ÖFB-Goalie Schlager: "Warum sollte es gegen Messi anders sein?"
Alexander Schlager
Alexander Schlager hütet Österreichs Tor bei dieser WM. Der 30-Jährige will im Leben einfach investieren, nicht viel planen und die Menschen in Österreich glücklich machen.
KURIER: Wissen Sie noch, was am 26. April 2024 passiert ist?
Alexander Schlager: Das war wohl der Tag, an dem ich mich verletzt habe.
Korrekt. Woran erinnern Sie sich?
Ich bin in der Kabine beim Physiotherapeuten gelegen und hab geweint. Aber nicht nur, wegen der EM, sondern weil wir mitten im Titelkampf waren. Da ist viel zusammengekommen.
Weil Sie sofort gewusst haben, welche Konsequenzen diese Verletzung hat?
Nein, ich hatte da noch das Gefühl, dass es sich ausgehen könnte für die EM. Die Tage danach waren also nicht so tragisch. Ich bin schnell operiert worden, habe gleich die Reha begonnen und jeden Tag zehn Stunden gearbeitet. Viel schlimmer war es dann später, als ich realisiert habe: Das wird nix.
Wie lief dann der Austausch mit dem ÖFB?
Der ÖFB und auch Ralf Rangnick haben sich so sehr um mich bemüht. Ich habe immer das Signal bekommen, dass ich dran bleiben soll, weil man mich gerne dabei hätte. Um es noch zur EM zu schaffen, musste ich dann aber in der letzten Woche vor der Entscheidung die Belastung erhöhen. Da sind Schmerzen und Rückschläge gekommen. Dann hoffst du nur noch auf eine Wunderheilung über Nacht. In einer Telefonkonferenz haben wir dann gemeinsam entschieden, dass es sich nicht ausgeht. Die Tage danach waren sehr zäh, so wie auch die Zeit während der EM. Die Jungs haben mich aber nie vergessen und fast täglich über FaceTime angerufen. Gefühlt war ich also eh immer bei der EM dabei.
Welche positiven Erkenntnisse kann man aus so einem einschneidenden Erlebnis gewinnen?
Ich habe gemerkt, dass man im Leben nicht allzu viel planen kann und dass es umso wichtiger ist, im Moment zu leben und die Momente, in denen es mir gut geht, mehr zu genießen.
Ist die WM jetzt eine Art der Entschädigung für die verpasste EM 2024?
Mein Motto ist: Wenn ich immer wieder investiere und immer wieder an den Punkt komme, wo ich merke, ich gebe alles, dann bin ich überzeugt davon, dass ich das irgendwann im Leben zurückbekomme. Nur ein Bruchteil aller Fußballer weltweit darf bei einer WM dabei sein.
Wissen Sie, wer bei Österreich bei den letzten WM-Teilnahmen im Tor war?
Keine Ahnung. Ich habe mich nicht erkundigt. Wer denn?
1998 Konsel, 1990 Lindenberger, 1982 und 1978 jeweils Koncilia.
Und wer war 1998 noch dabei im Tormannteam?
Franz Wohlfahrt und Wolfgang Knaller.
Cool. Jetzt weiß ich’s (lacht).
Man hat den Eindruck, dass Sie und Patrick Pentz ein sehr gutes Verhältnis zueinander haben.
Für das ganze Torwart-Team, angefangen bei den Tormanntrainern, sowie den anderen Tormännern, die zuletzt auch immer dabei waren, wie etwa Tobias Lawal, Nik Polster oder jetzt eben Florian Wiegele, gilt: Das ist ein sehr stimmiges Umfeld und es passt von den Charakteren. Was Patrick Pentz und mich betrifft, ist es so, dass wir uns ewig kennen und dass es witzig ist, dass wir uns im Nationalteam wieder getroffen haben. Wenn er gespielt hat, hat er seine Sache immer hervorragend gemacht. Jeder will spielen, aber es erkennt auch jeder den Sinn dahinter, für das große Ganze da zu sein. Bei uns gibt es so eine Homogenität, dass es für jeden relativ einfach ist, sein Ego hintanzustellen. Ich bin überzeugt, das wird auch so bleiben. Wir sind bei der WM, um die Nation zu vertreten und die Leute glücklich zu machen.
In der jüngeren Vergangenheit haben österreichische Torhüter sehr wenig zu tun gehabt in ihren Spielen. Liegt Ihnen das, wenn in 90 Minuten nur ein, zwei Bälle auf Ihr Tor fliegen?
Das ist Gewohnheit. Der Ralf hat einmal gesagt: Der Tormann ist wie der Schiedsrichter. Wenn man nach dem Spiel fragt, was der eigentlich gemacht hat, dann hat alles gepasst. Das ist halt so auf dieser Position. Wir bereiten uns jeden Tag darauf vor, in diesen Momenten dann da zu sein.
Sie haben gegen einige große Namen gespielt. Haben sie schon visualisiert, wie es so wäre, wenn Lionel Messi auf Sie zuläuft?
Noch nie. Ich wüsste nicht, warum es gegen ihn anders sein sollte. Er hat über Jahrzehnte den Fußball geprägt und tut das immer noch. Es ist schön, wenn man irgendwann sagen kann, dass man sich mit ihm einmal den Fußballplatz geteilt hat. Aber wenn der Schiri anpfeift, bin ich dazu da, auch ihm das Leben so schwer wie möglich zu machen.
Angenommen, wir sprechen nach der WM wieder miteinander. Was müsste passiert sein, damit Sie dann sagen: Jetzt ist meine Geschichte komplett?
Wenn wir als Team so eine Dynamik entwickeln, dass sich jeder dem gemeinsamen Ziel widmet, dann spüren das die Menschen und dann verbindet das, es entsteht Euphorie und ein ganzes Land ist in Ekstase. Wenn ich am Ende zurückschau’ und das Gefühl habe, dass wir unser Land stolz gemacht haben, mit welchem sportlichen Ausgang auch immer, dann ist das eine runde Geschichte.
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