomes oder Ricardo Carvalho haben ihre „Spardosen“ in Panama oder den Virgin Islands. Alle oben genannten Personen sind Klienten des portugiesischen Beraters Jorge Mendes, jenes Jongleurs, der seinen Kunden den fragwürdigen Wohlstand bringt. Alles noch legal, aber auch egal?

Mourinho, einst Coach bei Real Madrid, wurde von spanischen Steuerbehörden schon zur Kasse gebeten. Wie angemessen die 4,4 Millionen Euro Nachzahlung tatsächlich sind, entzieht sich einer objektiven Bewertung.

Was das schwindelerregende Zahlenspiel wieder einmal vor Augen führt, sind die perversen Summen, die im internationalen Profifußball ins Spiel gebracht werden. Ronaldo verdient bei Real Madrid im Jahr knapp über 38 Millionen. Will ihn ein anderer Klub kaufen, würde dies den von allen guten Geistern verlassenen Kostenpunkt von einer Milliarde erreichen.

Das Geschäft boomt. Fast krankhaft ist die internationale Bereitschaft von Klubs und Sponsoren, in stiller Übereinkunft zu zahlen und die Explosion gleichzeitig zu bejammern. Das Argument, dass mathematisch halbwegs begabte Spieler oft gar nicht wüssten, was ihre Berater mit ihrem Geld so alles anstellen, ist naive Verteidigungsstrategie. Es gibt tatsächlich Beteiligte, die das System durchschauen. Weil sie bodenständig und nüchtern sind. So meinte der Vater des jungen norwegischen Spielers Martin Ødegaard bei den Vertragsverhandlungen mit Real Madrid: „Er wird sowieso viel Geld verdienen; deshalb ist es auch eine moralische Frage, wie viel Mühe er sich mit dem Versuch geben sollte, ein paar Steuern zu sparen, wenn andere Leute viel mehr damit zu kämpfen haben, ihre Rechnungen zu zahlen.“ Bemerkenswert.

„Football Leaks“ offenbare, so meint Der Spiegel, den Plan der „Erfolgreichen“, der Gesellschaft „möglichst wenig, am besten gar nichts zurückzuzahlen“. Und das kommt momentan in weiten Teilen der Gesellschaft gar nicht gut an.